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Erhöhter Bedarf: SOS-Kinderdorf Vorarlberg eröffnet neue Kinderwohngruppe

26.05.2026 • 17:20 Uhr
Erhöhter Bedarf: SOS-Kinderdorf Vorarlberg eröffnet neue Kinderwohngruppe
Die Kinderwohngruppe des SOS-Kinderdorfs wurde am Dienstag bei einem Pressefrühstück vorgestellt. Steurer

Der Bedarf an Betreuungsplätzen für Kinder und Jugendliche steigt seit Jahren. Mit einer neuen Kinderwohngruppe in Hohenweiler schafft SOS-Kinderdorf nun sechs zusätzliche Plätze für Kinder.

Noch wirkt die Wohnung der neuen Kinderwohngemeinschaft etwas leer. Betten, Schränke, Tische, Stühle und dergleichen stehen zwar bereits in den Räumen, doch im Moment erinnern die Zimmer noch eher an Ausstellungsstücke in einem Möbelhaus als an ein neues Zuhause für Kinder aus schwierigen Lebenslagen.
Bereits kommende Woche soll sich das ändern, am 1. Juni eröffnet SOS-Kinderdorf im Auftrag der Kinder- und Jugendhilfe Vorarlberg die neue Kinderwohngruppe im neu errichteten Raiffeisenhaus in Hohenweiler. Schon am 2. Juni sollen die ersten Kinder einziehen.

Erhöhter Bedarf: SOS-Kinderdorf Vorarlberg eröffnet neue Kinderwohngruppe
Die neue Kinderwohngruppe befindet sich im neu errichteten Raiffeisenhaus in Hohenweiler. Steurer

Für Kinder

Für das SOS-Kinderdorf Vorarlberg ist das Angebot in dieser Form eine kleine Premiere. Der Verein begleitet im Land zwar seit vielen Jahren Jugendliche und junge Erwachsene, unter anderem in Jugendwohngruppen in Bregenz und Dornbirn sowie im sogenannten “Betreuten Außenwohnen”. Eine Kinderwohngruppe für jüngere Minderjährige gab es vom SOS-Kinderdorf Vorarlberg bislang jedoch nicht. Nicht zu verwechseln ist SOS-Kinderdorf dabei mit dem Vorarlberger Kinderdorf.

Erhöhter Bedarf: SOS-Kinderdorf Vorarlberg eröffnet neue Kinderwohngruppe
Bereits nächste Woche soll das erste Kind einziehen. Steurer

In der neuen Wohngemeinschaft in Hohenweiler können bis zu sechs Mädchen und Buben im Alter zwischen sechs und 13 Jahren mittel- bis langfristig betreut werden. In Ausnahmefällen, etwa bei Geschwistergruppen, kann die Altersstruktur flexibel gehandhabt werden. Jedes Kind bekommt grundsätzlich ein eigenes Zimmer; in einem Zimmer besteht zudem die Möglichkeit, dass es von Geschwistern gemeinsam genutzt wird. Insgesamt gibt es drei Badezimmer, zwei für die Kinder, die sich jeweils drei Kinder teilen, sowie eines für die Betreuerinnen und Betreuer.

Erhöhter Bedarf: SOS-Kinderdorf Vorarlberg eröffnet neue Kinderwohngruppe
Die Wohngruppe wurde beim Pressefrühstück von Landesrätin Barbara Schöbi-Fink,
Jacqueline Oberauer (SOS-Kinderdorf Vorarlberg) und Christian Netzer (Kinder- und Jugendanwalt) vorgestellt. Steurer

Weg zur Wohngruppe

Die Gründe, warum ein Kind nicht mehr zu Hause leben kann, sind vielfältig. Dazu können etwa Suchterkrankungen, schwere psychische oder körperliche Erkrankungen der Eltern, Überforderung oder andere belastende familiäre Situationen zählen. Die neue Wohngruppe richtet sich an Kinder, deren Wohl in ihrem bisherigen Lebensumfeld nicht ausreichend gewährleistet werden kann. Ziel ist es, ihnen Schutz, Stabilität, Sicherheit und Geborgenheit zu bieten und zugleich ihre individuelle Entwicklung zu fördern.

