Erfolgskonzept: Hier backen Omas und Opas neues Lebensgefühl

Gemeinsam backen, Zeit schenken und Einsamkeit im Alter bekämpfen – mit diesem Ziel wurde „Ahna & Ähne“ gegründet. Ein Jahr später ziehen die Verantwortlichen eine positive Bilanz.
Vor einem Jahr, genau am 27. Juni 2025, wurde der Verein „Ahna & Ähne“ (Oma und Opa) gegründet. Die Idee dahinter war von Anfang an klar: Älteren Menschen wieder mehr Freude, Wertschätzung und soziale Teilhabe schenken, Einsamkeit entgegenwirken und bei Bedarf eine faire Möglichkeit zum Zuverdienst schaffen. Ein Jahr später ziehen Obmann Wolfgang Sila und sein Stellvertreter Markus Amann eine durchwegs positive Bilanz. Beide sprechen von einer Entwicklung, die sie selbst überrascht hat. „Es ist viel mehr passiert, als wir erwartet hätten“, sagt Wolfgang Sila. Markus Amann ergänzt: „Wir bekommen unglaublich viele positive Rückmeldungen – sowohl von den Omas und Opas, um die es uns zu 100 Prozent geht, als auch aus der Wirtschaft und der Bevölkerung.“

Die Idee zu „Ahna & Ähne“ hatten Sila und Amann schon länger im Kopf. „Nach dem Vorbild der Wiener Vollpension haben wir uns überlegt, ob so etwas auch bei uns im Ländle möglich wäre.“ Ein entscheidender Anstoß war für Sila auch die Geschichte seiner eigenen Mutter. Nach dem Tod ihres Mannes habe sie trotz familiärer Unterstützung vor allem eines vermisst: das Gefühl, gebraucht zu werden. „Es ging nicht ums Geld, sondern um Wertschätzung. Das wollten wir ändern.“

Die ersten Schritte machte der Verein im vergangenen Herbst auf verschiedenen Märkten. Der erste öffentliche Auftritt erfolgte beim Junker-Jonas-Markt in Götzis, danach folgten weitere Einsätze in ganz Vorarlberg. Der bislang größte Meilenstein kam im Februar dieses Jahres. Im früheren Café Fritz in Bludenz betreibt seitdem der Verein ein Generationen-Café. „Dort backen rund 40 Pensionistinnen und Pensionisten am Freitag. Am Samstag und Sonntag ist das Café geöffnet.“ Alle arbeiten ehrenamtlich. Es ist eine Mega-Geschichte, funktioniert hervorragend und macht allen großen Spaß“, erzählt Sila. Auch Amann sieht das Café als Glücksfall: „Ein echter Glücksgriff war Bludenz, wo wir ein Café wiederbeleben konnten. Hier schmeckt der Kuchen nach Liebe und Oma und Opa bringen den Kaffee.“ Bei „Ahna & Ähne“ gibt es nicht nur tolle Rezepte aus Omas Geheimschublade, sondern auch jede Menge Herzlichkeit und gute Gespräche.

Schon bei der Gründung hatte sich der Verein drei Ziele gesetzt: Einsamkeit verringern, älteren Menschen Wertschätzung schenken und wenn nötig eine faire Zuverdienstmöglichkeit schaffen. Nach einem Jahr sehen die beiden Gründer diese Ziele bestätigt. „Insgesamt gelingt es uns sehr gut, Menschen aus der Einsamkeit zu holen, ihnen Beschäftigung und Wertschätzung zu geben und ihnen das Gefühl zu vermitteln, dass sie gebraucht werden“, sagt Sila. Besonders berührt hat ihn eine Begegnung im Café: „Eine 85-jährige Dame kommt jedes Wochenende stundenweise ins Café und hilft beim Abwasch. Danach trinkt sie einen Kaffee und verabschiedet sich jedes Mal mit den Worten: ,Ihr habt mir wieder den schönsten Tag der Woche geschenkt.‘ Da bekommt man Gänsehaut.“ Auch Amann erlebt immer wieder ähnliche Momente. „Das Schönste ist, dass viele Menschen erst durch diese gemeinsame Arbeit wieder merken, wie gut ihnen der Kontakt mit anderen tut. Genau das ist das Ziel unseres Vereins.“
Verein Ahna & Ähne
Gründungsversammlung: 27. Juni 2025
Obmann: Wofgang Sila
Obmann-Stellvertreter: Markus Amann
Schriftführerin: Susanne Nagel
Kassier: Andrea Heuss
Beiräte: Peter Paulitsch, Kurt Renner
Schwieriger sei es hingegen, jene Menschen zu erreichen, die finanzielle Unterstützung besonders benötigen. Sila: „Niemand sagt von sich aus, dass die Pension kaum zum Leben reicht. Diese Generation schämt sich oft noch dafür.“ Und Amann bestätigt diese Erfahrung: „Viele Menschen sagen natürlich nicht sofort, dass sie finanzielle Sorgen haben. Unser Ziel ist es deshalb, sie über Gespräche, einen gemeinsamen Kaffee oder das gemeinsame Kuchenbacken wieder aus ihrer Isolation herauszuholen. Dabei merkt man oft erst nach und nach, wo jemand Unterstützung braucht.“ Wer sich etwas dazuverdienen möchte, werde individuell beraten. „Wir arbeiten mit einem Steuerberater zusammen, der sich jede Person individuell anschaut und erklärt, welche Möglichkeiten bestehen.“

