Oberscheider: Selbst der Song Contest ist in der neuen Arena denkbar

Interview. Vergangenen Samstag wurde der EHC Lustenau ÖEL-Meister. Im Gespräch blickt Klubpräsident Herbert Oberscheider auf die Finalserie zurück und offenbart, dass seine Hallenbaupläne fortgeschritten sind: Die Mehrzweckarena soll über 10.000 Besuchern Platz bieten.
Herzlichen Glückwunsch zum Gewinn des Meistertitels in der ÖEL. Was bedeutet Ihnen der Titel?
Herbert Oberscheider: Der Meistertitel bedeutet mir sehr viel. Es ist der elfte Titel, den der EHC Lustenau gewonnen hat, ich war bei neun in irgendeiner Form dabei.
Laut Wikipedia kommt der EHC Lustenau auf zwölf Titel?
Oberscheider: Das kann eigentlich nicht sein, da müssen Sie sich verzählt haben. (Ruft die Seite auf und zählt nach) Tatsächlich, ich komme bei der Auflistung auch auf zwölf, aber irgendwo muss ein Fehler in dieser Liste sein. Da! Der INL-Titel von 2015 ist auch als Zweitligatitel angeführt.
Wir waren dabei stehen geblieben, dass Sie bei neun von in dem Fall elf Titelgewinnen des EHC in irgendeiner Form dabei waren.
Oberscheider: Genau, als Spieler, Sponsor, Funktionär oder Präsident. Wir sind im Finale gegen Kapfenberg schon ein wenig unter Druck gestanden, weil wir im Vorjahr als Favorit schon im Halbfinale gescheitert sind. Wir hatten auch in diesem Jahr die Favoritenrolle, weil wir den Grunddurchgang in der Division West so dominierten. Aber die Play-offs haben ihre eigenen Gesetze, das mussten wir 2025 gegen Gmunden sportlich akzeptieren und das ist jetzt auch wieder dem KAC widerfahren. Klagenfurt hat einen überragenden Grunddurchgang in der ICE Hockey League gespielt, aber in den Play-offs setzt sich nicht immer der Favorit durch. Die Play-offs haben ihre eigenen Gesetze, gerade, wenn wie im Fall der Klagenfurter noch ein so dramatischer Zwischenfall wie der Zusammenbruch ihres Spielers Jordan Murray dazukommt. In den Play-offs können schon Kleinigkeiten das Momentum drehen. Plötzlich kommt der Außenseiter in einen Lauf, und dann reichen ein, zwei schwächere Tage aus, dass der Favorit ausscheidet. Auch das Finale gegen Kapfenberg war sehr eng und ging über die volle Distanz von drei Spielen. Das machte es noch schöner, dass wir am Ende den Titel gewinnen konnten.

Das entscheidende dritte Finalspiel in der Rheinhalle war nichts für schwache Nerven. Der EHC gewann am Ende ein dramatisches Spiel mit 5:3.
Oberscheider: Wir führten schon 4:1, haben dann aber völlig unnötig die Türe für Kapfenberg nochmal geöffnet, die auf 3:4 herankamen. Trainer Daniel Fekete wollte schon ein Timeout nehmen, da haben die Spieler gesagt: Nein, Coach, wir regeln das selbst! Mir hat das imponiert, wie die Mannschaft Verantwortung übernommen hat, das rundet meine Freude über den Titel ab. Natürlich ist es im Sport das Schönste überhaupt, wenn du daheim vor eigener Kulisse den Titel gewinnst. Das ist in jeder Sportart und in jeder Liga so. Zu Hause Meister zu werden ist ein Erlebnis, das kein Spieler, Funktionär und auch kein Fan je wieder vergisst. Das bleibt ein Leben lang.
Die Rheinhalle war bei Finalspiel drei mit 2200 Zuschauern ausverkauft.
Oberscheider: Schon das erste Finalspiel war mit knapp 2000 Zuschauern fast ausverkauft. Darum schlugen im zweiten Finalspiel in Kapfenberg so ein bisschen zwei Herzen in meiner Brust, als wir im Schlussdrittel in Rückstand gerieten: Aus sportlicher Sicht wollte ich, dass wir den Titel fixieren, denn in einer Best-of-Three-Serie ist in einem Spiel drei immer alles möglich. Aber aus wirtschaftlicher Sicht hätte uns nichts Besseres passieren können, als dass die Serie in ein entscheidendes Spiel drei geht. Wir hatten in der Finalserie über 4000 Zuschauer, die Derbys im Grunddurchgang sind sehr gut besucht, für uns funktioniert die ÖEL wirklich sehr gut. Wir haben aktuell mehr Zuschauer als in der Alps Hockey League.
Nach NEUE-Infos wünscht sich der unterlegene Finalist Kapfenberg eine Ligareform: Der Grunddurchgang soll nicht mehr in den Divisionen West und Ost ausgetragen werden, sondern wie die Play-offs österreichweit. Würde der EHC Lustenau da mitgehen?
Oberscheider: Da sind Sie wieder mal gut informiert. Ich kann das bestätigen, Kapfenberg wünscht sich die Abschaffung der Divisionen oder zumindest eine Verkürzung der regionalen Spielphase. Wir als EHC Lustenau würden eine österreichweite ÖEL begrüßen, bei unserem Ligaeinstieg hatte ich ja die Idee, die Liga aufzuwerten und Bundesliga zu nennen. Aber ich verstehe auch die Vereine, für die ein österreichweiter Spielbetrieb finanziell nicht stemmbar ist. Wir schließen uns der Mehrheit an. Ein Kompromiss könnten Doppelspielwochenenden sein, das würde die Zahl der Auswärtsfahrten reduzieren. Wichtig ist, dass es bei einer Reform einen breiten Konsens gibt.

