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Gemeinschaftliches Schwitzen – und das gratis aber nicht umsonst

28.06.2026 • 15:00 Uhr
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In einer Zeit, in der man für alles eine Rechnung bekommt, finde ich es immer wieder erstaunlich, dass es Dinge gibt, die tatsächlich noch gratis passieren. Nicht kostenlos. Gratis. Das ist nämlich nicht ganz dasselbe. Kostenlos bedeutet meistens, dass irgendwo ein Kratzer, eine abgebrochene Kante, ein nicht eingehaltener Abgabetermin oder ein Zehnjahresabo ohne Kündigungsrecht versteckt ist. Gratis hingegen ist der gute Probierkäse im Supermarkt – oder wenn Menschen ihre Zeit, ihre Energie und manchmal auch ihren letzten freien Samstag verschenken, einfach weil sie Freude daran haben. Seit einigen Monaten verbringe ich wieder sehr viel Zeit mit Theatermenschen. Wobei „Theatermenschen“ eigentlich die falsche Bezeichnung ist. Es sind eher Kulturverrückte, Möglichmacher und Improvisationsakrobaten in Personalunion. Da wird plötzlich in sämtlichen Kellern, Dachböden und Abstellkammern des Landes nach Requisiten gefahndet. Irgendjemand kennt immer irgendjemanden, der noch einen alten Herd von 1946 herumstehen hat. Und bevor man den Satz fertig ausgesprochen hat, sitzt bereits jemand im Auto Richtung hinterster Bregenzerwald, um das gute Stück abzuholen. Da gibt es Leute, die innerhalb von zehn Minuten einen Petroleumkocher, einen Milchkübel, zwei Lebensmittelkarten aus den Vierzigerjahren und einen nahezu historischen Kartoffelstampfer aus dem Hut zaubern. Dazu wird geschminkt, genäht, gebaut, geschleppt, geprobt und organisiert. Bei Regen. Bei Wind. Und derzeit vor allem bei Temperaturen, bei denen man normalerweise bewegungslos unter einem Sonnenschirm liegen sollte. Stattdessen schwitzen diese Menschen gemeinschaftlich vor sich hin und das alles, man glaubt es kaum, ohne dafür bezahlt zu werden. Je länger ich darüber nachdenke, desto verrückter erscheint mir das eigentlich. Da investieren Menschen hunderte Stunden ihrer Freizeit, fahren kreuz und quer durchs Land, schleppen Möbel, lernen Texte, backen Kuchen, verkaufen Getränke oder nähen Knöpfe an Kostüme, damit andere Menschen am Ende einen schönen Abend verbringen können. Rein wirtschaftlich betrachtet ist das völlig irrational. Rein menschlich betrachtet vielleicht das Vernünftigste überhaupt. Denn während gefühlt überall darüber diskutiert wird, was Menschen trennt, erlebe ich im Theater ständig das Gegenteil. Da entsteht eine Art Gemeinschaftswunder. Einer bringt eine Idee, die Nächste einen Hammer, der Dritte einen Anhänger und irgendjemand hat zufällig noch einen Herd aus der Nachkriegszeit im Schopf stehen. Und plötzlich wird aus vielen Einzelnen etwas Gemeinsames. Vielleicht sind Vereine deshalb so wichtig. Weil sie uns daran erinnern, dass nicht alles einen Preis haben muss, um wertvoll zu sein. Manches entsteht ganz einfach aus Begeisterung, Zusammenhalt, einer ordentlichen Portion Verrücktheit – und dem wohlverdienten Feierabendbier danach.