Ein Stück Exotik mit Bann Thai in Götzis

Keine Anpassung an den heimischen Gaumen: Wie Daniel Spiegel in Götzis Speißen aus der Thai-Küche serviert.
Wo in der Vergangenheit das weithin bekannte „Dorfcafé“ in Götzis seinen festen Platz hatte, befindet sich heute ein exotisches Thai-Restaurant. Dieser besondere Ort zieht mittlerweile nicht nur Stammgäste, sondern vor allem experimentierfreudige und kulinarisch neugierige Menschen aus der ganzen Region an. Durch eine sorgfältige Auswahl an landestypischen thailändischen Gerichten und ein kompromissloses Bekenntnis zur Authentizität bringt das Lokal ein echtes Stück Thailand nach Vorarlberg und das mitten ins Herz von Götzis.
Werdegang als Koch
Maßgeblich verantwortlich für die Abläufe ist Daniel Spiegel. Der 43-jährige ist ein gelernter Koch, dessen Leidenschaft für die Gastronomie bereits in jungen Jahren entfacht wurde. Im Alter von 15 Jahren begann er seine Ausbildung. „Nachdem ich die HAK abgebrochen hatte, hat mir mein Vater damals ein fettes AMS-Buch gebracht und gemeint, ich solle mir daraus eine Ausbildungsstelle aussuchen“, erinnert sich der 43-Jährige heute mit einem Schmunzeln. „Da habe ich mich dann für den Koch entschieden, da ich schon immer meiner Mutter in der Küche ausgeholfen habe und mir naiverweise dachte, es sei einfach. Das war es dann aber definitiv nicht“, erzählt er lachend über seine Anfänge.

Seine Lehre absolvierte Spiegel in der renommierten „Traube Bildstein“. Um seinen kulinarischen Horizont zu erweitern, zog es ihn später nach Wien, wo er in verschiedenen Betrieben wertvolle Erfahrungen sammelte. Seine Kenntnisse sind heute außergewöhnlich breit gefächert: Er beherrscht nicht nur die klassische österreichische und französische Küche, sondern eignete sich auch Techniken der internationalen Haubenküche an und sammelte weitreichende Erfahrung mit arabischen und vegetarischen Speisen. Die thailändische Küche sieht er als konsequenten nächsten Schritt in seiner Karriere: „Ich empfinde es als eine riesen Bereicherung, dass ich nun auch noch Rezepte aus der thailändischen Küche kochen kann.“
Fokus auf Authentizität
Daniel Spiegel übernimmt mehr als nur die Küche: Vor vier Jahren wechselte er vom „Schnitzelbär“ ins „Bann Thai“, um dort die Leitung zu übernehmen. Er folgte auf den Gründer und dessen thailändische Frau, die das Restaurant zuvor gemeinsam aufgebaut und sich dann aus dem Betrieb zurückgezogen hatten. Seine heutige Aufgabe besteht darin, das organisatorische Grundgerüst zu leiten und sicherzustellen, dass sämtliche Prozesse den österreichischen Standards entsprechen.

Gleichzeitig gilt das oberste Gebot: Die Authentizität darf nicht leiden. „Wir passen die thailändische Küche geschmacklich nicht dem österreichischen Gaumen an, das ist uns wichtig“, stellt er klar. Sämtliche essenzielle Gewürze, spezielle Kräuter und Soßen werden direkt aus Thailand importiert. Bei den frischen Zutaten wie Fleisch und Gemüse setzt man hingegen bewusst auf regionale und qualitative Produkte. Gleichzeitig sorgt er dafür, dass die Speisekarte den Bedürfnissen moderner Gäste entspricht: Das Restaurant bietet eine Vielzahl an vegetarischen sowie veganen Optionen an. Spiegel betont dabei seine Flexibilität, denn er kann nahezu jedes Gericht vegetarisch oder vegan zubereiten. Spezifisches thailändisches Obst und Gemüse ist durch den Import oft zu teuer. So ist etwa die Papaya für den traditionellen Papaya-Salat sehr kostspielig. „Wir bieten es nicht an, weil wir es sonst zu teuer verkaufen müssten, und das wollen wir nicht“, erklärt Spiegel.

Einheitliche Familienrezepte
Die Gerichte, die das Restaurant anbietet, stammen allesamt aus der Familie der Inhaberin. Das Küchenpersonal kommt zwar aus Thailand, jedoch aus völlig unterschiedlichen Regionen. „Dadurch, dass in Thailand die Rezepte eigentlich nur mündlich weitergegeben werden, mussten wir sie so anpassen, dass sie in präzisen Mengen zubereitet werden“, sagt der 43-Jährige. „Da wir Köche aus verschiedenen Gebieten Thailands haben, könnte das gleiche Gericht andernfalls unterschiedlich zubereitet werden. Dementsprechend haben wir die Rezepte nun für alle einheitlich standardisiert“, ergänzt er abschließend.

Aktuelle Herausforderungen
Neben den kostenintensiven Produkten, die man aus Thailand und dem asiatischen Raum bezieht, sieht Spiegel noch weitere große Herausforderungen im Betrieb. Die Inflation ist ein allgegenwärtiges Thema, ebenso wie die stetig steigenden Stromkosten. Auch die aktuelle weltpolitische und klimatische Lage betrachtet er kritisch: „Die Weltsituation macht es nicht einfach für ein exotisches Restaurant wie unseres, besonders wenn man Produkte beschaffen muss, die man hier nur schwer findet.“ Als Beispiel nennt er die jüngsten Überschwemmungen. Dadurch war es sehr schwierig bis unmöglich, bestimmte Produkte geliefert zu bekommen.
Ein weiteres zentrales Thema für den 43-Jährigen ist das Personal. „Es ist schwierig, Personal zu finden, das einheimisch, also thailändisch, ist“, erklärt Spiegel. „Sie sind perfekt für diese Küche geeignet, aber die Suche gestaltet sich als großes Problem.“
Qualität vor Expansion
Trotz der zahlreichen Herausforderungen überwiegt bei Daniel Spiegel die Motivation bei Weitem. „Es ist einer der Küchenbetriebe, aus denen ich ursprünglich gekommen bin“, erklärt er voller Begeisterung. „Es motiviert mich unglaublich, die ganzen neuen Rezepte auszuprobieren und mit dem Team gemeinsam zu arbeiten und zu kochen.“
Für ihn ist die zukünftige Richtung ganz klar definiert: „Das Ziel ist nicht, Weltmeister zu werden, sondern einfach so solide weiterzumachen wie bisher und sich dabei stetig weiter zu verbessern.“