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Viele Kinder, aber immer weniger Babys in Vorarlberg

18.08.2026 • 12:57 Uhr
Kinderbetreuung Stadt Dornbirn
Vorarlberg hat österreichweit den höchsten Anteil an Kindern und Jugendlichen. Doch gerade die jüngsten Jahrgänge werden wieder kleiner. Symbolfoto: Stadt Dornbirn

Vorarlberg ist das kinderreichste Bundesland Österreichs. Doch der Anteil der Kinder und Jugendlichen ist seit Jahrzehnten rückläufig.

Vorarlberg ist Österreichs Kinderland. In keinem anderen Bundesland ist der Anteil der Kinder und Jugendlichen an der Bevölkerung höher. Mit Jahresbeginn 2026 lebten 76.907 Menschen unter 18 Jahren im Land. Das entspricht 18,7 Prozent der Bevölkerung. Österreichweit sind es 17,1 Prozent. Vorarlberg liegt damit vor Oberösterreich mit 17,9 Prozent und Niederösterreich mit 17,3 Prozent.

Auch über die Grenzen hinweg fällt Vorarlberg auf. Zum Jahresbeginn 2025 betrug der Anteil der unter 18-Jährigen 18,8 Prozent. In der Schweiz waren es 17,9 Prozent, in Liechtenstein 17,2 Prozent und in Deutschland 16,7 Prozent. Auch der EU-Wert von 17,6 Prozent lag darunter.

Familiendaten für Vorarlberg 2026

76.907 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren lebten Anfang 2026 in Vorarlberg. Ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung lag bei 18,7 Prozent. Damit hat Vorarlberg den höchsten Kinder- und Jugendanteil Österreichs.

3613 0-Jährige gab es am 1. Jänner 2026 in Vorarlberg. Damit ist der jüngste Jahrgang deutlich kleiner als die Jahrgänge der 1- bis 3-Jährigen.

37,1 Prozent der Ehepaare in Vorarlberg haben Kinder unter 18 Jahren. Vorarlberg lag damit an der Spitze aller Bundesländer. Österreichweit waren es 68,7 Prozent der Familien mit Kindern.

13,7 Prozent war 2025 der Anteil der nichtehelichen Lebensgemeinschaften unter den Familien mit Kindern unter 18 Jahren in Vorarlberg. 2004 waren es noch 8,0 Prozent.

18,5 Prozent der Kinder unter 18 Jahren lebten 2025 ohne Geschwister im Haushalt. 48,4 Prozent lebten mit einem Geschwister zusammen, 24,5 Prozent mit zwei Geschwistern und 8,7 Prozent mit drei oder mehr.

14,1 Prozent hoch war 2025 in Vorarlberg der Anteil der Familien mit Kindern unter 18 Jahren, in denen der Vater höchstens einen Pflichtschulabschluss hatte. Damit lag Vorarlberg deutlich über dem Österreichwert von 11,1 Prozent.

63,8 Prozent der Vorarlberger Mütter mit zumindest einem Kind unter 15 Jahren arbeiten Teilzeit. Das ist der höchste Anteil aller Bundesländer. Österreichweit sind es 52,9 Prozent.

20 Prozent der Vorarlberger Bevölkerung waren 2025 armutsgefährdet. Österreichweit waren es 16 Prozent.

Zahlen rückläufig

Doch der Blick auf die jüngsten Kinder zeigt eine andere Entwicklung. Am 1. Jänner 2026 lebten in Vorarlberg 3613 Kinder, die ihren ersten Geburtstag noch nicht gefeiert hatten. Dazu kamen 3785 Einjährige, 3902 Zweijährige und 4073 Dreijährige. Auffällig ist die Abstufung zwischen den Jahrgängen: Die Zahl der 0-Jährigen liegt um 860 Kinder unter jener der Dreijährigen.

Noch deutlicher wird die Entwicklung im Vergleich mit den vergangenen Jahren. Anfang 2022 wurden 4305 0-Jährige gezählt, 2023 waren es 4022, 2024 noch 3896 und 2025 schließlich 3755. Mit 3613 erreichte die Zahl Anfang 2026 den niedrigsten Wert seit 2014. Auch bei den Einjährigen liegt der aktuelle Wert unter jenem von vor mehr als zehn Jahren.

Von 34 auf 18,7 Prozent

Der scheinbare Gegensatz zwischen Kinderreichtum und schrumpfenden jungen Jahrgängen wird beim langen Blick zurück besonders deutlich. Ende der 1960er-Jahre war Vorarlberg wesentlich jünger als heute. 1969 und 1970 waren jeweils 34 Prozent der Bevölkerung unter 18 Jahre alt. Danach ging der Anteil beinahe durchgehend zurück. 1990 waren es noch 25,3 Prozent, 2000 noch 23,8 Prozent und 2010 noch 21,1 Prozent. 2020 wurde mit 19,2 Prozent erstmals die 20-Prozent-Marke deutlich unterschritten. Anfang 2026 sind es 18,7 Prozent.
Dabei ist die absolute Zahl der Kinder und Jugendlichen nicht im gleichen Ausmaß gesunken. 1952 lebten 60.318 unter 18-Jährige in Vorarlberg. Mitte der 1970er-Jahre waren es zeitweise knapp 99.000. Heute sind es 76.907. Der starke Rückgang beim Anteil erklärt sich deshalb auch dadurch, dass die Gesamtbevölkerung Vorarlbergs über die Jahrzehnte gewachsen ist.

