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Wieder ein Viehbestand wegen TBC gekeult

22.04.2026 • 18:14 Uhr
Wieder ein Viehbestand wegen TBC gekeult
Ein weiterer Bestand musste vollständig gekeult werden. Hartinger (2), Land Vorarlberg/7PRO.TV

Wie die NEUE schon berichtete, wurden letzte Woche wieder zehn Rinder nach TBC-Verdacht und einem Schlachtbefund getötet. Jetzt wurde ein gesamter Bestand gekeult – der Stall ist leer.

Aus verlässlicher Quelle hatte die NEUE von neuen TBC-Verdachtsfällen, nach einem positiven Schlachtbefund, berichtet. Auf Anfrage bestätigte das Amt der Vorarlberger Landesregierung die zehn diagnostischen Tötungen. Mittlerweile wurde auch die Bestandskeulung der noch übrigen fünfzehn Tiere auf einem Hohenemser Hof bestätigt. Der zweite Betrieb in Hohenems, von dem auch schon vier Tiere diagnostisch getötet wurden, wird morgen „abgelesen“. Es wird also die Reaktion auf den Hauttest ausgewertet. Der Bauer muss bis dahin in Ungewissheit leben, wie es mit seinen Tieren weitergeht.

Anlässlich der Pressekonferenz zu den Veränderungen beim „legalen Abschuss von Wölfen“ hat die NEUE bei Landeshauptmann Markus Wallner und Landesrat Christian Gantner (beide ÖVP) nachgefragt.

Herr Wallner, wie beurteilen Sie die TBC-Situation nach der neuerlichen Bestandskeulung?
Markus Wallner: Eine angespannte Lage, wobei sie regional sehr unterschiedlich ist. Das Ressort ist sehr bemüht und es werden die richtigen Maßnahmen gesetzt, mit der Erhöhung der Abschusszahlen und diese müssen auch erfüllt werden. Das konsequente Erfüllen dieser Quoten führte in anderen Regionen zum Erfolg und sollte es auch diesmal in einem starken Miteinander von Eigentümer, Landwirtschaft und Jägerschaft tun.

In Hohenems haben wir jetzt zwei von TBC betroffene Höfe, deren Tiere nicht in Vorarlberg gealpt hatten.
Wallner: Stimmt, aber ich kann nicht sagen, wo sich die Tiere angesteckt haben, die TBC-Situation verändert sich immer wieder.

Was könnte denn der Gamechanger sein?
Wallner: Erhöhte Abschüsse müssen erfolgen und die sind nur mit gemeinsamer Anstrengung möglich, die müssen konsequent und zeitgerecht erfüllt werden.

Werden jetzt doch Reduzierungsgatter, wie vom Landesveterinär gefordert, angedacht?
Wallner: Das haben wir bisher versucht zu vermeiden, das wäre die Ultima Ratio, aber diesen heftigen Schritt haben wir bisher nicht gesetzt. „Reduzierungsgatter“ ist ein sehr nobler Begriff für eine relativ harte Vorgehensweise. Ich befürworte diesen Weg aus Tierwohlgründen nicht, es sollte bessere Wege geben: Schneller, früher, zeitgerechter, gezielter.

Herr Landesrat Gantner, ist die TBC nicht die größere Herausforderung als der Wolf?
Christian Gantner: Es sind beides für die Alpwirtschaft große Herausforderungen, wir kümmern uns um beide Herausforderungen mit großer Konsequenz. Bei TBC mit einer Erhöhung der Abschusszahlen, was alle honoriert haben.

Die Abschussverordnungszahlen wurden nicht erhöht, aber es werden zusätzlich Bescheide erlassen. Warum?
Gantner: Die Mindestabschusszahlen sind gleichgeblieben, die drastische Erhöhung ist durch Abschussaufträge per Bescheid erlassen worden, weil wir dort flexibler sind und gleich sanktioniert werden kann.

Warum gibt es jetzt noch so spät dieses Aufflammen von TBC-Fällen?
Gantner: Diese Tiere wurden außerhalb Vorarlbergs gealpt. Warum sie erst jetzt auftauchen, sind wir noch am Abklären. Diese Tiere wurden nämlich schon einmal untersucht.

Gibt es für Sie einen Gamechanger, um aus dieser Situation herauszukommen?
Gantner: Die TBC-Bekämpfung ist keine Raketenwissenschaft, sie funktioniert am konsequentesten, wenn ich die Kontakte reduziere, durch die Reduktion des Wildbestandes. Es kommt uns die unerfreuliche Entwicklung entgegen, dass auf manchen Alpen weniger Vieh sein wird. Keine erfreuliche Entwicklung, aber sie schafft für heuer positive Voraussetzungen. Rotwild reduzieren und Kontakte zwischen Wild und Vieh vermeiden, heißt unsere Strategie.

Wie stehen sie zu den Reduzierungsgattern?
Gantner: Das ist auch eine Möglichkeit, die bisher aber nur mit Zustimmung der Grundeigentümer möglich ist. Es gibt jetzt aber Alpen und Reviere, die das machen würden und das unterstützen wir inhaltlich und finanziell.

Ist nicht auch der Viehverkehr ein Problem?
Gantner: Den möchten wir nicht zurückdrehen, aber wir haben klare Regeln bei Ausstellungen eingeführt, und Testungen bei den Viehversteigerungen.

Kurt Bereuter