Museum in Au zeigt das große Erbe der Barockbaumeister

Ein Museum in Au würdigt das Erbe der Barockbaumeister und baut Brücken zur Gegenwart.
Handwerkskunst hat im Bregenzerwald eine lange Tradition. Dass diese Kunst bereits im 17. Jahrhundert weit über den Bregenzerwald hinausgetragen wurde, zeigt das Barockbaumeister-Museum in Au. Originalexponate, Video- und Audiostationen machen die Geschichte der Barockbaumeister und ihr Wirken erlebbar und verdeutlichen den Einfluss der Auer Zunft auf die europäische Baukunst des Barock.

Zu den wertvollsten Ausstellungsstücken des Museums zählen die Zunfttruhe aus der Zeit des Barockbaumeisters Michael Beer aus dem Jahr 1657, ein Wanderbuch, historische Baupläne, Stuckteile sowie eine Viehweidetafel aus der Zeit um 1730. Michael Beer bildete in Au heimische Handwerker zu Baumeistern aus. Während der Wintermonate unterrichtete er den Barockbau, den Rest des Jahres arbeiteten die Männer auf Baustellen in Süddeutschland, der Schweiz und im Elsass. Als Generalunternehmer planten und errichteten sie bedeutende Bauwerke, die noch heute von Bestand sind. Mehr als 800 Kirchen, Klöster und Profanbauten errichteten die Bregenzerwälder Barockbaumeister, darunter die Klosterkirche und die Stiftsbibliothek St. Gallen, das Kloster Einsiedeln, die Wallfahrtskirche Birnau und die Abteikirche Ebersmünster im Elsass. Das Museum beleuchtet zudem die Entwicklung der Zunft, ihre Bedeutung nach dem Dreißigjährigen Krieg und die saisonale Auswanderung der Handwerker.

Getragen wird das Museum vom Verein akkurat, der seit 2021 die Geschichte der Barockbaumeister erforscht und vermittelt. Neben der Dauerausstellung organisiert der Verein Führungen, Vorträge, Tagungen, Orgelkonzerte und kulturgeschichtliche Wanderungen. Zudem arbeitet der Verein mit Wissenschaftlern, Museen und Institutionen über die Region hinaus zusammen. Das Museum befindet sich im denkmalgeschützten Kurathus aus dem 16. Jahrhundert. Das historische Gebäude stand lange leer, bevor es 2020 von Mitgliedern der Handwerkerzunft mit handwerklichem Geschick und Wertschätzung für die historische Bausubstanz saniert wurde. Historisch wertvolle Bauteile wurden erhalten und in die neue Nutzung integriert.
„Es geht um die Geschichte unseres Heimatortes“, betont Vereinsobmann Walter Lingg. Es sei dem Verein wichtig, dieses Erbe nicht nur Gästen, sondern auch den Bewohnerinnen und Bewohnern zu vermitteln. Das Museum genieße auch deshalb eine große Akzeptanz in der Bevölkerung und habe einen hohen Stellenwert in der Gemeinde. Bernadette Rüscher, Leiterin des Museumsteams ergänzt: „Was uns auch ganz wichtig ist, ist, dass die Verbindung zur Auer Zunft nicht abbricht. Wir versuchen, lebendig zu bleiben und Brücken in die Gegenwart zu bauen.“ Ein gelungenes Beispiel dafür ist eine Hängewerksbrücke vor dem Museum, die von fünf angehenden Gesellen nach historischem Vorbild errichtet wurde. Auch Kooperationen mit zeitgenössischen Künstlern verbinden Altes mit Neuem. Eigens für die aktuelle Sonderausstellung über Franz Beer von Bleichten schuf der Künstler Gottfried Bechtold die Säulenskulptur „colonna infinita“.

Walter Lingg erklärt: „Als Obmann des Vereins ist es mir natürlich ein Anliegen, dass wir den Verein auch finanziell absichern können und Unterstützer ins Boot holen. Die Illwerke vkw haben uns von Anfang an unterstützt und diese Unterstützung wissen wir sehr zu schätzen.“ Für die Zukunft hat der Verein bereits zahlreiche Pläne, um das Erbe der Barockbaumeister weiterhin zu erforschen und für zukünftige Generationen zu bewahren.

Infos
Das Barockbaumeister Museum befindet sich im Kurathus in Au-Rehmen. Im Sommer ist es dienstags und mittwochs von 13 bis 17 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 9 Euro, für Seniorinnen und Senioren 8 Euro. Kinder bis 14 Jahre haben freien Eintritt. Führungen finden dienstags und freitags um 15.30 Uhr sowie sonntags um 10.30 Uhr statt. Weitere Infos unter www.barockbaumeister.at