Wasser auf die blauen Mühlen

Warum Wögingers Entgleisung im Nationalrat für die ÖVP kontraproduktiv wirkt. Ein Kommentar.
Man kann zur FPÖ und ihrer Wählerschaft stehen, wie man will, aber August Wögingers Entgleisung im Nationalrat schlägt weit über die Stränge des guten Geschmacks. „Die haben nicht einmal Zähne und zerrissene Hosen, das sind eure Fahnenschwinger“, wütete der ÖVP-Klubobmann in Richtung der freiheitlichen Abgeordneten.
Gut, Wöginger zeigte Einsicht und nahm die Aussage am Ende seiner Rede zurück. Aber sein Schuss ging völlig nach hinten los. Der schwarze Klubchef, dessen Image ohnehin infolge des neu aufgerollten Postenschacher-Prozesses angekratzt ist, bedient sich derselben populistischen Rhetorik wie die Abgeordneten seines eigentlichen Feindbilds. Dabei macht er einen entscheidenden Fehler: Er tritt nicht nach oben, sondern nach unten.
Denn die Kickl-FPÖ und ihre Anhänger bedienen sich nur allzu gerne der Opferrolle – man sei bei der Regierungsbildung als stärkste Kraft von den „Systemparteien“ übergangen worden. Flapsige Aussagen über das vermeintliche Aussehen der loyalen Wählerschaft sind da Wasser auf die blauen Mühlen.
Die ÖVP muss hinterfragen, ob die Lösung im Umgang mit der FPÖ wirklich jene ist, Feuer mit Feuer zu bekämpfen. Umfragewerte, die die Freiheitlichen bei rund 35 und die Volkspartei unterhalb der 20 Prozent sehen, sprechen eine deutliche Sprache und geben offenbar auch Grund zur Verzweiflung.