110 Ziele am Nachthimmel: Diese Kataloge weisen den Weg zu den Sternen

Zwei Kataloge führen Beobachter mit kleineren Optiken zu den schönsten Himmelsobjekten.
Schwarzach Der Mond und die hellen Planeten sind bei Amateurastronomen beliebt. Um mit kleinen Geräten Ziele zu finden, die tiefer im Weltall liegen, sind zwei Kataloge sehr hilfreich. Sie sind praktische Werkzeuge für den Amateurastronomen, denn sie wählen aus den zigtausenden Himmelsobjekten jeweils gut hundert helle und schöne Nebel und Sternhaufen aus. Bekannte Beispiele sind der Orionnebel und der helle Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules.
Messier-Katalog
Das Sternentstehungsgebiet im Orion wird auch mit M42 und der prachtvolle Sternhaufen mit M13 bezeichnet. Das sind Abkürzungen für Einträge im Katalog, der vom französischen Astronomen Charles Messier begonnen wurde. Er war auf der Suche nach neuen Kometen. Bis zum Jahre 1801 hatte er die stattliche Zahl von 20 neuen Kometen entdeckt. Das sind kilometerkleine Körper aus Eis, gefrorenen Gasen und Staub, die in lang gezogenen Bahnen unser Sonnensystem durchmessen. Meist sind sie diffuse Flecken, die sich langsam zwischen den Sternen bewegen. Die Messier-Objekte sehen ähnlich aus, bleiben aber auch nach monatelanger Beobachtung am selben Ort. Um Verwechslungen mit Kometen auszuschließen, veröffentlichte Charles Messier erstmals 1771 einen Katalog mit 45 nebeligen Objekten. Gemeinsam mit Pierre Méchain, der ebenfalls ein französischer Kometenentdecker war, erweiterte Messier den Katalog bis zum Jahre 1784 auf 103 Objekte. Wissenschaftshistoriker erweiterten den Katalog. Seit 1966 enthält er 110 Nebel, die alle am Nordhimmel stehen. Zu jeder Jahreszeit gibt es schöne Messier-Objekte, die an dunklen Plätzen sogar mit einem guten Fernglas gut zu sehen sind. Der Katalog ist ein perfekter Einstieg in die Welt der „Deep-Sky“ Beobachtung mit ihren offenen Sternhaufen, diffusen Nebeln, Galaxien, planetarischen Nebeln, Kugelsternhaufen und Supernovaüberresten. Die Aufzählung der Objekttypen ließe sich noch fortsetzen. Als der Katalog erstellt wurde, hatten die Astronomen keinerlei Vorstellung von der Natur dieser Nebelfleckchen. Edwin Hubble erkannte erst 1924, dass der Andromedanebel, Messier 31, eine eigene, weit entfernte Galaxie ist. Im Jahre 1902 berechnete der britische Astrophysiker James Jeans, dass aus Gaswolken, die ab einer bestimmten Masse und Dichte in sich zusammenfallen, neue Sterne entstehen. Erst in den 1940er und 1950er Jahren wurde nachgewiesen, dass in Gasnebeln, wie dem Orionnebel, neue Sterne gebildet werden.
Ambitionierte Himmelsbeobachter meistern den sogenannten Messier-Marathon. Dabei werden in einer einzigen Nacht alle 110 Objekte beobachtet. Das erfordert Planung und Erfahrung. Ende März bis Anfang April steht die Sonne in einem Teil der Ekliptik, in der es keine Messier-Objekte gibt. In diesen Nächten kann man das sportliche Ziel angehen, sofern nicht gerade der Mond stört.
Caldwell Katalog
Es war kein Ziel von Charles Messier einen vollständigen Nebelkatalog zu erstellen. So fehlen unter anderem der Sternhaufen der Hyaden im Stier und ein schöner Doppelsternhaufen im Perseus. Seit 1995 hat der Caldwell-Katalog diese Lücken geschlossen. Der britische Amateurastronom Patrick Moore stellte 109 Nebel zusammen, von denen er keinen selbst entdeckt hatte. Auch viele Objekte am Südhimmel wie der Carinanebel und der schöne Kugelsternhaufen Omega Centauri wurden aufgenommen. Nach seinem zweiten Familiennahmen Caldwell werden die Nebel von C1 bis C109 von Nord nach Süd durchnummeriert. Damit haben Amateure auf der ganzen Welt eine gute Auswahl für ihre persönliche Reise am Nachthimmel.
Robert Seeberger