Eine neue Supernova über Bayern

Damit bewirbt die Europäische Südsternwarte ihr Besucherzentrum in Garching. Es bietet Einblicke in die Spitzenforschung und fasziniert mit ihrem digitalen Planetarium.
Von Robert Seeberger
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Im Oktober ist ein Reisebus, der bis auf den letzten Platz mit Mitgliedern der Vorarlberger Amateur-Astronomen belegt war, zum Zentrum der Europäischen Südsternwarte (ESO) gefahren. In Garching bei München ist das Hauptquartier der ESO, der führenden europäischen Organisation für astronomische Forschung. Sie betreibt an Standorten in Chile Spitzenteleskope wie das VLT (Very Large Telescope), bei dem vier Teleskope mit Spiegeldurchmessern von jeweils 8,2 Metern zusammengeschaltet werden können. Derzeit ist das weltgrößte optische Teleskop auf dem über 3000 Meter hohen Cerro Armazones in der Atacamawüste im Bau. Mit dem 39-Meter-Teleskop, das ab 2030 seinen Betrieb aufnehmen soll, werden unter anderem Exoplaneten, Schwarzen Löcher und Dunkle Materie erforscht werden.
Besucherzentrum
Neben dem Hauptquartier steht das moderne Besucherzentrum „Supernova“ der ESO in dem auch die Amateur-Astronomen viel Neues erfahren konnten. Auf 2200 Quadratmetern Ausstellungsfläche wird die gesamte Astronomie anschaulich und interaktiv dargestellt. Die Reise führt vom Sonnensystem zu den Sternen und Galaxien. Die Technologie und die Forschungsresultate der ESO Teleskope werden erläutert. Die Welt wird durch relativistische Effekte verzerrt, wenn die Fahrtgeschwindigkeit in Richtung Lichtgeschwindigkeit geht. Auf einem Heimtrainer kann man das plastisch miterleben. Die Dauerausstellung hat den Titel „Das lebendige Universum“. Insgesamt kann man 13 eigenständige Themen erforschen. In einer knappen Stunde ist ein grober Überblick möglich. Möchte man tiefer eintauchen, vergehen mehrere Stunden wie im Flug. Der Höhepunkt des Besucherzentrums ist sicherlich das digitale Planetarium. Die 360 Grad Kuppel hat einen Durchmesser von 14 Metern. Die geneigte Kuppel und die moderne Visualisierungstechnik vermittelt den Eindruck, mitten im Geschehen zu sein. Zu den 18 Shows zählen: “Welten jenseits der Erde”, “die Geburt eines Planeten” und “eine Tour durchs Sonnensystem und Europas Weg zu den Sternen”.
Supernova
Die Bezeichnung „Supernova“ ist gut gewählt, denn es ist eines der Schlüsselwörter, die viele Menschen magisch zur Astronomie hinzieht. Eine Supernova ist ein energiegeladenes Ende eines massereichen Sterns. Für kurze Zeit leuchtet eine Supernova heller, als die gesamte Muttergalaxie des Sterns. In unserer Milchstraße werden zwei bis drei Supernovae pro Jahrhundert erwartet. Die letzte wurde zu Lebzeiten von Galilei und Kepler im Jahre 1604 beobachtet. Obwohl manche wegen der Lage in der Galaxie unbeobachtbar bleiben, ist eine Supernova überfällig. Vielleicht wird schon bald (in astronomischen Zeitskalen) der linke Schulterstern des Orions, Beteigeuze so enden. In einer der Begleitgalaxien der Milchstraße, der Großen Magellanschen Wolke, gab es 1986 eine Supernova, die mit ESO-Teleskopen detailliert erforscht worden ist.
Schulung aus erster Hand
Die technischen und naturwissenschaftlichen Disziplinen wie Mathematik, Physik, Chemie und Technik gewinnen wieder an Bedeutung. Die Astronomie schafft es, durch beeindruckende Bilder alle Altersschichten zu begeistern. Somit bietet sich ein spielerischer Einstieg in die MINT-Fächer über die Europäische Südsternwarte an. Die ESO unterstützt die Weiterbildung von Schülern und Lehrkräften. Sie bietet Führungen, Planetariums-Shows und Workshops für Schulklassen und sogar Kindergartengruppen an. Auch Weiterbildungen für Lehrkräfte sind möglich. Über ein Lehrernetzwerk werden Unterrichtsmaterialien zur Verfügung gestellt. Durch die Nähe an der Forschung wird aktuelles Wissen vermittelt. Die Vorarlberger Amateur-Astronomen sind jedenfalls mit viel Diskussionsstoff zurückgekehrt.