Allgemein

Wälderinnen bauen Schule in Tansania

01.01.2022 • 20:40 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Die zwei jungen Frauen absolvierten einen dreiwöchigen Freiwilligendienst in Tansania.
Die zwei jungen Frauen absolvierten einen dreiwöchigen Freiwilligendienst in Tansania.

Annabell Österle und Anna Maurer erfüllen sich mit dem Bau der Schule einen Traum.

Voller Motivation, Neugier und Spenden im Gepäck traten Annabell Österle (25) und Anna Maurer (27) ihr Abenteuer am 27. Juli des vergangenen Jahres in Richtung Afrika an. Im Rahmen eines dreiwöchigen Freiwilligendienstes wollten die beiden Volksschullehrerinnen aus Doren und Hittisau Gutes tun und den Menschen vor Ort helfen.

Anna Maurer (l.) und Annabell Österle (r.)
Anna Maurer (l.) und Annabell Österle (r.)

Die ambitionierten jungen Frauen hatten unabhängig voneinander schon länger das Bedürfnis, Menschen aus ärmeren Ländern unter die Arme zu greifen und sie zu unterstützen. Durch eine gemeinsame Lehrerkollegin haben die beiden Wälderinnen, die sich bereits aus Kindertagen gekannt hatten, von dem Vorhaben der jeweils anderen erfahren. Kurz darauf entschieden sie sich, ihren Traum gemeinsam zu verwirklichen. Rasch begaben sich die beiden auf die Suche nach einer passenden Hilfsorganisation. Im Zuge der Recherche entschieden sie sich hierbei für „STEP Africa“ mit Sitz in Arusha, Tansania.


Um nicht mit leeren Händen nach Afrika zu reisen, sammelten die zwei Frauen vorab Spenden von Bekannten, Freunden und der Familie. Kreative Bastelarbeiten der Schüler wurden gegen eine freiwillige Spende verkauft, und Anna Maurers Schule stellte zusätzlich Hefte, Stifte, Kleber und Wasserfarben für die Kinder in Afrika zur Verfügung.

TWIGA Vision Foundation

Bereits vor der Abreise entschieden sich die beiden für ein Partnerprojekt. Ihre Wahl fiel hierbei auf die TWIGA Vision Foundation, mit deren Unterstützung sie den Menschen in Afrika ihre Hilfe zukommen lassen wollten. Die Non-Government-Organisation unterstützt junge Frauen, Kinder und Jugendliche aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Während Frauen beispielsweise im Bereich Arbeit beraten werden, erhalten Kinder die Chance auf schulische Bildung. Die zwei Vorarlbergerinnen waren vor Ort hauptsächlich mit der Betreuung der Kinder beschäftigt.
Längst vor Antritt der Reise hatten beide ein klares Ziel vor Augen: „Wir wollen mit den gesammelten Spenden unser Projekt unterstützen.“ Kaum angekommen, besorgten Annabell Österle und Anna Maurer kurzerhand verschiedene Farben, um den kahlen Schulhof kinderfreundlicher zu gestalteten. Zudem kümmerten sie sich um eine Schutzfolie für den Teppichboden, auf welchem die Kinder bis dato gelernt und gegessen haben. „Die Folie können sie nun vor dem Essen auflegen und danach wieder abwaschen“, teilte Annabell Österle aus Doren mit.

Das Duo während den Malarbeiten für den neuen Schulhof.
Das Duo während den Malarbeiten für den neuen Schulhof.
Die neue Schutzfolie wird ausgerollt.
Die neue Schutzfolie wird ausgerollt.


Es dauerte nicht lange, bis die beiden jungen Frauen bemerkten, dass die TWIGA Vision Foundation für dortige Verhältnisse bereits recht gut ausgestattet war. Aufgrund der Tatsache, dass ihnen jedoch noch einiges an Spendengeld für andere Investitionen zur Verfügung stand, wandten sie sich an Kira Uher, Gründerin der „STEP-Africa-Organisation“ und ausgewanderte Deutsche. Diese verwies sie an Nancy Nashilu, eine Frau, die in einem Massai-Dorf etwas außerhalb von Arusha, seit diesem Jahr auf freiem Feld, unter einem Baum, unterrichtete. Bisher stand kein Gebäude für die Kinder des Dorfes zur Verfügung, und die nächstgelegene Grundschule lag mehr als zwei Stunden Fußmarsch entfernt. Der Vorschlag lautete also: der Bau einer Schule.