Erhöhter Bedarf: SOS-Kinderdorf Vorarlberg eröffnet neue Kinderwohngruppe
Die Wohngruppe bietet Platz für bis zu sechs Kinder. Steurer


Der Bedarf an solchen spezialisierten Betreuungsangeboten steigt in Vorarlberg seit Jahren deutlich an. Derzeit gibt es im Bereich der “Vollen Erziehung”, also dann, wenn Kinder und Jugendliche zu ihrem eigenen Wohl nicht mehr bei ihren Eltern leben können, Wartelisten für bestehende Wohngruppenangebote. Insgesamt finden laut Land Vorarlberg derzeit 185 Kinder und Jugendliche in Wohngruppen der Kinder- und Jugendhilfe ein stabiles Zuhause.

Warteliste

Kinder- und Jugendanwalt Christian Netzer sieht die neue Wohngruppe deshalb als wichtigen Schritt: „Kinder mit besonders hohem Unterstützungsbedarf brauchen stabile und verlässliche Rahmenbedingungen.“ Zusätzliche spezialisierte Plätze sind deshalb ein wichtiger Beitrag zum Kinderschutz und zur sozialen Teilhabe.“ Auch Landesrätin Barbara Schöbi-Fink betont die Bedeutung des Angebots. Mit der neuen Wohngruppe werde gezielt in Kinderschutz, Betreuung und Zukunftschancen investiert.

Erhöhter Bedarf: SOS-Kinderdorf Vorarlberg eröffnet neue Kinderwohngruppe
Zwei Badezimmer stehen den Kindern zur Verfügung. Steurer

Suche nach Personal

Der Weg bis zur Eröffnung war allerdings nicht ohne Herausforderungen. Laut Jacqueline Oberauer, Leiterin von SOS-Kinderdorf Vorarlberg, war es anfangs nicht einfach, ausreichend Personal für den Betrieb der Wohngemeinschaft zu finden. Für eine Einrichtung dieser Art braucht es ein multiprofessionelles Team, das die Kinder rund um die Uhr begleitet. Dazu zählen sozialpädagogische Fachkräfte ebenso wie klinische und Gesundheitspsychologinnen und -psychologen, Fachkräfte aus der Kinder- und Jugendpsychiatrie sowie Expertinnen und Experten für Familienberatung.

Psychologische Unterstützung

Denn viele Kinder, die in einer solchen Wohngruppe betreut werden, haben bereits belastende oder traumatische Erfahrungen gemacht. Deshalb arbeitet die neue Wohngruppe mit einer traumapädagogischen Haltung, die Sicherheit, Orientierung und stabile Beziehungen vermitteln soll. Gerade kleine Gruppen und verlässliche Bezugspersonen seien für Kinder mit solchen Erfahrungen besonders wichtig, betont Oberauer. Ziel sei es, den Kindern neue Perspektiven zu geben. Gleichzeitig bleibt auch der Kontakt zu den Herkunftsfamilien ein zentraler Bestandteil des Konzepts. Beziehungen zu Eltern und wichtigen Bezugspersonen sollen aktiv begleitet und gestärkt werden.

Aus dem Sozialfond

Finanziert wird das Projekt vom Land Vorarlberg über den Sozialfonds. Für das Jahr 2026 sind dafür 1.157.241,36 Euro budgetiert. Darin enthalten sind unter anderem Kosten für Miete, Personal, Betreuung und Versorgung der Kinder. Die neue Wohngruppe ist bewusst mitten im Dorfzentrum angesiedelt. Dadurch soll den Kindern nicht nur Schutz und Betreuung ermöglicht werden, sondern auch soziale Teilhabe und ein möglichst normales Alltagsleben.