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Im Zentrum der Milchstraße

04.07.2026 • 13:00 Uhr
Im Zentrum der Milchstraße
Von den Kugelsternhaufen ist M22 der uns am nächsten liegende: Distanz 10.400 Lichtjahre.wikipedia gemeinfrei

Der Schütze tief im Süden beherbergt ein Schwarzes Loch und schöne Fernglas-Objekte.

Bis auf wenige Ausnahmen befinden sich alle Himmelskörper, die wir von freiem Auge oder mit einem Fernglas beobachten können, innerhalb unserer Heimatgalaxie, der Milchstraße. Unser Sonnensystem ist Teil davon und liegt 26.000 Lichtjahre vom Zentrum entfernt. Die Milchstraße würde von außen betrachtet als 100.000 Lichtjahre große, flache Struktur erscheinen. Die Sterne sind vorwiegend in Spiralarmen angesiedelt. Die Dicke der Scheibe nimmt von außen nach innen zu, in der Sonnenumgebung sind es etwa 3.000 Lichtjahre. Das Sonnensystem liegt nur 50 Lichtjahre nördlich der galaktischen Ebene. Im Zentrum der Milchstraße wölbt sich eine verdichtete Sternenstruktur mit mehreren Tausend Lichtjahren Durchmesser auf. Von uns aus betrachtet liegt diese Ausbuchtung, die in der Fachliteratur „Bulge“ genannt wird, in Richtung des Sternbildes Schütze.  Die Sterne der Milchstraße können wir von freiem Auge nicht auflösen, der Gesamteindruck ist ein milchiges Band, das sich derzeit gegen Mitternacht vom Nordhorizont hoch ansteigend in östlicher Richtung und wieder abfallend zum Südhorizont erstreckt.

Schwarzes Loch im Zentrum

Das Sternbild Schütze, das sich jetzt gegen Mitternacht am besten beobachten lässt, erstreckt sich wegen seiner südlichen Lage nur zirka 25 Grad über dem Horizont. Sagittarius, wie das Sternbild auch genannt wird, gehört zum Tierkreis, enthält mehr als 200 freisichtige Sterne und hat in den letzten Jahren für Furore gesorgt. Während mehrerer Beobachtungsläufe in den 1990er Jahren gelang der indirekte Nachweis eines 4,3 Millionen Sonnenmassen schweren Schwarzen Loch im Zentrum der Milchstraße. Es handelt sich um die seit langem bekannten Radioquelle Sgr A*. Der indirekte Nachweis als Schwarzes Loch gelang durch die Messung der hohen Sterngeschwindigkeiten in der Umgebung von Sgr A*. Im Mai 2022 wurde das erste „Foto“ dieses Schwarzen Lochs mit einem weltweiten Netzwerk aus Radioteleskopen aufgenommen. Einem Schwarzen Loch entweicht bekanntlich kein Licht. Aber mit den Radioteleskopen wurde der Ereignishorizont mit einem hellen Ring aus heißem Gas in Falschfarben visualisiert.

Fernglas-Objekte

Der Schütze ist auch für Sternbeobachter äußerst interessant. Der dichte Milchstraßennebel wird mit Hilfe eines Fernglases in unzählige Einzelsterne aufgelöst. Das abstrakte Wissen um die 200 Milliarden Sterne der Milchstraße ist das Eine. Der unmittelbare Eindruck und die Fülle von beobachtbaren Lichtpunkten sind viel bewegender.

Der Schütze hat 15 Objekte aus dem Katalog von Charles Messier aufzuweisen. Kein anderes Sternbild enthält so viele Nebel und Sternhaufen, die schon mit guten Ferngläsern zu sehen sind. Perfekt wäre es, wenn der Schütze höher am Himmel stünde. Das ist für den Sommerurlaub eine Option, denn Beobachter vom südlichen Mittelmeerraum sehen den Schützen fast 40 Grad hoch im Süden.  

Im Schützen kann man einige Kugelsternhaufen entdecken. Der auffälligste ist M 22. Er besteht aus 80.000 Sternen und mit 10.400 Lichtjahren ist er einer der nächsten. Zu den offenen Sternhaufen, die im Schützen mit einem Fernglas zu sehen sind, zählen M 23 und M 25. Offene Sternhaufen enthalten weniger Sterne und sind lockerer angeordnet. M 24 ist ein Teil des Sagittarius Spiralarms, der durch seine Einbettung in Dunkelwolken wie ein in die Länge gezogener Sternhaufen aussieht. Der Lagunennebel M 8 ist ein Emissionsnebel mit einem Sternhaufen in seinem Inneren. Für weitere Messier-Objekte im Schützen ist ein kleineres Fernrohr empfehlenswert.