Ist die ÖEL auf Dauer nicht ohnehin die falsche Liga für Lustenau?
Oberscheider: Es gibt da drei einfache Faustregeln: Wir spielen erstens in der Liga, in der wir mit so vielen Eigenbauspielern wie möglich antreten können. Das hat absolute Priorität. Zweitens müssen wir uns das Profieishockey leisten können. Das könnten wir auch – wenn wir unsere Nachwuchsarbeit aufgeben würden. Wir investieren aktuell jährlich zwischen 300.000 und 400.000 Euro für das Rheintal-Future-Programm, streichen wir den Posten, spielen wir in der Alps Hockey League in der kommenden Saison vielleicht sogar um den Titel mit. Aber das kommt nicht infrage für uns. Wir bekennen uns zum Nachwuchs, und einfach nur in einer Liga mitspielen ist sowieso auf Dauer völlig witzlos. Das ist die dritte Voraussetzung für eine Rückkehr in den Profisport: Wir müssten konkurrenzfähig sein. Alles andere macht doch keinen Sinn. Nein, wir sind aktuell Amateure und bekennen uns bis aufs Weitere zum Amateursport. Wobei wir aktuell drei bis vier Mal wöchentlich trainieren, das ist schon mehr als nur ein Hobby. Natürlich wäre es aufregender, in einer höheren Liga zu spielen. Aber alles hat seine Zeit. Wir schaffen gerade mit dem Rheintal Future das Fundament für einen Neustart des Vorarlberger Eishockeys. Geht der Plan auf und gelingt zudem der große Wurf mit dem von mir angedachten Bau der Mehrzweckhalle im Rheintal, dann sind wir bereit für Profihockey – und dann werden wir die Alps Hockey League auch überspringen. Aber nicht als EHC Lustenau, das sei auch ganz klar gesagt.
Dann sprechen wir doch über Ihre Hallenbau-Pläne, die Sie im Mai 2023 publik gemacht haben.
Oberscheider: Ich habe mir in den vergangenen zweieinhalb Jahren viele Hallen angeschaut und zusammen mit meinem Expertenteam ein 145-seitiges Konzept erstellt. Die Parameter liegen auf dem Tisch, es ist jetzt völlig klar, was es braucht, damit die Halle funktioniert. Ich möchte, dass der Sport in Vorarlberg einen völlig neuen Stellenwert bekommt. Man stelle sich vor, in Vorarlberg könnten Handball-EM-Endrundenspiele ausgetragen werden. Eine solche Halle, solche Möglichkeiten würden alles ändern. Herr Mayer, Sie müssen jetzt gedanklich einen Sprung machen: Ich sitze Ihnen zwar als Eishockey-Funktionär gegenüber, aber wenn wir jetzt über den Hallenbau reden sollen, spreche ich nicht als Vertreter des EHC Lustenau und auch nicht als Eishockey-Macher zu Ihnen. Es geht auch nicht nur um den Sport an sich, sondern um den Tourismus, die Wirtschaft, die Kultur. Was ich im Sinn habe, gibt es grenzüberschreitend in der ganzen Bodenseeregion nicht.