ndoto nursery school
ndoto nursery school

Ndoto-Nursery-School

Das Duo begab sich daher mit einer Tasche voller Schulsachen und frischem Obst bepackt auf den Weg in Richtung Moita Kiloriti, zwei Autostunden entfernt vom bekannten Mount Kilimanjaro, um die Unterrichtssituation und das mögliche Grundstück zu begutachten. Vor Ort erfolgten die Übergabe der Schulmaterialien an die Klassenlehrerin sowie Gespräche mit dem Bürgermeister.

Die zwei jungen Frauen verteilen Früchte an die Kinder.
Die zwei jungen Frauen verteilen Früchte an die Kinder.


Noch am selben Tag kam es wohl zum bewegendsten Moment ihrer Reise. Mit einem Funkeln in den Augen ließ Annabell Österle diesen nochmals Revue passieren: „Wir sind nach Hause gekommen, haben uns auf die Couch fallen lassen und einfach geweint. Wir waren fix und fertig. Einerseits vor lauter Freude, denn wir hätten nie geglaubt, dass wir mal eine Schule bauen können. Andererseits, weil wir gesehen haben, wie die Menschen da leben“. Von dort an sei für beide klar gewesen: „Das machen wir, komme, was wolle.“


Bei den anschließend anstehenden Behördengängen und der Abwicklung des Kaufes wurden die beiden tatkräftig von ihrer Organisation unterstützt. Um weiterhin und auch langfristig helfen zu können, gründeten sie im Herbst sogar ihren eigenen Verein – „ndoto Tanzania“. Ndoto heißt in der Landessprache Suaheli so viel wie „Traum“.

ndoto nursery school
ndoto nursery school


Nach wie vor stehen sie mit ihrer Organisation in engem Kontakt und werden laufend über die Fortschritte der Bauarbeiten, welche bereits seit dem 9. Oktober des vergangenen Jahres im vollen Gange sind, informiert. Letztendlich soll es in der „Ndoto-Nursery-School“ zwei Klassenräume mit Stühlen, Tischen, einer Tafel sowie einer kleinen Küche geben. Die beiden jungen Frauen unterstützen die zukünftigen Lehrer der Schule zudem beim Erarbeiten eines Lehrplans.

Der aktuelle Stand der Bauarbeiten.
Der aktuelle Stand der Bauarbeiten.


Doch was ist eigentlich eine Nursery School? Bevor die Kinder in Tansania auf eine Grundschule („Primary School“) gehen, besuchen sie eine Vorschule („Nursery School“), bei welcher sie sowohl Schreiben, Lesen, Rechnen als auch Englisch lernen. Da in Moita Kiloriti kein Kind je zur Schule gegangen ist, wäre der Bau einer Grundschule nicht sinnvoll. Die knapp 60 Kinder des Dorfes müssen zuerst die grundlegenden Dinge lernen. Im Gegensatz zu den Kindern in Vorarlberg haben in Afrika nicht alle das Privileg, in die Schule gehen zu dürfen. Selbst wenn die beiden Volksschullehrerinnen viele Erfahrungen während ihrer Zeit in Afrika sammeln durften, bleibt vor allem eines: Dankbarkeit. „Wir denken oft an die Kinder in Afrika, die mit wenig solche Freude haben. Wir hier leben im Luxus, und trotzdem sind viele undankbar.“

Blick in die Zukunft

Ein Traum, welcher für beide aktuell noch in weiter Ferne liegt, wäre ein Schulbus, der die Kinder irgendwann zur Schule und in weiterer Folge auch zur nächstgelegenen Grundschule bringt. Selbstverständlich wollen Annabell Österle und Anna Maurer ihre „Ndoto-Nursery-School“ auch einmal besuchen. Wann, das steht allerdings noch in den Sternen. Fest steht aber, dass die offizielle Eröffnung der Schule nur mit den beiden stattfinden wird.

SPendeinformatiom

Ndoto Tanzania

Wer das Projekt unterstützen und für den Verein spenden möchte, kann dies hier machen:

IBAN: AT66 3743 5000 0010 9751

Du hast einen Tipp für die NEUE Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@neue.at.