“Wohnen550”-Projekt in Feldkirch-Nofels liegt noch immer auf Eis

Rechtsstreit nach wie vor im Gange. Erste Starterwohnungen in Hohenems, Dornbirn und Hard sind kommendes Jahr bezugsfertig.
Noch immer liegt kein rechtskräftiger Baubescheid für eine geplante Wohnanlage mit 30 Einheiten im Feldkircher Stadtteil Nofels vor. Das Projekt, das als Startschuss für das vom Land initiierte und von der Vogewosi ausgeführte Wohnungsprogramm „Wohnen550“ hätte fungieren sollen, liegt auf Eis.
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Wie die NEUE bereits vergangenen Herbst berichtete, legte ein Nachbar Einspruch wegen der hohen Baunutzungszahl ein. Sein Rechtsanwalt Gerhard Scheidbach argumentierte, das hohe Bauwerk entziehe seinem Mandanten die Sonneneinstrahlung für die hauseigene Photovoltaikanlage, was ihm wirtschaftliche Einbußen beschere. Der Präzedenzfall liegt nun schon seit fast einem Jahr beim Verwaltungsgerichtshof (VwGH) in Wien. Wie aus einer Anfragebeantwortung durch Wohnbaulandesrat Marco Tittler (ÖVP) hervorgeht, ist der Baubescheid noch immer offen und ein Fertigstellungsdatum für das Feldkircher Projekt, das von den politisch Verantwortlichen medienwirksam im September 2024 präsentiert wurde, noch nicht absehbar.
Fünf Projekte in den Startlöchern
Aber der Landesrat kann in der Beantwortung der von Grünen-Wohnbausprecher Bernie Weber gestellten Anfrage auch gute Nachrichten verkünden: So werden im kommenden Jahr voraussichtlich drei „Wohnen550“-Projekte fertiggestellt: Ab Februar sollen 18 Starterwohnungen für 550 Euro pro Monat in Hohenems bezugsfertig sein, im Juli folgen weitere 26 Einheiten in Dornbirn-Hatlerdorf. Beide Anlagen befinden sich bereits im Bau. Mit Jahresende 2027 soll auch ein 37 Wohnungen umfassendes Gebäude in Hard fertiggestellt sein, hier liegt ein Baubescheid vor und der Bau steht in den Startlöchern. Selbiges gilt für eine 28 Einheiten umfassende Anlage in Bludenz, hier dürfte der Bau aber bis ins Frühjahr 2028 dauern.

Darüber hinaus prüft das Land zwei weitere Standorte für „Wohnen550“: Eine 28 Einheiten zählende Anlage könnte in Wolfurt entstehen. 30 Wohnungen sind an einem anderen Standort in Feldkirch vorgesehen. Landesrat Tittler gibt in der Anfragebeantwortung überdies an, dass man mit den Gemeinden Bartholomäberg, Egg, Götzis, Hörbranz, Klaus, Lauterach, Rankweil und Schlins für ein „Wohnen550“-Projekt in Kontakt war, in diesen Gemeinden aber kein geeignetes Grundstück gefunden werden konnte. In Höchst gab es eine nicht näher beschriebene „Projektänderung“ und in Schwarzach liegt noch keine Entscheidung vor, ob man das Sonderwohnbauprogramm umsetzen kann bzw. will.
Tittler verteidigt lange Wartezeit
In einer Aussendung verteidigt der zuständige Landesrat die lange Umsetzungsdauer. „Bauvorhaben durchlaufen in aller Regel immer mehrere Projektphasen, angefangen von der Projektskizze, über die Auswahl der Grundstücke, die Entwicklungsphase bis hin zur finalen Umsetzung und Fertigstellung. Die Umsetzung eines Wohnungsneubaus nimmt somit meist mehrere Jahre in Anspruch. Wohnen550 bildet hier keine Ausnahme – gerade bei neuen Ansätzen sind entsprechende Abstimmungen mit den Gemeinden besonders wichtig“, heißt es darin.

„Wohnen550 ist ein freiwilliges Angebot, das allen Gemeinden offensteht. Wir wollen dort unterstützen, wo vor Ort Bedarf besteht, und das Modell gemeinsam mit den Gemeinden an die jeweiligen Rahmenbedingungen anpassen“, wird Tittler in der Aussendung zitiert.
Kritik der Grünen
In einer Reaktion auf die Beantwortung seiner Anfrage wirft Grünen-Wohnbausprecher Bernie Weber der Landesregierung vor, die jungen Menschen beim Wohnen im Stich zu lassen. „Seit Regierungsantritt hat sie keine einzige leistbare Wohnung nach dem Konzept ‚Wohnen 550‘ für junge Menschen fertiggestellt“, so Weber in einer Aussendung.

Er kritisiert, dass sich Landesrat Tittler hinter den Gemeinden verstecke: „Es ist die Verantwortung der Landesregierung, für leistbaren Wohnraum zu sorgen.“ Ein „Bremsklotz“ für leistbares Wohnen seien außerdem Bürgermeister der ÖVP, Weber sieht ein „hausgemachtes Problem“.
Wohnen550
Im November 2023 präsentierte Landesrat Marco Tittler (ÖVP) das Sonderwohnbauprogramm „Wohnen550“. Auf lange Sicht sollen an zehn Standorten rund 300 günstige, standardisierte Zweizimmerwohnungen (rund 50 Quadratmeter) entstehen, die nicht mehr als 550 Euro pro Monat kosten und deren Mietdauer auf maximal zehn Jahre befristet ist. Das Modell unterscheidet sich bewusst vom klassischen gemeinnützigen Wohnbau. Die Vergabe der „Wohnen550“-Wohnungen erfolgt durch die jeweilige Gemeinde in enger Abstimmung mit dem Fördergeber (Land).
(NEUE Vorarlberger Tageszeitung)