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Forderung nach dualer Pflegelehre

05.06.2020 • 05:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die Mitglieder Projektgruppe hoffen sehr, dass es bald eine Pflegelehre geben wird. <span class="copyright">APA/dpa/Oliver Berg</span>
Die Mitglieder Projektgruppe hoffen sehr, dass es bald eine Pflegelehre geben wird. APA/dpa/Oliver Berg

Projektgruppe kämpft für Einführung einer entsprechenden Lehre.

Lehrstellensuchende Jugendliche zählen gemäß einer Aussendung der Aqua Mühle Vorarlberg gGmbH am Donnerstag zu den hauptbetroffenen Personengruppen der Corona-Krise. Denn aufgrund der Krise würden Ausbildungsbetriebe aufgrund der Auswirkungen der Pandemie wirtschaftliche Sorgen haben. Daher könnten oder möchten die Betriebe die Verantwortung für eine gute Lehrausbildung nicht mehr tragen, heißt es in der Aussendung.
Anders sehe dies jedoch gemäß Aqua Mühle bei Ausbildungsbetrieben im Sozial- und Pflegebereich aus. Die Berufsfelder seien krisensicher, personell unterbesetzt und würden daher eine Ausbildungssicherheit bieten. Gerade die Auswirkungen der derzeitigen Krise hätten eindrücklich verdeut­licht, „wie groß die Lücken in Bezug auf Ausfallssicherheit im österreichischen Pflegenetz sind“. Daher sei der Ausbau an unterschiedlichen Ausbildungswegen gerade im Bereich der Pflege ein wichtiger Schritt. Einerseits, um Wünschen der Auszubildenden gerecht zu werden, und andererseits, den wachsenden Bedarf abdecken zu können.

Die Mitglieder der Projektgruppe fordern die Einführung der Pflegelehre nach Schweizer Vorbild. Unterstütz werde das Vorhaben auch von Gesundheitslandesrätin Rüscher (4.v.r). <span class="copyright">Aqua Mühle</span>
Die Mitglieder der Projektgruppe fordern die Einführung der Pflegelehre nach Schweizer Vorbild. Unterstütz werde das Vorhaben auch von Gesundheitslandesrätin Rüscher (4.v.r). Aqua Mühle

Zwei Forderungen

Daher fordert die „Projektgruppe Pflegelehre“ – dieser gehören neben Vertretern der Wirtschaftskammer, der Arbeiterkammer sowie der Landesberufsschule auch Vertreter der Gesundheits- und Krankenpflegeschule, der Ausbildungsbetriebe sowie die Mitinitiatoren Günter Lampert und Egon Blum an – die Einführung einer betriebsgebundenen dualen Pflegelehre nach Schweizer Vorbild. Eine weitere Forderung ist ein Vorarlberger Ausbildungsversuch für eine betriebsgebundene vierjährige Pflegelehre mit Abschluss „Pflegefachassistenz“. Starten sollte diese Ausbildung gemäß der Aussendung im September.
Gemäß eigenen Angaben erhält die Projektgruppe auch Unterstützung von Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher und Landeshauptmann Markus Wallner (beide ÖVP).
Für die Einführung einer Pflegelehre kämpfen die Mitglieder der Projektgruppe bereits seit neun Jahren. Für den nun geforderten Ausbildungsversuch legt die Gruppe daher ein „profundes und akkordiertes Lehrkonzept“ vor. Gemäß der Aussendung könnte mit diesem Ausbildungsversuch Vorarlberg „einen weiteren wertvollen Schritt in der Bewältigung zukünftiger Herausforderungen in der Pflege setzen, gleichzeitig dem Fachkräftemangel entgegenwirken und unseren Jugendlichen eine zusätzliche Ausbildungsperspektive eröffnen“.

Notstand entgegenwirken

Florian Kresser, Geschäftsführer der Aqua Mühle Vorarlberg und Leiter des Modellprojekts, ist zuversichtlich, dass „die Bundesregierung ihre Vorhaben aus dem Regierungsübereinkommen 2020–2024 hält und mit den Erfahrungen aus der Corona-Pandemie die Pflegelehre rasch umsetzt, um dem Pflegenotstand entgegen zu wirken“.
Laut Kresser bestätigen die Erfahrungen aus dem Projekt „Ausbildungskombination Betriebsdienstleistungslehre und Pflegeassistenz“, dass junge Menschen interessiert und motiviert sind, über eine Lehre in die Pflege und Betreuung hinein zu wachsen. Kresser stellt abschließend klar: „Eine duale Pflegelehre stellt keine Konkurrenzierung zu schulischen und akademischen Ausbildungen dar.“
Im Herbst startet der neunte Durchgang der Ausbildungskombination. Es stünden 22 ­Ausbildungsplätze zur Verfügung.