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Würziges Glück im Samandar Restaurant

10.04.2026 • 18:00 Uhr
Würziges Glück im Samandar Restaurant
Samandar begrüßt die Gäste täglich mit würzigem Duft und warmem Essen. Hartinger

Von Afghanistan nach Feldkirch: Wie Samandar Khan mit 350 Jahre alten Familienrezepten und Mut zum Erfolg kochte

Der verführerische Duft von unzähligen Gewürzen liegt in der Luft und versetzt die Gäste sofort in eine andere Welt. Eine warme, einladende Atmosphäre begrüßt die Besucher im Restaurant „Samandar“ in Feldkich. In der Küche herrscht ein geschäftiges, aber oft harmonisches Treiben: Das gut gelaunte Team bereitet mit Hingabe jene Gerichte zu, für die Gäste teilweise weite Wege auf sich nehmen.

Passionierte Handarbeit

Mittendrin steht der Inhaber Bellezza Samandar Khan. Mit einem herzlichen Lächeln zeigt er seine tiefe Leidenschaft für das Kulinarische. Seine Liebe zum Kochen entdeckte er nicht durch eine Ausbildung, sondern durch seine Experimentierfreudikeit. „Ich bin ein Hobbykoch“, gesteht er . „Fast drei Jahre lang habe ich nur damit verbracht, Gewürze zu testen, bevor ich den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt habe.“

Würziges Glück im Samandar Restaurant
Jahrelang hat sich Samandar mit den Rezepten beschäftigt und sie perfektioniert. Hartinger

Mutiger Wendepunkt

Ursprünglich aus Afghanistan stammend, zog es ihn vor fast 25 Jahren nach Vorarlberg. Der heute 50-Jährige begann seine Laufbahn in der lokalen Gastronomie. Er half in den Küchen verschiedener Hotels und Restaurants aus, während er privat seine kulinarischen Fertigkeiten stetig weiterentwickelte. „Damals habe ich zunächst nur als Küchenhilfe gearbeitet, da ich die deutsche Sprache noch nicht sicher genug beherrschte“, erinnert sich Samandar an seine Anfänge.

Der Wendepunkt kam im Jahr 2007, als er beschloss, sein Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und ein eigenes Restaurant zu eröffnen. „Zuvor war ich in Feldkirch tätig und hatte dort bereits viele Stammkunden gewonnen. Diese Gäste haben mich damals inständig gebeten, mich doch selbstständig zu machen“, erzählt der Koch. Die Unterstützung war überwältigend: „Die Kunden sagten mir damals zu, dass sie alle in mein eigenes Lokal kommen würden, falls ich eines eröffne. Und genau das ist dann auch passiert“.

Würziges Glück im Samandar Restaurant
Das Essen ist nicht nur optisch attraktiv, sondern überzeugt auch geschmacklich. Hartinger

Treue Stammgäste

Heute lebt das Restaurant größtenteils von dieser Stammkundschaft, wobei die Hälfte der Gäste aus der Schweiz anreist . Auf Werbung verzichtet Samandar fast gänzlich . „Unser Lokal floriert durch Mundpropaganda“, erklärt er.

Der Betrieb ist wie ein enges Familienunternehmen organisiert. „Wir sind zu fünft. Ich stehe als Koch in der Küche und die anderen unterstützen mich tatkräftig“, schildert Samandar die Struktur. Obwohl zwei der Mitarbeiter nicht direkt mit dem Koch verwandt sind, sind sie doch ein Teil der Familie: „Zwei Mitarbeiterinnen sind schon über zehn Jahre dabei und wie eine kleine Familie für mich.“

Gewürze und Frische

Was das „Samandar“ einzigartig macht, ist die Individualität der Speisen. Besonders hervorzuheben ist die Flexibilität bei vegetarischen oder veganen Wünschen. „Manche Gerichte sind auf der Karte vielleicht nicht explizit als vegan oder vegetarisch gekennzeichnet. Aber wenn Gäste uns darauf ansprechen, setzen wir alles daran, das Gericht entsprechend anzupassen“, betont er.

Würziges Glück im Samandar Restaurant
Es werden auch vegane und vegetarische Optionen angeboten. Hartinger

Das Herzstück seiner Küche sind jedoch die Gewürze. „Meine Großmutter und meine Mutter kannten über 1000 verschiedene Gewürze“, berichtet er stolz. „Da dachte ich mir: Warum kreiere ich nicht meine ganz persönlichen Gewürzmischungen?“

Für ihn steht die Gesundheit an erster Stelle. Er ist überzeugt, dass eine bewusste Ernährung das Wohlbefinden massiv beeinflusst. Während die meisten Gewürze direkt aus Pakistan oder Deutschland bezogen werden, legt er bei den restlichen Lebensmitteln großen Wert auf Regionalität. „Alle Gerichte basieren auf eigenen Rezepten und Mischungen, die man so nirgendwo anders findet.“

Ein überzeugung im Hause Samandar ist die absolute Frische. „Bei uns gibt es keine vorgekochten Speisen oder fertige Saucen. Alles wird nach der Bestellung frisch zubereitet“, erklärt er. Dahinter steckt eine tiefe Überzeugung: „Wenn das Essen abkühlt, verlieren die Gewürze ihre Kraft – sie sind dann quasi ‚tot‘. Die Gewürze entfalten ihre positive Wirkung auf den Körper nur dann richtig, wenn sie warm und frisch serviert werden“. Besonders stolz ist der 50-Jährige auf sein Brot. „Das Rezept dafür ist ein über 350 Jahre altes Familiengeheimnis“, ergänzt er.

Würziges Glück im Samandar Restaurant
Die Gewürze wurden für die Rezepte mit sehr viel Bedacht ausgewählt. Hartinger

Doch trotz des Erfolges verschließt Samandar nicht die Augen vor den aktuellen Herausforderungen der Gastronomie. „Die massiv steigenden Kosten sind ein Thema, das uns sehr beschäftigt“, gibt er zu. „Ob Personal oder hochwertige Zutaten – alles ist deutlich teurer geworden.“

Radikale Ehrlichkeit

ersönlich wird es beim Thema Alkohol. Früher verfügte das Restaurant über eine beachtliche Auswahl an Weinen, doch er schaffte den Alkohol komplett ab. „Ich hatte selbst jahrelang große Probleme mit dem Alkohol“, gesteht er mutig. „Irgendwann wusste ich, dass ich etwas ändern muss. Den Verkauf im eigenen Haus zu stoppen, war für mich eine Art Therapie, um auch selbst endgültig mit dem Trinken aufzuhören“.

Diese Entscheidung hatte ihren Preis: „Der finanzielle Gewinn durch den Wein ist weg. Aber ich wollte konsequent bleiben – für meine eigene Gesundheit und für meine Gäste.“

Würziges Glück im Samandar Restaurant
Regionalität ist ihnen wichtig, daher stammen die Produkte aus der Umgebung. Hartinger

Optimistische Zukunft

Für die Zukunft hat Bellezza Samandar Khan klare Visionen. „Ich möchte den Betrieb natürlich weiterführen und hoffe, jemanden zu finden, den ich in meine Geheimnisse einweihen kann und der das Kochen eines Tages übernimmt“. Obwohl es derzeit schwierig ist, qualifiziertes Personal für diese spezielle Art der Küche zu finden, bleibt er optimistisch. „Noch bin ich ja da“, sagt er abschließend.