Zwei Festnahmen nach Tod von Landarbeitern in Italien
Nach dem Tod von vier ausländischen Landarbeitern in der süditalienischen Region Kalabrien haben die Ermittler zwei pakistanische Staatsangehörige festgenommen. Die Männer stehen im Verdacht, an dem Tötungsdelikt beteiligt gewesen zu sein, teilte die Staatsanwaltschaft der Stadt Castrovillari am Dienstag mit. Den Ermittlungen zufolge wurden die vier Opfer in einem Kleinbus eingeschlossen und anschließend bei lebendigem Leib verbrannt. Ein Mann überlebte.
Videoaufnahmen einer Überwachungskamera an einer Tankstelle in der Ortschaft Amendolara in der Provinz Cosenza sollen den Ablauf der Tat dokumentieren. Auf den Bildern ist laut Polizei zu sehen, wie zwei Personen die Fahrzeugtüren von außen blockieren, während über die Heckklappe offenbar brennbare Flüssigkeit in das Fahrzeug gelangt. Kurz darauf ist eine Stichflamme zu erkennen. Die Täter flüchten anschließend vom Tatort.
Überwachungssystem ließ Tatverdächtige auffliegen
Die Verdächtigen wurden stundenlang auf der Polizeistation von Cosenza vernommen. Die Ermittler waren ihnen nach eigenen Angaben mithilfe der Aufnahmen des Tankstellen-Überwachungssystems auf die Spur gekommen.
Der Brand war an einer Tankstelle entlang der viel befahrenen Staatsstraße SS106 ausgebrochen. Feuerwehrkräfte gingen zunächst von einem Fahrzeugbrand aus. Erst nach dem Löschen des Feuers entdeckten sie die verkohlten Überreste von vier Menschen im Inneren des Kleinbusses.
Identitäten der Opfer nicht veröffentlicht
Zunächst hieß es, dass die Opfer pakistanische Landarbeiter gewesen seien, die in der Region beschäftigt gewesen waren. Ihre Identitäten wurden aber nicht veröffentlicht und auch andere Nationalitäten kamen in Frage.
Die Ermittlungen werden von der Staatsanwaltschaft Castrovillari und der Kriminalpolizei von Cosenza geführt. Nach bisherigen Erkenntnissen könnte die Tat im Zusammenhang mit Auseinandersetzungen innerhalb der Arbeitsgemeinschaften von Migranten in den Landwirtschaftsgebieten der Gegend stehen.
Zuletzt mehrfach Brandanschläge auf Fahrzeuge
Die Ermittler prüfen insbesondere die Spur eines gewaltsamen Konflikts um Arbeitsmöglichkeiten, Aufenthaltsdokumente oder Unterkünfte. In den vergangenen Monaten waren in der Gegend bereits mehrere Brandanschläge auf Fahrzeuge pakistanischer Migranten registriert worden.
Eine Beteiligung der kalabrischen Mafiaorganisation ‘Ndrangheta halten die Ermittler derzeit für unwahrscheinlich. Als Begründung verweisen sie unter anderem auf die ungewöhnliche Tatbegehung am helllichten Tag an einem Ort mit Videoüberwachung.
Überlebender berichtet
Im Fall gibt es einen Überlebenden. Dabei handelt es sich um einen afghanischen Staatsbürger, der gemeinsam mit den Opfern im nahegelegenen Villapiana lebte. Der Mann wurde vom Regionalsender TGR Calabria ausfindig gemacht und interviewt. In gebrochenem Italienisch berichtete der Überlebende, drei der vier Getöteten seien Afghanen gewesen. Die beiden festgenommenen Tatverdächtigen hätten Geld für den Transport zu den Feldern verlangt, das die späteren Opfer nicht zahlen wollten. Daraufhin hätten die Männer zunächst Benzin in das Fahrzeug geschüttet und anschließend einen brennenden Gegenstand hineingeworfen. Die vier Migranten seien dadurch im Fahrzeug verbrannt.
Der Zeuge selbst habe sich retten können, indem er eine Fensterscheibe einschlug und aus dem brennenden Wagen flüchtete. Auf Videoaufnahmen des Senders ist der Mann mit bandagierten Armen zu sehen, die Verbrennungen aufweisen. Zugleich erhob der Überlebende schwere Vorwürfe gegen die mutmaßlichen Täter. Diese hätten ihn und andere Arbeiter mit Messern und Schusswaffen bedroht, um sie zur Arbeit zu zwingen. Lohn hätten sie nicht erhalten. “Geld haben sie uns nicht gegeben, Essen ja, eine Unterkunft ja, aber kein Geld”, sagte der Mann nach Angaben des Senders. Zudem sprach er von einer “großen pakistanischen Mafia” in Italien.