Wie konkret sind die Pläne inzwischen bereits?
Oberscheider: Ich habe einen Standort im Auge und ich glaube, dass es sehr positiv aussieht. Wenn ich des Wahnsinns wäre, würde ich den Standort jetzt ausplaudern. Aber ich habe als Geschäftsmann eines gelernt: Bevor nicht alle Verträge unterschrieben sind und auch nicht alle Partner wissen, dass man an die Öffentlichkeit geht, so lange hat man den Mund zu halten. Das Verkünden von Wasserständen bringt keinem was, sondern verprellt oftmals die Beteiligten: Was, der prescht schon an die Öffentlichkeit? Es ist doch noch gar nichts beschlossen?
Das Projekt ist seit 2023 deutlich wahrscheinlicher geworden?
Oberscheider: (lächelt) Diese Frage kann ich mit einem klaren Ja beantworten. Damit dem so bleibt, ist Diskretion gefragt: Mehr werde ich zum aktuellen Projektstand nicht preisgeben.
Macht es Sinn, wenn ich Sie über grundsätzliche Hallenfakten wie die geplante Größe befrage?
Oberscheider: Darüber können wir reden. Die Halle wird mindestens ein Fassungsvermögen von 10.000 Zuschauern haben, eher mehr, denn mit 7000 Plätzen bringst du keine Superstars in die Halle.
Sie sprechen von Musikacts?
Oberscheider: Ja. Es ist doch mit nichts argumentierbar, dass wir keine Weltstars nach Vorarlberg bekommen. Wieso muss man als Vorarlberger nach Zürich, München oder Mailand fahren, um die großen Bühnenstars zu sehen? Nicht, weil Vorarlberg so unbedeutend wäre, im Gegenteil. Das Vierländereck macht die Region sehr interessant. Nein, die Weltstars kommen nicht, weil es bei uns keine so große Konzertstätte gibt, als dass es sich für die Stars bezahlt macht, hier ein Konzert zu geben. Ich habe mich da ganz genau umgehört: Ab 10.000 Plätzen wird eine Halle interessant für die Superstars.

Das heißt, wenn Österreich in zehn Jahren den Eurovision Song Contest gewinnt, könnte im Folgejahr der Song Contest in der von Ihnen angedachten Halle in Vorarlberg stattfinden?
Oberscheider: Ganz genau, Sie haben mich verstanden. In solchen Dimensionen denke ich, und ich kann Ihnen verraten, dass ich schon sehr viel Privatgeld in das Projekt investiert habe. Das mache ich nicht aus Jux und Tollerei oder aus einer Träumerei heraus, ich bin Geschäftsmann: Ich mache das, weil ich an das Projekt glaube und die Chancen sehe, die sich mit dem Bauvorhaben auftun. Die Halle soll in wenigen Stunden für ein anderes Event umgerüstet werden können. Dann lässt sich sogar ein Schwimmbecken einbauen. Und natürlich wäre eine solche Halle auch ein möglicher Standort für eine Eishockey-WM in Österreich oder bei einer grenzüberschreitenden Ausrichtung. Wir haben in Vorarlberg viel zu lange in viel zu kleinen Dimensionen gedacht – und uns damit klein gemacht. Es ist längst Zeit dafür, in großen Dimensionen zu denken.
Ich muss zum Schluss trotzdem nachfragen, was eine solche hochmoderne Mehrzweckhalle für das Vorarlberger Eishockey bedeuten würde?
Oberscheider: Ich glaube, dass der Vorarlberger Mannschaftssport, und das schließt das Eishockey ein, weit unter Wert geschlagen wird. Wir müssen dahin kommen, dass die besten Vorarlberger Hockeyspieler im Land bleiben, weil sie hier bei uns die Möglichkeit haben, Titel zu gewinnen. Es ist gar nicht lange her, da bestand das österreichische Eishockey-Nationalteam zur Hälfte aus Vorarlbergern: Das waren alles Spieler von Dornbirn. Hätten die bei den Bulldogs eine Perspektive gehabt, wären die meisten geblieben. Aber ohne eine entsprechende Infrastruktur hast du heute im Profisport keine Chance auf eine nachhaltige Entwicklung, da ist Erfolg fast nur Zufall. Die Feldkircher machen bei den Pioneers eh noch viel aus ihren Möglichkeiten, das muss man ihnen lassen. Meine Meinung ist: Als Teilnehmer einer Liga brauchst du die Aussicht auf dauerhafte sportliche Erfolge und diese Perspektive hast du weder im Messestadion noch in der Vorarlberghalle und schon gar nicht in der Rheinhalle. Das sind mehr oder weniger alles alte Buden, in denen du kein Event aufziehen und noch weniger die Zuschauer begeistern kannst. Ich will es auf den Punkt bringen: Das Projekt Mehrzweckhalle lebt mehr denn je, aber ich muss mein Aufgabenbuch weiter abarbeiten.