Nach Bombenanschlag: Italienischer TV-Star verliert Sendung

Italiens öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt RAI ersetzt den Starjournalisten Sigfrido Ranucci als Moderator des bekannten Investigativprogramms “Report”. Hintergrund sind unter anderem Ranuccis Beziehungen zu dem umstrittenen Geschäftsmann Valter Lavitola . Dieser hat laut Ermittlern im Oktober 2025 einen ominösen Anschlag auf Ranuccis Haus bei Rom organisiert. An Ranuccis Stelle sollen die Journalisten Giulia Presutti und Daniele Piervincenzi treten, beschloss die RAI.
Der 67-jährige Ranucci, der seit Jahren das vor allem für seine Enthüllungen bekannte Programm moderiert, werde innerhalb des Senders eine andere Aufgabe übernehmen, wurde am Freitag mitgeteilt. Nach Angaben der RAI wurden ihm drei mögliche Positionen angeboten, darunter bei RaiNews, beim Nachrichtensender Tg3 oder in einem Korrespondentenbüro.
Mafia anfangs für den Anschlag verdächtigt
Bei dem Anschlag auf Ranuccis Haus südlich von Rom wurden die Autos des Journalisten und seiner Tochter zerstört. Verletzt wurde niemand. Unter Verdacht geriet zunächst die Mafia. Später stellte sich aber heraus, dass Lavitola, ein enger Freund Ranuccis, den Anschlag in Auftrag gegeben hatte. Der 60 Jahre alte Lavitola war in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in Polit-Skandale verwickelt.
Lavitola soll den Anschlag inszeniert haben, um Ranuccis Popularität zu steigern und ihn anschließend in die Politik zu drängen, um dann selbst als Berater zu fungieren. Dies ging aus im Zuge der Ermittlungen öffentlich gewordenem Schriftverkehr von Lavitola hervor. Seit gut zwei Wochen befindet er sich in Untersuchungshaft. In einem ersten Verhör gestand er, den Anschlag in Auftrag gegeben zu haben.
Ranucci versicherte stets, dass er von Lavitolas Plänen nichts gewusst habe. Er sprach von einer beispiellosen Kampagne zur Rufschädigung und erklärte, er sei von Teilen der konservativen Presse politisch an den Pranger gestellt worden. Der Fall erregte in Italien großes Aufsehen.
Gegen die Entscheidung des Senders protestierte Ranuccis Anwalt Roberto De Vita. Die Rai bestrafe das Opfer eines Anschlags, das Magazin und die Unabhängigkeit der öffentlich-rechtlichen Berichterstattung, sagte er.