Mittlerweile beschränkt sich „Ahna & Ähne“ längst nicht mehr auf einzelne Regionen. „Aus dem ganzen Land kommen Anfragen für Standorte“, berichtet Amann. Das Interesse reiche vom Walgau über Rankweil und Feldkirch bis nach Hard, Bregenz und Dornbirn. Auch Sila spricht von einem enormen Zuspruch: „Die Mitgliederzahl ist stark gewachsen. Teilweise passieren sogar so viele Dinge gleichzeitig, dass wir mit unseren Strukturen kaum nachkommen. Aber das ist natürlich ein schönes Problem.“

Neben dem Generationen-Café in Bludenz gibt es inzwischen regelmäßige Pop-up-Aktionen, unter anderem jeden ersten Mittwoch im Monat bei der Volksbank in Dornbirn. Außerdem unterstützt der Verein die Minigolfanlage bei der Schattenburg in Feldkirch an Sonn- und Feiertagen.

Die Entwicklung soll nun Schritt für Schritt weitergehen. „Als Nächstes planen wir eine Backstube in Dornbirn, in der für verschiedenste Veranstaltungen gebacken werden soll“, kündigt Sila an. Dabei handle es sich allerdings nicht um ein Café, sondern ausschließlich um eine Backstube. Derzeit werde jedenfalls intensiv daran gearbeitet. Amann: „Die Gespräche verlaufen sehr gut und wir hoffen, den Vertrag in Kürze unterschreiben zu können.“ Zusätzlich soll in Hard eine Backstube tageweise genutzt werden. Weitere Kooperationen sind bereits vereinbart oder in Vorbereitung – etwa mit der Landespolizeidirektion Vorarlberg, bei Märkten oder im Veranstaltungsbereich.
Charityaktion
Im Rahmen des Everesting-Events im Brandnertal, der Start erfolgte heute in den frühen Morgenstunden, stellt sich Alexander Kowarc Stangl einer speziellen Herausforderung. In 34 Stunden mindestens 25 Aufstiege und mit der Gondel bergab. Also mindestens 88,25 Kilometer bergauf mit 13.450 Höhenmeter. Parallel dazu sammelt der bekannte 53-jährige Dornbirner Koch für den Verein Ahna & Ähne.
„Als Alexander Kowarc Stangl mit seiner Idee zu dieser außergewöhnlichen Charityaktion auf uns zukam, war die Begeisterung sofort da“, so Markus Amann. Sein Anliegen ist klar: „Wir müssen als Gesellschaft wieder lernen, unsere Komfortzone zu verlassen.“ Er ist überzeugt: „Wenn jeder ein kleines Stück beiträgt und ein bisschen mehr auf andere achtet, können wir gemeinsam viel verändern.“ Die Aktion setzt genau dort an: Mut zeigen, Verantwortung teilen, Gemeinschaft stärken. Ein Impuls, der weit über den Tag hinauswirkt.
Weitere Informationen zur Charityaktion gibt es im Internet auf www.ahna-aehne.at.
An einem Grundsatz halten die Vereinsgründer auch nach einem Jahr fest: Der Verein soll möglichst unabhängig bleiben. „Wir erhalten keinerlei öffentliche Förderung und möchten das auch gar nicht. Wir wollen unabhängig bleiben“, betonen Sila und Amann. „Wir haben viel Unterstützung von Privatpersonen und Unternehmen erhalten. Das macht uns unabhängiger.“ Finanzielle Sorgen gebe es derzeit keine. „Sponsoren haben wir genug. Viel wichtiger ist, dass wir langsam wachsen. Wir wollen uns nicht übernehmen.“

Wer sich engagieren möchte, müsse übrigens kein Backprofi sein. „Man muss kein Kuchenbäcker sein. Es gibt viele Möglichkeiten, mitzuhelfen: beim Zustellen, beim Aufbauen, im Verkauf oder bei anderen Aufgaben. Wichtig ist, dass die Chemie stimmt. Dann findet jeder seinen Platz“, so das engagierte Duo, das wie der gesamte Vorstand selbstverständlich ehrenamtlich arbeitet. Gerade diese Gemeinschaft sehen Sila und Amann auch als großen Erfolg des ersten Jahres: „Weil wir erleben, wie groß der Bedarf ist, wissen wir, dass unsere Arbeit wichtig ist. Das motiviert uns jeden Tag aufs Neue.“
