Was Leo Widerin misst, sieht niemand – aber es ist ein Risiko

Der 18-jährige Leo Widerin hat eine mehrfach ausgezeichnete vorwissenschaftliche Arbeit über das radioaktive Edelgas Radon verfasst. Kommenden Donnerstag referiert er dazu im Heimatmuseum Schruns.
Radon ist ein radioaktives Edelgas, das überall aus dem Boden entweicht und sich in Wohnräumen und Kellern ansammelt. Es ist farb- und geruchlos und wirkt sich auf die Gesundheit der Menschen aus. Radon wird in Kuranstalten wie Gastein und Umhausen im Ötztal zur Schmerzlinderung, besonders bei Rheumapatienten, eingesetzt. Wenn es jedoch ständig und in hoher Dosis auf die menschlichen Lungen einwirkt, wird Radon zur Belastung. Nach dem Rauchen ist eine langandauernde Radonexposition die zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Radon ist für 10 % aller Lungenkrebstoten in Österreich verantwortlich. Mit einer Halbwertszeit von 3,8 Tagen zerfällt es in andere Elemente wie Wismut, Blei und Polonium. Diese Partikel sind ebenfalls radioaktiv und können sich an den Lungenbläschen festsetzen.

Ein unsichtbares Risiko im Alltag
Wie ist Leo Widerin auf dieses Thema aufmerksam geworden? „Ich habe mich in meiner vorwissenschaftlichen Arbeit für dieses Thema entschieden, weil es in Schruns präsent ist. Mich hat fasziniert, dass etwas, das man nicht sieht, riecht oder schmeckt, trotzdem so ein großes gesundheitliches Risiko darstellen kann.“ Es ist erfreulich, dass das Thema in Schruns so präsent ist. Seit 2020 ist der Radonschutz im Strahlenschutzgesetz und einer eigenen Verordnung geregelt. Eine Österreichkarte stuft den Bezirk Bludenz als Vorsorgegebiet und Schruns als einzige Gemeinde Vorarlbergs als Radonschutzgebiet ein. Der bekannte Umweltmediziner Hans Peter Hutter erklärt, dass Radon bereits 1988 von der Weltgesundheitsorganisation als eindeutig krebserregend für den Menschen eingestuft wurde. Das Gute daran, so Hutter weiter, ist, dass man nicht schutzlos ausgeliefert ist – der erste Schritt ist die Information.
Forschung aus der Region
In der Veranstaltung am kommenden Donnerstag, den 16. April, im Heimatmuseum Schruns ist Information aus kompetentem Munde garantiert. Denn Leo Widerin hat sich in der Abschlussarbeit nicht nur mit den Eigenschaften und der Entstehung von Radon befasst. „Ich habe in vier öffentlichen und elf privaten Gebäuden mit unterschiedlichen Messgeräten einige tausend Datensätze erhoben und ausgewertet“, so Widerin.

„Mich hat fasziniert, dass etwas, das man nicht sieht, riecht oder schmeckt, trotzdem so ein großes gesundheitliches Risiko darstellen kann.“
Leo Widerin
Grenzwerte und konkrete Maßnahmen
Gesetzlich wird ein Referenzwert von 300 radioaktiven Zerfällen pro Sekunde und Kubikmeter Luft (300 Becquerel pro Kubikmeter) festgelegt. Das entspricht jener Strahlendosis, der man bei einem herkömmlichen Herz-Lungen-Röntgen ausgesetzt wäre. Ergeben die Messungen höhere Werte als 300 Bq/m³, können teils einfache Maßnahmen wie das Lüften von Innenräumen und die Verhinderung beziehungsweise Reduzierung des Radoneintritts ins Gebäude Abhilfe schaffen.

Warum Messen entscheidend ist
Der Physiker Michael Salzgeber vom Bundesgymnasium Bludenz hat Leo Widerins Arbeit betreut. Sie erhielt unter anderem Auszeichnungen der Bildungsdirektion Vorarlberg, der Österreichischen Physikalischen Gesellschaft sowie den „Dr. Hans Riegel-Fachpreis“ der Universität Innsbruck. Zum Vortrag bringt Leo Widerin auch Radon-Messgeräte mit. Die Durchführung von Messungen ist äußerst wichtig, denn die Werte schwanken zeitlich und örtlich stark. So kann ein Haus stark mit Radon belastet sein, während im Nachbarhaus deutlich niedrigere Werte vorherrschen. Im Winter sind die Belastungswerte in der Regel höher als im Sommer. Für spannende Diskussionen im Radon-Schutzgebiet Schruns ist gesorgt.
vortrag
„Radon im Blick – Risiken erkennen, schützen, handeln“
Termin: Donnerstag, 16. April von 18 bis 19 Uhr
Ort: Montafoner Heimatmuseum, Kirchplatz 15, Schruns
Infos: www.stand-montafon.at