Message Control im Landhaus

Spitzenbeamte im Amt der Vorarlberger Landesregierung nicht mehr aussagebefugt?
Unter Message Control wird die gezielte Steuerung der Botschaft einer Organisation an die Öffentlichkeit verstanden. Seit der Kanzlerschaft von Sebastian Kurz ist dieser Begriff auch in Österreich besser bekannt. Landeshauptmann Markus Wallner und sein Landesamtsdirektor konnten dieser Strategie offenbar mehr abgewinnen als die Medien und scheinen nun das Instrument für sich entdeckt zu haben.
Einerseits sollen durch Message Control Themen gar nicht „gespielt“ werden, andererseits sollen die Inhalte und die Aufarbeitung von Themen gezielt gesteuert werden. Für die Journalisten ist das mühsamer, wenn leitende Beamte nicht mehr direkt befragt werden können, sondern eine „Presseanfrage“ an die Landeskommunikationsabteilung schriftlich gerichtet werden muss. Das ist zeitraubend für die Journalisten – und zeitschindend für die Verwaltung oder die Politik.
So kann von der Landespressestelle schon mal darauf hingewiesen werden, „sollten sich Entwicklungen ergeben, die für die breite Öffentlichkeit relevant sind, erfolgt die Information wie gewohnt transparent und gesammelt über eine Medieninformation“. Guter Journalismus wartet aber nicht auf Landespresseinformationen, sondern ist investigativ tätig und erfragt Angelegenheiten und Zusammenhänge, bevor sie „gesteuert“ oder gar nicht preisgegeben werden.
Zum Zweiten wird Nachfragen schwierig, wenn mal was nicht klar ist – oder versucht wurde, eine klare Antwort zu „umschiffen“. Also wieder schriftlich – per Mail – nachfragen und nochmals erläutern lassen und wieder warten.
Zum Dritten heißt das wohl auch etwas zum Vertrauen in die leitenden Mitarbeiter. Als könnten sie etwas „vermasseln“, dann lieber über die Clearingstelle der Kommunikationsabteilung „laufen“ lassen. Könnte von mangelndem Vertrauen in Fachwissen oder deren Vermittlung zeugen. Im schlimmsten Fall eine Frage der Loyalität.
Message Control ist keine bürgernahe und bürgerfreundliche Politik, gehört aber in jedem illiberalen Land zum Tagesgeschäft. So weit sind wir im Ländle ja nicht, politisch nicht und auch von journalistischer Seite kann man nicht von Boulevardmedien sprechen.
“Message Control ist keine bürgernahe und bürgerfreundliche Politik, gehört aber in jedem illiberalen Land zum Tagesgeschäft.”
Kurt Bereuter