Tradition im Takt: Ratschen in Rankweil

Die Glocken sind in Rom: In Rankweil kündigen Kinder mit selbstgebauten, hölzernen Rätschen die Gebetszeiten an.
Pünktlich zum Karfreitag kehrt ein ganz besonderes Geräusch in Vorarlbergs Gemeinden zurück – das „Rätschen“. Ostern ist in Vorarlberg untrennbar mit lebendigem Brauchtum verbunden. Das Rätschen ist ein Höhepunkt, der alljährlich in den Tagen vor Ostern stattfindet. Es ist ein Brauch, der Generationen von Kindern und Jugendlichen zusammenbringt, um mit ihren hölzernen Instrumenten eine alte Tradition fortzuführen und die Stille der Kartage auf ihre besondere Art und Weise zu füllen.

Kleiner Einblick
Jedes Jahr versammeln sich zahlreiche Kinder vor den Kirchen und ziehen gemeinsam durch die Gemeinden, während der charakteristische Klang der Rätschen zu hören ist. Die NEUE war dieses Jahr vor Ort bei der Basilika Rankweil, um sich mit den teilnehmenden Kindern und Jugendlichen auszutauschen. Dabei erhielten wir einen spannenden Einblick, wie die junge Generation diese alte Tradition mit Leben füllt.
Alte Tradition
Vor der Basilika Rankweil wartete Diakon Roland Sommerauer (53) in guter Stimmung auf den Nachwuchs. In diesem Jahr war er vor Ort, um die Gruppe von der Basilika zur St. Josef-Kirche zu führen.

Er begleitete sie, beim ratschen und erklärte den Kindern, welche Bedeutung hinter diesem alten Brauch steckt und warum man ihn bis heute pflegt: „Das Ratschen ist eine sehr alte Tradition, die vermutlich bis ins sechste Jahrhundert zurückreicht. Der Brauchtum dahinter ist dem Volksglauben nach, dass die Kirchenglocken in dieser Zeit „nach Rom fliegen“. Die Rätschen springen dann für die Glocken ein und übernehmen die Stundenschläge.
Es ist eigentlich eine traurige Zeit, in der man sich an das Sterben Jesu erinnert, aber es bringt auch schon ein wenig Osterfreude zum Ausdruck, wenn man die Rätschen hört und die Kinder sieht. Ich selber war ein ‚Radscher-Bub‘ und bin damals als Ministrant mitgegangen. Wir sind von Haus zu Haus gezogen und haben die Leute oft schon frühmorgens mit dem lauten Ratschen geweckt. Es ist eine Zeit, in der sich die Jugendlichen versammeln und eine Gemeinschaft entsteht. Zudem ist es ein sehr bedeutender kirchlicher Dienst für die Gemeinde. Die Jugendlichen bereiten sich intensiv vor, indem sie die traditionellen Sprüche lernen.“

Junge Generation am Start
Bei den Kindern waren auch einige Erstkommunikanten mit dabei. Darunter auch der achjährige Felix, welcher der NEUE erzählte: „Wir haben letzten Samstag die Rätschen gebaut. Man konnte eine kleine oder eine große bauen – ich habe mich für die große entschieden und ziehe nun damit los.“

Die gleichaltrige Livia, ebenfalls Erstkommunikantin fügte dem noch hinzu: „Ich bin zum ersten Mal beim Ratschen dabei und freue mich schon sehr. Vielleicht kommen auch noch ein paar meiner Freunde mit, ich warte gerade noch auf sie. Die Ratsche, die ich dabeihabe, hat mein Papa für mich gemacht.“
