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Heidi vergisst so einiges – sogar das Atmen

14.02.2026 • 13:00 Uhr
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Es gibt Dinge, die kann man. Radfahren, Wurstbrot belegen, Nase putzen. Atmen gehört ebenfalls dazu. Das läuft im Hintergrund, ohne Bedienungsanleitung, ohne sich groß darüber Gedanken zu machen. Dennoch gibt es manchmal Nächte, da scheine ich total vergessen zu haben, wie man den Brustkorb hebt und wieder senkt. 

Ich liege im Bett, gemütliche Seitenschläferin, ordentlich zugedeckt, der Tag fein säuberlich im Kopf verräumt – also zumindest versucht. Und kurz bevor ich das Meer zum Land der Träume durchschwommen habe, passiert es: kein Atemzug. Der Versuch Luft zu holen scheitert … Moment!

Hat mein Körper gerade vergessen, wie das geht? „Entschuldigung“ denke ich mir empört, mit einem leichten Anflug von Panik. Man kann ja viel gedanklich entschwinden, der Einkauf, der PIN-Code, Geburtstage. Aber Atmen auch!? Offenbar ja.

Mein Körper reagiert empört mit einem Satz nach oben, als hätte mir jemand einen Defibrillator an die Brust gehalten. Das Herz hüpft. Oder rast. Oder beides. Und macht dieses unentschlossene „Bumm-Bumm-aber-schneller-als-sich-gesund-anfühlt“. Ich selbst sitze kerzengerade im Bett und denke: Das war’s jetzt. So also endet es. Nicht besonders heldenhaft, sondern weil ich vergessen habe zu atmen. Typisch!  

In Wahrheit ist das ganze aber nur ein kleines Stolpern. Eine nächtliche Generalprobe des Nervensystems, das offensichtlich noch Dienst hat, obwohl längst Feierabend sein sollte. Vielleicht reagiert es beleidigt auf den Tag: Du wolltest Stress? Ha! Hier hast du ihn! Interessant ist ja, wie schnell hier das Kopfkino startet. Aus einem Atemstolperer wird eine existenzielle Krise. Aus einem Herzstolpern die nahende Begegnung mit dem Sensenmann. Man sitzt da und verhandelt mit sich selbst: Ruhig bleiben. Nicht in Panik geraten. Du kannst das. Du hast jahrelange Erfahrung im Atmen, du bist Profi. Und dann atme ich ganz bewusst. Ein durch die Nase. Aus durch den Mund. Was habe ich doch für ein Talent! Nach ein paar Minuten beruhigt sich alles. Das Herz findet seinen Takt wieder, als wäre nichts gewesen. Es war nämlich offenbar nichts. Nur ein kleiner Moment, in dem das automatische Leben kurz manuell wurde.

Am nächsten Morgen stehe ich auf, mache Kaffee, plane Termine, „hudle“ durch den Tag. Niemand sieht mir an, dass man nachts beinahe an der eigenen Atemtechnik gescheitert wäre.

Vielleicht ist das die eigentliche Lektion: Wir funktionieren. Meistens. Aber manchmal hackt es. Selbst beim Atmen. Womöglich ein Wachrüttler, damit wir uns selbst nicht vergessen, in unserem funktionieren.