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Ravensburger wagt den nächsten Schritt

27.06.2026 • 12:00 Uhr
Ravensburger wagt den nächsten Schritt

Mit der Übernahme von Steiff setzt Ravensburger auf starke Traditionsmarken und versucht, seine Position in einer von globalen Spielwarenkonzernen dominierten Branche langfristig auszubauen.

Die globale Spielwarenindustrie ist fest in der Hand weniger Großkonzerne. An der Spitze steht seit Jahren der dänische Hersteller Lego, gefolgt von den US-Riesen Mattel und Hasbro, die mit Marken wie Barbie, Hot Wheels, Nerf oder Monopoly weltweit Milliardenumsätze erwirtschaften. Auch Unternehmen wie Bandai Namco (Japan), MAG- Entertainment (USA) oder Spin Master (Kanada) spielen in dieser Liga mit. Insgesamt setzt die Branche weltweit rund 119 Milliarden US-Dollar jährlich um – ein hochkompetitiver, zugleich aber auch ein stark konsolidierter Markt.

In diesem Umfeld nimmt Ravensburger eine deutlich kleinere, aber klar spezialisierte Rolle ein. Das schwäbische Familienunternehmen ist international in erster Linie für Puzzles, Gesellschaftsspiele und Kinderprodukte bekannt und zählt immerhin zu den bedeutendsten Spielwarenherstellern Deutschlands, bleibt global jedoch hinter den großen Konzernen zurück. Mit einem Umsatz von rund 742 Millionen Euro im Jahr 2025 bewegt sich Ravensburger eher im Mittelfeld der Branche.

Vor diesem Hintergrund ist die Übernahme des Traditionsunternehmens Steiff mehr als nur ein Zukauf – sie ist strategisch zu verstehen. Ravensburger sichert sich damit die Mehrheit an dem bekannten Plüschtierhersteller, der mit dem „Knopf im Ohr“ eine weltweit etablierte Premium-Marke besitzt. Damit möchte Ravensburger die eigene Umsatzbasis verbreitern, das Portfolio ergänzen und neue Wachstumspotenziale erschließen. Besonders im internationalen Geschäft sehen beide Unternehmen Chancen, da Steiff bislang viele Märkte nur begrenzt erschließen konnte.

Im Wettbewerb positioniert sich Ravensburger damit als typischer Vertreter des europäischen Premium-Segments: kleiner als die globalen Massenanbieter, aber mit starken Marken, hoher Produktqualität und hoher emotionaler Bindung. Die Übernahme von Steiff passt in diese Strategie, das Portfolio stärker auf ikonische Marken auszurichten und unabhängiger von kurzfristigen Trends zu werden – etwa dem zuletzt abgeflachten Boom bei Sammelkarten.

Ob der Schritt genügt, um die Wettbewerbsposition nachhaltig zu stärken, bleibt offen. In einer Branche, die zunehmend von globaler Skalierung, Lizenzgeschäften und digitaler Integration geprägt ist, kann Ravensburger kaum mit den Budgets von Lego oder Mattel mithalten. Die Zukunft des Unternehmens dürfte daher weniger in der Größe als in der Differenzierung liegen: durch Qualität, Markenpflege und gezielte Zukäufe wie Steiff.

Christoph Flatz
Christoph Flatz, Veranlagungsspezialist in der Sparkasse.