Viele Kinder, aber immer weniger Babys in Vorarlberg
0- bis unter 6-Jährige in Vorarlberg seit 1952. Quelle: Statistik Austria – STATcube (29.06.2026); eigene Berechnung ÖIF

Ein weiterer Maßstab zeigt dieselbe langfristige Verschiebung. Der Kinder- und Jugendquotient gibt an, wie viele unter 18-Jährige auf 100 Menschen zwischen 18 und unter 65 Jahren kommen. In Vorarlberg erreichte dieser Wert 1970 einen Höchststand von 60. Anfang 2026 liegt er bei 30,1. Damit hat sich das Verhältnis innerhalb von gut fünf Jahrzehnten halbiert.

Vorarlberg bleibt dennoch Spitzenreiter. Seit 1967 weist das Land durchgehend den höchsten Kinder- und Jugendquotienten aller österreichischen Bundesländer auf. Der Abstand zum Rest Österreichs ist allerdings kleiner geworden. 1968 betrug die Differenz zwischen Vorarlberg und Österreich 11,5 Punkte. Anfang 2026 sind es noch 2,7 Punkte.

Weniger Kinder als 2024

Auch die jüngste Entwicklung bei allen unter 18-Jährigen zeigt nach unten. Anfang 2024 lebten 77.684 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Vorarlberg. 2025 waren es 77.540, Anfang 2026 noch 76.907. Innerhalb eines Jahres ging die Zahl damit um 633 zurück.

Besonders deutlich fällt der Rückgang bei den unter Vierjährigen aus. Anfang 2024 zählte diese Gruppe 16.763 Kinder, ein Jahr später 16.221 und Anfang 2026 noch 15.373. Innerhalb von zwei Jahren sank ihre Zahl damit um 1390.

Gleichzeitig wachsen derzeit noch stärkere Jahrgänge in die höheren Altersgruppen hinein. Die Zahl der Sechs- bis unter Zehnjährigen stieg von 17.790 Anfang 2024 auf 18.116 Anfang 2026. Bei den Zehn- bis unter 15-Jährigen erhöhte sie sich im selben Zeitraum von 21.179 auf 21.601.

Die Familiendaten zeigen damit: Vorarlberg hat weiterhin den höchsten Kinderanteil aller österreichischen Bundesländer. Die jüngsten Jahrgänge sind zuletzt jedoch deutlich kleiner geworden.

Bei Vorarlbergs Müttern ist Teilzeit die Regel

Die Unterschiede sind deutlich: 63,8 Prozent der Vorarlberger Mütter mit zumindest einem Kind unter 15 Jahren arbeiteten 2025 in Teilzeit. Damit weist Vorarlberg den höchsten Anteil aller Bundesländer auf. Österreichweit waren es 52,9 Prozent. Vollzeit arbeiteten in Vorarlberg hingegen lediglich 9,8 Prozent der Mütter. Das ist der niedrigste Wert Österreichs.

Wie stark sich die Erwerbstätigkeit zwischen Müttern und Vätern unterscheidet, zeigt der Blick auf die Männer. Von den Vorarlberger Vätern mit zumindest einem Kind unter 15 Jahren arbeiteten 83,2 Prozent Vollzeit und 6,7 Prozent Teilzeit. Bei den Müttern hat sich das Verhältnis in den vergangenen zwei Jahrzehnten deutlich verschoben. Teilzeitarbeit hat stark zugenommen, während der Anteil der Vollzeitbeschäftigten zurückging. Gleichzeitig sank aber auch der Anteil der nicht erwerbstätigen Mütter deutlich. Die Erwerbstätigenquote der Mütter mit Kindern unter 15 Jahren ist seit 2004 insgesamt gestiegen.

Viele Kinder, aber immer weniger Babys in Vorarlberg
Kinder nach Alter und Erwerbstätigkeit der Eltern in Vorarlberg 2025. Quelle: Mikrozensus 2025; eigene Berechnung ÖIF

Aufschlussreich sind auch die Gründe für Teilzeit. Von den 20- bis unter 40-jährigen teilzeitbeschäftigten Frauen, die Kinder oder pflegebedürftige Erwachsene betreuen, gaben 44,8 Prozent an, selbst betreuen zu wollen. Das ist der zweithöchste Wert aller Bundesländer. Bei den 40- bis unter 60-Jährigen waren es 31,9 Prozent, der höchste Wert Österreichs. Fehlende oder zu teure Betreuungsmöglichkeiten werden ebenfalls als Gründe genannt, allerdings deutlich seltener.

Jeder Fünfte ist armutsgefährdet

Die soziale Lage vieler Vorarlberger bleibt weiterhin angespannt. 2025 galten 20 Prozent der Bevölkerung als armutsgefährdet. Damit lag Vorarlberg deutlich über dem Österreichwert von 16 Prozent. Nur Wien wies mit 26 Prozent einen höheren Wert auf. In den Jahren davor bewegte sich der Vorarlberger Anteil meist zwischen 17 und 18 Prozent. Den bisherigen Höchstwert gab es 2020 mit 21 Prozent, den niedrigsten Wert 2011 mit elf Prozent. Als armutsgefährdet gelten Personen mit einem verfügbaren Haushaltseinkommen von weniger als 60 Prozent des Medianeinkommens. Wegen der vergleichsweise kleinen Fallzahlen können die Werte auf Bundesländerebene laut ÖIF von Jahr zu Jahr stärker schwanken.