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Dieses Kollektiv will Zugezogene und Vorarlberger zusammenbringen

19.06.2026 • 14:57 Uhr
Raus Collective
Teresa Hezel und Katharina Nitsch haben sich im Studium an der FHV kennengelernt. Wohlgenannt

Mit gemeinsamen Läufen, Wanderungen und Radausfahrten schafft das „Raus Collective“ einen neuen Treffpunkt für Menschen in Vorarlberg.

Dass der Vorarlberger einen gewissen Hang dazu hat, etwas eigenbrötlerisch zu sein, ist wohl allgemein kein Geheimnis. Es ist nicht ungewöhnlich, dass man seine engsten Freunde seit der Kindheit kennt – und wenn man neue Menschen kennenlernt, dann meist über bereits bestehende Kontakte. Nicht zu vergessen, dass nicht selten mehrere Jahre des Kennenlernens vergehen, bis wir Westösterreicher jemanden wirklich als „Freund“ bezeichnen.

Raus Collective
Ein Großteil der Aktivitäten spielt sich draußen ab. Hezel u. Nitsch

Der Vorarlberger schaut sich die Leute nun gerne zuerst genau an, bevor er sie im engeren Kreis empfängt. Darin liegt natürlich keine Schande. Trotzdem macht es dieser kulturelle Aspekt für frisch zugezogene Personen sicherlich nicht einfach, lokale Kontakte zu knüpfen.

Anschluss finden

Teresa Hezel und Katharina Nitsch, beide ursprünglich aus Deutschland, lernten sich im Herbst beim berufsbegleitenden Masterstudium an der Fachhochschule Vorarlberg kennen. Aus dem Wunsch, Anschluss in der neuen Heimat zu finden, begaben sich die zwei Studentinnen zunächst auf die Suche nach einem „Run Club“ oder einem ähnlichen Angebot, also einer Möglichkeit, vorzugsweise draußen, ungezwungen gemeinsam Sport zu machen, neue Menschen kennenzulernen und Freundschaften zu knüpfen.

Raus Collective
Wohlgenannt

Die Suche blieb jedoch erfolglos, weshalb Nitsch und Hezel Ende Oktober das „Raus Collective“ gründeten. Dafür wurde eine gleichnamige Instagramseite erstellt und das erste Treffen geplant. „Wir haben dann eine Wanderung gemacht, bei der schon ungefähr 25 Leute dabei waren. Im Dezember haben wir angefangen, wöchentliche Läufe anzubieten“, erzählt Hezel gegenüber der NEUE.

Angebot erweitern

Seither entwickelt sich das Projekt der zwei jungen Frauen stetig weiter. Neben den regelmäßigen Läufen bietet das Kollektiv mittlerweile auch Radausfahrten an. Weitere Formate sollen folgen, etwa im Bereich Trailrunning. Auch erste Workshops wurden bereits organisiert. So fand kürzlich ein Fahrrad-Schrauber-Workshop statt, bei dem gezeigt wurde, wie man sein Rad wartet, pflegt und im Fall der Fälle einen Platten wechselt.

Raus Collective
Das Programm wird teils auch durch Worshops aufgewertet. Wohlgenannt

Wichtig ist den Gründerinnen dabei, die finanziellen Einstiegshürden möglichst niedrig zu halten. Die einfachen Runs und Rides sind bislang kostenlos. „Uns ist wichtig, dass die Barriere so niedrig wie möglich bleibt“, erklärt Nitsch. Größere Spezialevents könnten künftig zwar gegen Spenden oder einen kleinen Beitrag stattfinden, grundsätzlich gehe es aber nicht um ein exklusives Sportangebot, sondern um Gemeinschaft und sicherzustellen, dass langfristig kostendeckend gearbeitet werden kann.

Ohne Druck

Auch sportlich soll niemand abgeschreckt werden. Beim Raus Collective steht nicht Leistung im Vordergrund, sondern das Miteinander. Die Distanzen und das Tempo werden bewusst so gewählt, dass alle mitkommen und sich währenddessen noch unterhalten können. „Wir wollen Sport machen, ohne Leistungsdruck und ohne Vergleich“, betonen die Gründerinnen. Wer schneller laufen wolle, könne das schließlich auch in der Freizeit tun.

Raus Collective
Im Winter wurden dann auch die Ski ausgepackt. Hezel u. Nitsch

Die Teilnehmenden sind bisher vor allem Berufseinsteiger und junge Berufstätige, viele davon ebenfalls neu in Vorarlberg. Studierende seien eher in der Minderheit. Altersmäßig habe sich die Gruppe grob zwischen Mitte 20 und Mitte 30 eingependelt, grundsätzlich sei aber jeder willkommen. Auch einige Vorarlberger hätten bereits vorbeigeschaut, sehr zur Freude der Gründerinnen.

Ankommen

Denn das Raus Collective soll nicht nur ein Angebot für Zugezogene sein. Gerade der Mix aus Einheimischen und Menschen, die neu im Land sind, mache die Community spannend. Schließlich gehe es nicht nur darum, sich gemeinsam zu bewegen, sondern auch darum, in Vorarlberg anzukommen.