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Klage: Spital soll für Drogentod haften

02.02.2021 • 19:50 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Vater des verstorbenen Patienten fordert in einem Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch 20.000 Euro Trauerschmerzensgeld. <span class="copyright">Symbolbild/Klaus Hartinger</span>
Der Vater des verstorbenen Patienten fordert in einem Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch 20.000 Euro Trauerschmerzensgeld. Symbolbild/Klaus Hartinger

Am Tag nach seiner Entlassung starb 24-Jähriger an einer Überdosis.

Der 24-Jährige starb am 14. Juni 2018 an einer Überdosis Rauschgift. Für den Drogentod macht sein Vater die behandelnden Ärzte eines Landeskrankenhauses mitverantwortlich.
Der anwaltlich von Daniel Wolff vertretene Kläger wirft ihnen Behandlungsfehler und Aufklärungsfehler vor. Demnach hätte sein drogenkranker Sohn als Patient wegen Selbstgefährdung am 13. Juni 2018 nicht aus dem Spital entlassen werden dürfen.
Am Tag nach seiner Entlassung aus dem Krankenhaus starb der 24-Jährige. Sein Vater fordert nun in einem anhängigen Zivilprozess am Landesgericht Feldkirch von der Vorarlberger Krankenhausbetriebsgesellschaft, die die Landeskrankenhäuser verwaltet, als Trauerschmerzengeld 20.000 Euro.

Tod nach Entlassung

Der junge Mann wurde am 12. Juni 2018 mit einer Drogenvergiftung im Krankenhaus aufgenommen und auf der Intensivstation überwacht. Am 13. Juni wurde der Patient auf eigenen Wunsch um 5 Uhr aus dem Spital entlassen. Um 11 Uhr habe seine Schwester ihn mit einem Herzkreislauf-Stillstand in seinem Bett gefunden, heißt es in der Klage.
Daraufhin wurde der 24-Jährige von der Rettung zurück ins Landeskrankenhaus gebracht. Bei seiner Einlieferung sei der Patient bereits klinisch tot gewesen, sagte als Prozesszeugin die behandelnde Ärztin. Endgültig für tot erklärt wurde er am nächsten Tag.
Der drogenkranke und an psychischen Störungen leidende Patient hätte am Vortag zum Schutz vor sich selbst daran gehindert werden müssen, das Krankenhaus zu verlassen, meint Klagsvertreter Wolff. Nötigenfalls hätten die zuständigen Spitalsärzte einen Zwangsaufenthalt veranlassen müssen.

Freiheitsrechte des Patienten

Beklagtenvertreter Michael Brandauer beantragt hingegen eine Abweisung der Klage. Weil den Spitalsärzten weder ein Behandlungs- noch ein Aufklärungsfehler unterlaufen sei.
Die Freiheitsrechte des Patienten, der das Krankenhaus verlassen wollen habe, hätten respektiert werden müssen.
Der verbesserte gesundheitliche Zustand des Patienten, dessen Drogenvergiftung wirksam behandelt worden sei, habe die Entlassung möglich gemacht. Der Drogensuizid des Patienten sei tragisch, aber nicht dem Krankenhaus anzulasten.
Zivilrichterin Yvonne Summer hat in der jüngsten Gerichtsverhandlung beschlossen, nun psychiatrische Gutachten zum Zustand des Patienten und des Klägers erstellen zu lassen. Der 24-Jährige hätte am 15. Juni 2018 eine stationäre Drogentherapie antreten sollen.