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Viel versprochen, wenig umgesetzt

03.10.2026 • 11:30 Uhr
Viel versprochen, wenig umgesetzt
Veronika Rüdisser ist Politikwissenschaftlerin und Vorstandsmitglied der Radlobby Vorarlberg. Stiplovsek

Seit 20 Jahren werden Verkehrssicherheitsziele angekündigt, aber nicht konsequent umgesetzt – besonders Kinder tragen die Folgen.

Die Schule hat wieder begonnen. Jeden Tag sind damit wieder Tausende Kinder unterwegs: zu Fuß, mit dem Fahrrad, mit dem Scooter. Sie sind die schwächsten Verkehrsteilnehmer – und darauf sollte unser Verkehrssystem Rücksicht nehmen.

Die Realität sieht leider anders aus: Schulwegunfälle nahmen in Vorarlberg im letzten Jahr deutlich zu.

Schon 2006 versprach die Landesregierung, die Zahl aller Unfälle mit Verletzten bis 2015 um 25 Prozent zu verringern. Betont wurde, dass es vor allem für Kinder auf der Straße sicherer werden müsse. Die gleichen Zielsetzungen finden sich seitdem in allen weiteren Konzepten des Landes zu Verkehrssicherheit. Eines eint diese Konzepte: Die Entwicklung lief den Zielen immer diametral entgegen, die Zahl der Verkehrsverletzten steigt stetig an.

Nun gibt es wieder ein neues Konzept für Verkehrssicherheit. Diesmal sollen die ewig gleichen Ziele bis 2034 erreicht werden. Die meisten Maßnahmen, um die Ziele zu erreichen, entsprechen jenen der älteren Konzepte. Wenig überraschend zeigt sich, dass es nicht ausreicht, Maßnahmen in ein Konzept zu schreiben, ohne diese dann auch umzusetzen. Zu nennen ist hier etwa die seit 20 Jahren „festgelegte“ Abschaffung unnötiger Toleranzen bei Geschwindigkeitsmessungen.

Zudem sind auch im aktuellen Konzept keine Kampagnen für Autofahrer geplant – obwohl drei von vier schweren Pkw-Unfällen durch Autofahrer verursacht werden. Lieber werden zu Schulbeginn wieder massenhaft Warnwesten verteilt. In Anbetracht der Unfallursachen notwendig wäre vielmehr: Nicht aufs Handy schauen; Abstand halten beim Überholen; vor dem Zebrastreifen wirklich stehen bleiben; Geschwindigkeit reduzieren.

Autofahrern nicht nur ihre Rechte zu gewähren, sondern sie auch an ihre Pflichten und ihre Verantwortung gegenüber schwächeren Verkehrsteilnehmern zu erinnern, scheint in Vorarlberg nach wie vor ein Sakrileg zu sein.

Die Zahl der Verkehrsunfälle tatsächlich zu reduzieren würde nicht nur menschliches Leid verhindern und unseren Kindern mehr Freiheit erlauben. Es würde zudem jedes Jahr 364 Millionen Euro an volkswirtschaftlichen Folgekosten einsparen.