Ein Duo von elektrisierender Intensität

Lisa Batiashvili und Giorgi Gigashvili gestalten das letzte Meisterkonzert der Saison als vielschichtigen musikalischen Dialog.
Beim letzten Meisterkonzert dieser Saison glänzten die seit vielen Jahren in Deutschland lebende Geigerin Lisa Batiashvili (wie so viele ihrer Generation war sie eine Meisterschülerin von Ana Chumachenko in München) und ihr junger georgischer Landsmann Giorgi Gigashvili, der erst vor wenigen Wochen in Dornbirn überrascht hatte. Lisa Batiashvili unterstützt in ihrer Stiftung hochtalentierte georgische Musikerinnen und Musiker und wird mit dem schlaksigen, höchst individuell musizierenden Pianisten auch auf Tournee nach Kanada und in die USA gehen.

„Blumen aus Plastik“
Eine Zugabe präsentierten die beiden bereits vorab: Inspiriert von der farbkräftigen Projektion eines Kunstwerks von Claudia Larcher „Blumen aus Plastik“ eröffneten sie den Abend mit dem träumerisch zarten „Beau soir“ von Claude Debussy – wobei dessen Transparenz eher zum Stil der Geigerin passte als zu den „lauten“ Blumenranken. In Beethovens Sonate für Klavier und Violine op. 12/3 (der Komponist hat explizit diese Reihung und hebt den Klavierpart hervor) erlebte man ein dramatisch aufgeladenes Miteinander voller Kontraste und Akzente, eine Vulkankraft, aber auch große Zerbrechlichkeit. Wunderbar gesanglich spannte Giorgi Gigashvili dann das zart begleitete Thema des langsamen Satzes aus, Lisa Batiashvili führte es weiter und verwandelte es in ein feines Gespinst, in dem die sich in langen Trillern lösenden Spannungsakkorde gleichfalls von großer Intensität getragen wurden. Im Finalsatz leuchteten die beiden alle Facetten des sprudelnden Rondos aus.

Schleierklänge farbenreicher Sinnlichkeit
Der erste Satz der ersten Violinsonate von Prokofjew ließ vor allem im Kopfsatz eine unheilvolle Spannung wie von einem Trauermarsch entstehen, über die düsteren Klavierakkorde setzte die Geigerin sparsame Seufzerfiguren. Sie wurden abgelöst vom schroff beißenden, wilden Sturm des „Allegro brusco“: Die Geigerin und der Pianist stemmten sich mit ganzer Energie hinein, um dann im langsamen Satz feine Schleierklänge voller farbenreicher Sinnlichkeit zu zaubern. Mit der wilden Raserei des letzten Satzes spiegelt Prokofjew wahrscheinlich die Schrecken, die zur Entstehungszeit Ende der 1930er Jahre und während des 2. Weltkriegs auch über die Komponisten hereinbrachen: Lisa Batiashvili und Giorgi Gigashvili machten sie in ihrem aufgewühlten Zusammenspiel und einer virtuosen Doppelkadenz geradezu greifbar.

Verneigung
Eine liebevolle freundschaftliche Verneigung vor dem 2019 verstorbenen georgischen Komponisten Giya Kancheli hat Josef Bardanashvili in seiner Komposition geschaffen: klanglich raffiniert, sprechend, klagend, aber auch ein bisschen ironisch mit süffigem Balladenton wurde sie hier interpretiert.
In der glühenden Romantik von César Francks A-Dur-Sonate konnte Lisa Batiashvili dann den herrlichen Klang ihrer Guarneri aufblühen lassen, von der satten Tiefe bis hinauf in silbrige Höhen. Getragen von den leidenschaftlichen Klängen des Pianisten erlebte man noch einmal die Intensität des Zusammenspiels der beiden, in dem sie sich immer wieder beflügeln.
Katharina von Glasenapp