Lokal

„Es ist Zeit, loszulassen“: Diese Lokalbetreiberin hört auf

11.11.2023 • 22:57 Uhr
Am Yppenplatz treffen diverse Menschen und Kulturen aufeinander. Besonders im Sommer ist es hier sehr belebt. <span class="copyright">Schwärzler</span>
Am Yppenplatz treffen diverse Menschen und Kulturen aufeinander. Besonders im Sommer ist es hier sehr belebt. Schwärzler

Müssen sich Vorarlberger in Wien ein neues Lokal für Kässpätzle suchen? Nach fast sieben Jahren sucht eine Feldkircherin in Wien nach einer Nachfolge.

Kässpätzleliebhaber in Wien aufgepasst: es gibt keine guten Nachrichten aus Wien.

Beinahe Sieben Jahre lang hat die nun 34-Jährige am Yppenplatz Frastanzer Bier gezapft und die Gäste mit österreichisch-europäischer Küche verwöhnt.<span class="copyright"> Schwärzler</span>
Beinahe Sieben Jahre lang hat die nun 34-Jährige am Yppenplatz Frastanzer Bier gezapft und die Gäste mit österreichisch-europäischer Küche verwöhnt. Schwärzler

Im Restaurant Völlerei am Yppenplatz in Ottakring steht eine große Veränderung an. „Ich bin offiziell auf der Suche nach einem Nachfolger“, erzählt die Betreiberin Diana Fritz der NEUE am Sonntag. Seit drei Wochen etwa hat die ursprüngliche Feldkircherin dies online auf diversen Plattformen inseriert.


Die Entscheidung für diesen Schritt war für die Gastronomin ein „langer und nicht einfacher“ Prozess, bei dem sie sich viele Gedanken gemacht hat. Wann genau die Entscheidung fiel, kann sie nicht an einem konkreten Zeitpunkt festmachen. Am 30. Juni war für sie die Entscheidung aber dann endgültig, denn an diesem Tag machte sie es auf der Facebookseite des Restaurants offiziell: „Nach bald sieben Jahren ist es so weit: Ein neues Abenteuer wartet auf mich“, schrieb die Wahlwienerin darin.

Diana Fritz vergangenen Sommer beim Besuch der NEUE in ihrem Lokal, als sie die Entscheidung noch nicht getroffen hatte. Im Sommer ist der Platz besonders belebt. <span class="copyright">Schwärzler</span>
Diana Fritz vergangenen Sommer beim Besuch der NEUE in ihrem Lokal, als sie die Entscheidung noch nicht getroffen hatte. Im Sommer ist der Platz besonders belebt. Schwärzler


Genauer gesagt heißt es für die 34-Jährige bald: next Stop Venedig. Sie möchte dort für ein Jahr die italienische Sprache lernen. Die Stadt selbst findet sie spannend, weil sie sich auf dem Wasser befindet. Schon als Kind verbrachte sie mit ihrer Familie viele Urlaube in Italien. Vor wenigen Wochen hat Fritz schon begonnen, in Büchern zu büffeln und sich mit den sprachlichen Basics auf die Zeit im Ausland vorzubereiten. Das Facebookposting sorgte für Rückmeldungen. „Es sind viele, die es schade finden und mir alles Gute wünschen und Verständnis zeigen und unterstützend sind“, erzählt Diana Fritz.

Zeit für das nächste Kapitel

Doch für die Gäste der Völlerei soll es auch kein Ende bedeuten: Ziel ist, dass sie auch weiterhin im Lokal im 16. Wiener Gemeindebezirk einen gemütlichen Abend mit gutbürgerlichen Speisen auf dem Teller verbringen können. Diese werden dann nur nicht mehr von der Vorarlbergerin serviert werden. Dem Tag der Schlüsselabgabe blickt Fritz „mit einem lachenden und einem weinenden Auge entgegen“. „Es ist eine schöne Zeit gewesen, aber ich freue mich auf etwas Neues“, erläutert sie. Besonders gern denke sie an „spaßige Feiern“, „schöne Begegnungen“ und auch „simple Abende, an denen man verhockt ist und tolle Menschen kennengelernt hat“. „Ich bin schon sehr emotional, doch es ist Zeit loszulassen“, fährt sie mit belegter Stimme fort.

