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Messe-Start im Zeichen des Baby-Elefanten

09.09.2020 • 20:47 Uhr / 7 Minuten Lesezeit
Auch der Baby-Elefant ist vor Ort.                                                                                                               Hartinger (3)
Auch der Baby-Elefant ist vor Ort. Hartinger (3)

Lange Zeit unklar, ob Herbstmesse stattfinden kann. Nun hat sie Tore geöffnet.

Eines ist klar. Das Messejahr 2020 wird in die Geschichte eingehen. Das merkt man schon bei der Anfahrt. Keine Spur von Stau beim Kreisverkehr vor dem Messepark, keine langen Schlangen beim Haupteingang, kein Menschengedränge vor und in den Hallen und überall wo man hinschaut, wird Maske getragen. Selbst im Freien vor den Ausstellungsständen.

Verhaltener Beginn am ersten Messetag
Verhaltener Beginn am ersten Messetag


Die 72. Dornbirner Messe ist eine ganz besondere Messe unter speziellen Vorzeichen. Das sieht auch Bürgermeisterin Andrea Kaufmann so: „Ich muss gestehen, vor ein paar Wochen hatte ich noch ein sehr unsicheres Gefühl. Ich wusste nicht, ob wir uns trauen sollen, die Messe durchzuführen. Mittlerweile ist mein Gefühl weitaus besser geworden.“ Ein gründliches und umfassendes Sicherheits- und Hygienekonzept trägt viel zu dieser Gefühlsverbesserung bei. „Es ist ein unglaublich wichtiges Signal in Zeiten wie diesen, trotz aller Umstände eine derartige Veranstaltung abzuhalten. Natürlich ist und bleibt es auch ein Balance-Akt. Aber ich glaube, es ist ein kräftiges Zeichen für die Wirtschaft und natürlich auch für die Bevölkerung“, so Kaufmann. Die schwächelnde Wirtschaft soll durch diese Messe ein wenig angekurbelt werden. Das ist eine der Hauptmotivationen für alle, die es ermöglicht haben, dass diese Veranstaltung überhaupt stattfinden kann.

„Ich muss gestehen, vor ein paar Wochen hatte ich noch ein sehr unsicheres Gefühl.“

Andrea Kaufmann
Bürgermeisterin, Dornbirn

Gemischte Gefühle.


Auch Landeshauptmann Markus Wallners Gefühlslage ist durchaus zwiespältig: „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, die Messe durchzuführen. Wir haben auch sehr darum gekämpft. Wir haben ein ordentliches Schutzkonzept erarbeitet. Bei all der Freude gilt es aber auch, achtsam zu bleiben. Also die Freude überwiegt. Aber alles in allem sind die Gefühle gemischt.“ Denn normalerweise sei die Messeeröffnung ein Auftakt der besonderen Art. Da wollen alle dabei sein. Das ist heuer definitiv anders. „Man merkt schon, dass es verhaltener ist. Es ist ruhiger. Es ist einfach geprägt von der Covid-Situation. Das spürt man.“ Aber man habe eben nur diese beiden Optionen gehabt: Absagen oder Durchführen. Und da hat man sich für die zweite Option entschieden: „Ich hoffe, dass alles gut geht. Wir haben höhere Sicherheitsauflagen als rechtlich vorgeschrieben wären. Und die Eigenverantwortung ist nach wie vor gefragt. Vor allem beim Abstandhalten. Also die Vorbereitungen sind in Ordnung.“


Das Contact-Tracing ist ein wesentlicher Baustein für das umfassende Sicherheitskonzept. Das elektronische Trackingsys­tem beim Eintritt wurde kurzfristig erst angeschafft. Ob sich die Messe wirtschaftlich unterm Strich rentieren werde, könne man derzeit noch nicht sagen. Aber Markus Wallner betont einen anderen, für ihn wichtigen Aspekt: „Es geht auch darum, dass wir der Bevölkerung ein Zeichen der Hoffnung geben. Gerade jetzt vor dem Herbst wollen wir zeigen, dass wir uns von dem Virus nicht in die Knie zwingen lassen. Die Vorarlberger hängen sehr an der Messe. Das ist einfach auch ein sehr emotionales Thema.“
Höchste Vorsicht und Verantwortung seien natürlich im Vordergrund. Aber man müsse sich daran gewöhnen. Man könne nicht nur auf die „Stopptaste“ drücken. Das wäre jetzt vor dem Winter fatal. Zudem gebe es auch noch die Corona-Ampel: „Für die Messe würde sich selbst bei einem Wechsel auf Gelb nichts Gravierendes ändern. Weil wir alle Auflagen für Gelb jetzt schon erfüllen. Nur bei Orange und Rot müssten wir sofort alles zumachen.“

„Man merkt schon, dass es verhaltener ist. Es ist einfach geprägt von der Covid-Situation.“

Markus Wallner
Landeshauptmann

Die Herbstmesse ist die erste große österreichische Publikumsmesse nach dem Lockdown. Eröffnet wurde sie ohne großen Festakt im ganz kleinen Rahmen. „Die Sicherheit aller Beteiligten ist unser obers­tes Ziel. Das alles im Vorfeld zu organisieren war eine Herkules-Aufgabe und wird mir auf jeden Fall in Erinnerung bleiben“, so Messe-Geschäftsführerin Sabine Tichy-Treimel. In den vergangenen Jahren zählte die Veranstaltung je rund 70.000 Besucher. „Rund 70 Prozent der Aussteller sind trotz der widrigen Umstände auch dieses Jahr dabei. Das freut mich sehr. Sowohl in Österreich als auch im internationalen Bodenseeumfeld schauen die Veranstalter sehr genau auf uns“, betont Tichy-Treimel. Dass es ein Spagat ist und bleibt, dessen ist sich die Messe-Chefin bewusst. Aber: „Das Leben wird weitergehen. Und wir wollen dazu beitragen, eine gewisse Normalität zu etablieren. Wir müssen diese Sicherheitsmaßnahmen in Kauf nehmen. Anders geht es derzeit nicht“, ergänzt Tichy-Treimel. „Ich bin ja auch in meiner Funktion als Präsidentin des österreichischen Messeverbandes aktiv. Und die Signalwirkung für die Wirtschaft und für andere große Messen ist enorm. Wir haben bewiesen, dass es geht. “

„Sowohl in Österreich als auch im internationalen Bodenseeumfeld schauen die Veranstalter sehr genau auf uns.“

Sabine Tichy-Treimel,
Messe-Geschäftsführerin

Die Bedeutung der Messe für die Region und für den Wirtschaftsstandort Vorarlberg könne man nicht oft genug betonen. „Für uns als Messestadt ist die Herbstmesse immer etwas Besonderes. Sie ist die größte Messe mit der stärks­ten Publikumswirksamkeit. Man wird sehen, wie sie in diesem Jahr vom Publikum angenommen wird“, ergänzt Bürgermeisterin Kaufmann. Vor allem im Freigelände und bei schönem Wetter könne man die Maske auch getrost runternehmen. Natürlich auch in den Gastronomiebereichen. Nur in den Hallen und bei den Ständen herrscht Maskenpflicht.

Signalwirkung.

„Es ist natürlich eine schwierige Situation. Und es sollte sich auch für die Aussteller rentieren. Aber das wiederum wird dann auch von den Besucherzahlen abhängen.“ Generell ist Kaufmann davon überzeugt, dass die Durchführung besser ist als eine Absage: „Auch wenn es von den Besucherzahlen und Umsätzen nicht so wie in den letzten Jahren werden wird. Die Signalwirkung steht schlussendlich im Vordergrund.“

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