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Vertrauen als knappste Ressource

10.10.2026 • 14:30 Uhr
Vertrauen als knappste Ressource

Warum die politische Mitte bröckelt.

Die Erfolge von Parteien am äußeren rechten und linken Rand zeigen, dass Misstrauen zu einer politischen Kraft geworden ist. In unserer demokratischen Gesellschaft müssen wir Institutionen vertrauen, weil niemand alles selbst prüfen kann. Vertrauen reduziert soziale Komplexität. Ohne Vertrauen ist der Einzelne praktisch handlungsunfähig.

Viele, die Vertrauen verloren haben, suchen Halt bei jenen, die ebenfalls misstrauen. Nicht wegen der Kompetenz der Parteien, die Misstrauen zum Programm machen, sondern aufgrund gemeinsamer Feindbilder. Es bildet sich eine politische Vergemeinschaftung über geteiltes, destruktives Misstrauen und Zweifel am Rechtssystem, am Journalismus und an der Wissenschaft.

Regierungsparteien der bürgerlichen Mitte verlieren vor allem an Zuspruch, weil die negativen Folgen von Migration, Pandemie, Erderwärmung, Rezession und Kriege für viele eine reale Verschlechterung ihrer Lebensumstände und sozialen Abstieg mit sich bringen. Die Politik der Regierenden liefert zu oft keine nachhaltigen Strategien oder nur symbolische, nicht tragfähige Lösungen. Zurück bleiben enttäuschte Erwartungen.

Rechts wird dieses Misstrauen durch Feindbilder, nationale Identität und Ordnungsversprechen kanalisiert, links eher durch Kritik an Macht, Kapitalismus und Ungleichheit. Beide nähren sich aber am Gefühl, dass das bestehende System Probleme nicht mehr löst. Der Vertrauensverlust der Mitte ist also auch eine Frage der Leistungsbilanz von Regierungsarbeit.

Die Mitte sollte nicht mit größeren Versprechen reagieren. Vertrauen entsteht durch verlässliche Leistungen, klare Prioritäten, transparente Entscheidungen und ehrliche Fehlerzugeständnisse. Dazu gehört, Grenzen staatlicher Handlungsfähigkeit offen zu benennen und jene Vorhaben konsequent umzusetzen, die der Staat bewältigen kann. Sonst verliert er an Legitimität. Wer Wahlen, Gerichte oder Presse nicht mehr als verlässlich ansieht, wird anfällig für simple Erklärungen und autoritäre Versprechen.

Wer Vertrauen nicht durch Ergebnisse zurückgewinnt, überlässt das Feld jenen, die Misstrauen gegen die Demokratie richten.

Der Vertrauensverlust der Mitte ist also auch eine Frage der Leistungsbilanz von Regierungsarbeit.

Vertrauen als knappste Ressource
Christof Skala ist Ingenieurconsulent und Unternehmensberater in Bregenz.ist selbstständiger Ingenieurconsulent und Unternehmensberater in Bregenz.