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Köhnleins expressiver Realismus: Eine wilde Leidenschaft

06.06.2023 • 14:33 Uhr
Horst Köhnlein, Alwin Rohner <span class="copyright">Wolfgang Ölz</span>
Horst Köhnlein, Alwin Rohner Wolfgang Ölz

Alwin Rohner präsentiert den interessanten, in Dornbirn heimisch gewordenen Künstler Horst Köhnlein in einer sorgfältig ausgewählten Kabinettausstellung.

Horst Köhnlein (1935 bis 2016) wird einem expressiven Realismus zugerechnet. Seine Bilder sind Gemälde, die verschlungene, manchmal traumhafte Konstellationen herbeimalen, die Rätsel aufgeben und doch in ihrer Technik perfekt sind und oft das offenbaren, was in der Kunst zum Besten gehört: Die Manifestation platonischer Ideen. Da ist ein Vogel gleichzeitig die Idee eines Vogels, da ist ein Mann mit Augenklappe gleichzeitig der Mann an sich, da ist eine Landschaft gleichzeitig die Idee einer Landschaft, hohe Kunst eben.

Wilde Leidenschaft

Der gebürtige Reutlinger aus Baden-Württemberg kam über verschiedene berufliche Stationen schließlich als Textildesigner zu F.M. Hämmerle nach Dornbirn, wo er „mit seiner Familie, seiner Frau Barbara und zwei Söhnen, seine zweite Heimat“ fand, wie in einer offiziellen Biographie nachzulesen ist. Als Autodidakt hatte er eine wilde Leidenschaft zur Malerei, die er in seinem Bauernhaus in Bildstein auslebte. Reisen nach Marokko, Griechenland und in die Pyrenäen erweiterten seinen künstlerischen Horizont hin auf die Länder des Südens, wie man das bei den großen Malern des 20. Jahrhunderts wie den drei bedeutsamen Künstlern Paul Klee, August Macke und Louis Moilliet beobachten kann, die im April 1914 nach Marokko gereist sind.
Ein Aufenthalt in Berlin war im Alter von 74 Jahren eine künstlerische Offenbarung. Neue Techniken und ausdrucksstarke Bilder, die neue Graffiti-Einflüsse beinhalteten, entstanden. Seine Maltechnik umfasste im allgemeinen Öl, Pastellkreide, Malstift und alles, mit dem man irgendwie malen kann. Seine Textilkollektionen färbten im wahrsten Sinne des Wortes auf seine Arbeit als Künstler ab.

Retrospektive

Seine Nachfahren Till und Alexandra Köhnlein halten das Andenken ihres Vaters und Schwiegervaters hoch. Es entstand ein ansehnlicher Kunstband mit dem programmatischen Titel „Retrospektive“. Alwin Rohner, dessen Talent gute Kunst zu sehen der Gabe eines guten Trüffelschweines bei der Suche nach Trüffel vergleichbar ist, nutzte die Chance und machte aus dem Nachlass eine sehenswerte Schau.

Interessant ist, dass der Grand Seigneur der Kunst in Vorarlberg Surrealismus, Naturalismus, Neue Sachlichkeit und Kubismus als Randerscheinungen im Vergleich zum expressiven Realismus als vielseitigstes, dauerhaftes Ergebnis des 20. Jahrhunderts sieht, dem er auch Horst Köhnlein zuordnet. In der Eröffnungsrede sagte Alwin Rohner: „Für mich ist Horst Köhnlein einer der letzten dieser Tradition zum Ende des 20. Jahrhunderts, und die Zeitlosigkeit einer stets neu bildenden Natur wird eins.“

Horst Köhnlein – Expressiver Realismus: Bis April 2024, jeden ersten Sonntag im Monat bei freiem Eintritt und auf Anfrage.