Neues Projekt auf Weg zu mehr Herkunftstransparenz in Gastro

28.09.2026 • 12:39 Uhr

Herkunftskennzeichnungen in der Gastronomie sind in Österreich schon lange politischer Zankapfel. Das gilt vor allem für die Standpunkte der thematisch involvierten Sozialpartner Wirtschaftskammer (Gastronomie) und Landwirtschaftskammer (Agrar). Sie kooperieren nun aber, um in den nächsten Jahren vor allem digitale Möglichkeiten und Systeme auszuloten, die den Gästen in der Gastro “einfach und unbürokratisch” mehr Informationen zur Herkunft tierischer Produkte bieten sollen.

Während viele Bauern mehr heimisches auf den Tellern in der Gastronomie sehen wollen, wehren sich relevante Teile der Bewirtung gegen neue Vorschriften. Laut gemeinsamer Aussendung vom Montag haben die Chefin der Wirtschaftskammer (WKÖ), Martha Schultz, und der Präsident der Landwirtschaftskammer (LKÖ), Josef Moosbrugger, “ein gemeinsames Bekenntnis für mehr Herkunftstransparenz am Teller” abgelegt. Schultz ist Chefin des ÖVP-Wirtschaftsbundes, Moosbrugger kommt vom ÖVP-Bauernbund.

SPÖ und Grüne für verpflichtende Kennzeichnung

Die Grünen glauben nicht an eine freiwillige Lösung und sprachen von einer “VP-internen ‘Wischi-Waschi-Einigung'”. “Freiwillig wird kein Wirt angeben, dass sein Billigschnitzel aus der Schweinefabrik in Spanien oder das Flüssig-Ei im Kaiserschmarren aus ukrainischer Käfighaltung kommt”, monierte Grünen-Agrarsprecherin Olga Voglauer. SPÖ-Bauernchef Michael Schwarzlmüller hingegen ortete immerhin Bewegung, forderte aber ebenso wie die Grüne eine verpflichtende Herkunftskennzeichnung. Lob für den Plan der ÖVP-geführten Kammern kam von ÖVP-Tourismusstaatssekretärin Elisabeth Zehetner.

Ziel: “Mehr Transparenz ohne Gastronomie zusätzlich zu belasten”

Ziel des gemeinsamen Projekts “ist mehr Transparenz und Wahlmöglichkeit für die Konsumentinnen und Konsumenten, ohne die Gastronomiebetriebe zusätzlich zu belasten”. Gleichzeitig solle ein Wirtepaket ausgearbeitet werden, das “spürbare Entlastungen für die Gastronomie” bringe.

Das neu gestartete Projekt basiert auf der seit fast zehn Jahren vorhandenen LKÖ-Initiative “Gut zu wissen”. Diese zielt vor allem auf Kennzeichnungspflicht in der Gemeinschaftsverpflegung. Jährlich würden hier bei knapp 95 Millionen Essensportionen an fast 1.300 Standorten Herkunft von Primärzutaten Milch, Fleisch und Eier ausgelobt.

Zuletzt sei “vielfach öffentlich diskutiert worden, was welche Seite braucht oder nicht kann”, sagt Moosbrugger. Nun gebe es dank verbesserter digitaler Möglichkeiten ein gemeinsames Bekenntnis, bei diesem Thema weiterzukommen. Schließlich sei es “für die Bauernschaft und Bevölkerung zentral”. Nach intensiven Debatten wolle man nun gemeinsam vorankommen.

“Basis für flächendeckende, einheitliche Kennzeichnung”

Begleitet wird das Streitthema von einer Gruppe aus Fachleuten, die gleichermaßen Wirte- und Landwirtschaftsvertreterinnen und -vertreter umfasse. “Ziel des Projekts ist es, am Ende des Tages eine Basis für eine flächendeckende, einheitliche Herkunftskennzeichnung in der Gastronomie zu schaffen. Umgekehrt wird es auch notwendig sein, für Wirtinnen und Wirte, die das umzusetzen haben, Erleichterungen an anderer Stelle zu erwirken”, so Moosbrugger.

Schultz: “Zusätzliche Belastungen darf es nicht geben”

Schultz verweist auf den “enormen Druck”, der auf den Gastronomiebetrieben laste. Selbst im Brotberuf Touristikerin verweist sie auf “Auflagen, Bürokratie, hohe Kosten” durch Steuern und Abgaben. “Zusätzliche Belastungen darf es nicht geben.” Da sich aber viele Gäste doch mehr Herkunftswissen haben wollen, “werden wir uns daher anschauen, wie mehr Herkunftstransparenz digital, praktikabel und ohne zusätzliche Bürokratie funktionieren kann”. Nun werde nach praxistauglichen Lösungen geschaut. “Auf dieser Grundlage können wir dann über die weitere Umsetzung entscheiden”, so die oberste Wirtschaftskämmererin.

Ein konkreter Zeitrahmen ging aus der gemeinsamen Aussendung von LKÖ und WKÖ nicht hervor.