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Ausgaben-Check: Was Bequemlichkeit im Alltag wirklich kostet

30.01.2026 • 18:00 Uhr
Ausgaben-Check: Was Bequemlichkeit im Alltag wirklich kostet
Bequem einkaufen geht schnell. Bewusst entscheiden fällt oft leichter, wenn man vor Ort einkauft. Steurer; Canva

Nicht große Anschaffungen, sondern viele kleine Online-Käufe belasten das Budget. Eine kritische Selbstreflexion und eine No-Buy-Challenge zeigen, wie teuer alltäglicher Komfort wirklich sein kann.

Mit dem neuen Jahr kommen auch die berühmten Neujahrsvorsätze. Und ich habe mir heuer tatsächlich auch etwas vorgenommen: weniger ausgeben und bewusster mit meinem Geld umgehen. Nicht, weil es nötig wäre, sondern aus Neugier. Ich wollte wissen, wo mein Geld eigentlich hinfließt und ob sich im Alltag nicht doch mehr einsparen lässt, als man denkt. Also habe ich mir mein vergangenes Jahr noch einmal genauer angesehen. Ich habe meine Ausgaben durchforstet, Kontoauszüge sortiert und mir mit ChatGPT eine Übersicht erstellt. Wir sind eine vierköpfige Familie mit zwei Kindern im Schulalter, entsprechend setzen sich viele Ausgaben aus kleinen Beträgen zusammen, die im Alltag kaum auffallen. In der Auswertung zeigte sich schnell, wie regelmäßig bestimmte Kategorien auftauchen. Am Ende stand eine Summe, die mich überrascht hat: Hochgerechnet aufs Jahr waren das mehr als 6000 Euro. Nicht für große Einzelkäufe, sondern für viele kleine Beträge, die sich über Monate angesammelt hatten. Und fast immer hatte das mit Bequemlichkeit zu tun.

Verführt durch Social Media

Ich gebe es zu: Ich bin ein Werbungsopfer. Nicht für klassische Spots, sondern für das, was mir auf Social Media zwischen Rezeptvideos und Wochenroutinen begegnet. High-Protein-Pudding, cremige Pulver zum Anrühren oder scheinbar nützliche Gadgets für den Alltag, die versprechen, vieles einfacher zu machen. Diese Produkte tauchen immer wieder auf, gut inszeniert und scheinbar erprobt. Meist nicht sofort, sondern nach ein paar gespeicherten Storys, einem Link in der Bio und dem Satz: „Ich schwöre, das hat mein Leben verändert.“ Irgendwann landet so etwas dann im Warenkorb.

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Kleine Klicks, große Summe

Ein Großteil meiner Ausgaben ist bei einem großen Onlinehändler zusammengekommen. Vieles davon war praktisch: Haushaltsartikel, Kleidung, Dinge für den Alltag. Bestellt habe ich oft aus Bequemlichkeit, ohne groß zu überlegen, ob ich das wirklich brauche oder ob es anderswo günstiger wäre. Allein für solche Onlinebestellungen habe ich im vergangenen Jahr monatlich rund 300 bis 400 Euro ausgegeben. Dazu kamen Lieferdienste, abgeholte Mahlzeiten und spontane Kleinigkeiten unterwegs. Zusammengerechnet lagen meine durchschnittlichen Monatsausgaben für diese bequemen Konsumentscheidungen bei deutlich über 500 Euro. Hochgerechnet aufs Jahr waren das mehr als 6000 Euro. Ein Betrag, der mich im Rückblick ehrlich gesagt schockiert hat, weil ich ihn im Alltag kaum bewusst wahrgenommen hatte.

Ein Monat mit Plan

Anfang Jänner habe ich beschlossen, etwas zu ändern. Auf Social Media war die sogenannte „No-Buy-Challenge“ gerade überall präsent. Influencer zeigten, wie sie einen Monat lang nur das Nötigste kaufen und auf Impulskäufe verzichten. Ich habe mir gedacht, das probiere ich auch. Spontanes Online-Shopping und Lieferdienste habe ich mir für diesen Monat abgewöhnt und stattdessen das verwendet, was ohnehin zu Hause war. Gekauft wurde nur mit Plan. Alles, was ich trotzdem gerne gehabt hätte, kam zunächst in den digitalen Warenkorb, ohne sofort bestellt zu werden. Schon nach wenigen Tagen ist mir aufgefallen, wie oft ich sonst automatisch etwas gekauft hätte. Dinge, die im ersten Moment wichtig erschienen, waren nach kurzer Zeit wieder vergessen. Und obwohl ich bewusst verzichtet habe, hat mir nichts gefehlt. Im Gegenteil, es war fast entspannend, weniger Entscheidungen treffen zu müssen.

Ausgaben-Check: Was Bequemlichkeit im Alltag wirklich kostet
Ein Online-Einkauf aus Bequemlichkeit kostet oft mehr, als man zugeben möchte. KI generiert

Spartipps gegen Klick-Reflex

Mit der Zeit habe ich gemerkt, dass es gar nicht viel braucht, um Ausgaben zu senken. Oft reicht es, eingefahrene Gewohnheiten zu unterbrechen. Gerade beim Online-Shopping passiert vieles zu schnell. Ein Klick, ein gespeicherter Warenkorb, eine Bestellung. Mir hat geholfen, diesen Ablauf zu verlangsamen und Käufe nicht sofort abzuschließen. In vielen Fällen erledigte sich der Wunsch von selbst. Auch Kaufreize spielen eine größere Rolle, als man im Alltag wahrnimmt. Push-Nachrichten, Rabattmails und Story-Werbung tauchen genau dann auf, wenn man müde oder abgelenkt ist. Wer diese Reize reduziert, kauft weniger. Nicht aus Verzicht, sondern weil der Impuls fehlt. Benachrichtigungen lassen sich deaktivieren, Newsletter abbestellen, der eigene Feed bewusster gestalten. Das entlastet nicht nur das Budget, sondern auch den Kopf. Viele Ausgaben bleiben außerdem unbemerkt, weil sie klein sind. Ein Kaffee unterwegs, ein Snack zwischendurch oder ein Abo, das automatisch weiterläuft. Gerade diese Beträge summieren sich. Wer sie eine Zeit lang notiert, erkennt schnell Muster. Auch beim Wocheneinkauf hilft Struktur, etwa ein fixes Haushaltsbudget. Grenzen, die im Digitalen oft verschwimmen, werden so wieder sichtbar.

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Achtsamer statt weniger

Ich habe im Jänner nicht weniger gelebt, aber bewusster konsumiert. Die „No-Buy-Challenge“ war für mich kein strenges Sparprogramm, sondern eher ein Reset. Mir ist klarer geworden, wie oft Bequemlichkeit Entscheidungen lenkt und wie wenig davon im Alltag wirklich notwendig ist. Verändert hat sich vor allem, wie ich einkaufe. Wenn ich ins Geschäft gehe, treffe ich Entscheidungen überlegter als beim schnellen Online-Klick. Ich nehme mir mehr Zeit, sehe Alternativen und kaufe bewusster ein – im Alltag führt mich das wieder öfter in den regionalen Handel in Vorarlberg. Nicht jeder Wunsch muss sofort erfüllt werden und nicht jede Entscheidung gleich getroffen werden.