Fritz ist überzeugt, dass in Zukunft jemand anderes Käsknöpfle in Wien anbieten wird. <span class="copyright">Völlerei/Fritz</span>
Fritz ist überzeugt, dass in Zukunft jemand anderes Käsknöpfle in Wien anbieten wird. Völlerei/Fritz

Ein neues Land bedeutet für sie wieder mal ein Entkommen aus ihrer eignen Bubble, der Komfortzone und Sicherheit. Das ist nichts Neues für sie. Bevor sie die Völlerei eröffnete, arbeitete sie unter anderem in London. In den fast sieben Jahren am belebten Yppenplatz hat sich ihr Alltag abseits von einzelnen Hürden wie der Pandemie und dem Fachkräftemangel zunehmend zu einer Routine entwickelt. Es soll jedoch nicht das Letzte sein, das Fritz tun will: „Ich bin noch jung. Ich habe noch mehr Ideen.“

Neuanfang Neujahr

Ihr Wunsch wäre es, im Frühjahr nach Italien zu ziehen. Der genaue Zeitpunkt hängt davon ab, wie schnell eine Nachfolge gefunden wird. Einzelne Interessenten gab es schon, es hat sich bisher jedoch noch nichts ergeben. Am liebsten würde Fritz mit Silvester den Schlüssel zum Res­taurant abgeben. So würde Neujahr auch einen Neubeginn bedeuten. Doch wenn bis dahin kein passender neuer Betreiber gefunden wird, ist es für sie auch eine Option, bis zur Übergabe das Lokal weiterzuführen. Ideal wäre es für Fritz und deren Vermieterin nämlich, wenn sie an einem Abend zusperrt und der neue Gastronom am nächsten Tag die Tür wieder aufsperrt. „Mir würde es wehtun, wenn das Lokal lange leer steht“, sagt sie.

Eines der Gerichte, mit denen die Betreiberin ihre Gäste in den vergangenen sieben Jahren verwöhnt hat. <span class="copyright">Völlerei</span>
Eines der Gerichte, mit denen die Betreiberin ihre Gäste in den vergangenen sieben Jahren verwöhnt hat. Völlerei

Was die Gäste in der Völlerei zukünftig erwarten wird, kann Fritz noch nicht sagen. „Das steht noch in den Sternen.“ Sie würde sich freuen, wenn das Lokal im ähnlichen Stil weitergeführt wird. „Es ist ein großer Wunsch von mir, dass das Konzept mit Namen und allem Drum und Dran so weiter geht“, sagt sie. Schließlich ist es ihr Herzensprojekt. „Das Schönste wäre, wenn es jemand mit dem selben Spirit und der gleichen Idee weiterführt, wie ich es getan habe.“ Dafür will sich die Gastronomin einsetzen, doch letztendlich liege es nicht in ihrer Hand. Sie und die Vermieterin hätten beide den Wunsch, dass ein modernes gutbürgerliches Beisel mit österreichisch-europäischer Küche weitergeführt wird und wo jeder willkommen ist, erzählt sie. Und falls es dort nicht weiterhin Kässpätzle geben würde, ist sie sich sicher: „Jemand wird schon weitermachen, vielleicht nicht in dem Lokal, aber es findet sich sicher wieder jemand in Wien, der Kässpätzle macht.“ Außerdem ist die Völlerei derzeit nicht der einzige Anlaufpunkt für die Liebhaber des Vorarlberger Gerichts in Wien.

Bis eine Nachfolge gefunden wird, wird Diana Fritz noch weiter ihre Gerichte auf die Tafel schreiben. Eine Karte aus Papier gibt es keine. <span class="copyright"> Schwärzler</span>
Bis eine Nachfolge gefunden wird, wird Diana Fritz noch weiter ihre Gerichte auf die Tafel schreiben. Eine Karte aus Papier gibt es keine. Schwärzler

So geht es weiter

Wie es für die 34-Jährige nach dem Jahr in Italien weitergehen wird, hat sie noch nicht entschieden. „Wenn ich das Restaurant abgegeben habe, habe ich mehr Zeit, mir Gedanken zu machen, was ich in Zukunft machen will“, sagt sie. Sie spricht davon, dass sie womöglich der Gastronomie nicht ganz den Rücken zukehren möchte. Schließlich ist sie schon seit fast 18 Jahren in der Branche tätig und hat eine Leidenschaft dafür. Ebenso spielt sie mit dem Gedanken, ihre Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen, in einem anderen Bereich einzusetzen. Vielleicht begrüßt Wien sie ja schon bald wieder.