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“Er hat extra Gas gegeben und ist auf uns zugefahren”

15.09.2026 • 09:41 Uhr
"Er hat extra Gas gegeben und ist auf uns zugefahren"
Junger Autofahrer vor Gericht. NEUE

Pkw-Lenker (18) soll in Hohenems auf Frau zugesteuert sein, die mit Kindern unterwegs war. Vor Gericht schildern beide Seiten den Vorfall völlig unterschiedlich.

Mit 18 Jahren ist der Autofahrer noch jung, den Führerschein hat er noch nicht lange. Doch jetzt steht der Lehrling aus dem Oberland bereits vor Gericht. Der junge Mann soll mit seinem Pkw beschleunigt und gezielt auf eine Frau zugelenkt haben, um sie zum Ausweichen zu zwingen. Dabei soll er sie mit dem rechten Seitenspiegel am Handgelenk erwischt haben.

Körperverletzung und Nötigung wirft die Staatsanwaltschaft dem Angeklagten vor. Er bekennt sich nicht schuldig. Verteidiger Stefan Denifl stellt klar, sein Mandant hätte in der Situation vielleicht anders reagieren können, müssen habe er das aber nicht.

Angeklagter: “Frau schlug auf Motorhaube”

Was am 21. Mai in Hohenems tatsächlich geschah, darüber gehen die Schilderungen auseinander. Der 18-Jährige berichtet, er habe sich zunächst mit rund 30 Stundenkilometern genähert und dann auf etwa zehn Stundenkilometer abgebremst. Mehrere Erwachsene und Kinder seien auf der Straße gewesen. „Ich habe gehupt, denn die Personen waren auf der Straße und gingen nicht weg.“Auf das Hupen hätten die Personen reagiert und seien auf den Gehsteig gegangen. Dann allerdings sei eine Frau wieder einen Schritt auf die Fahrbahn und auf sein Auto zugekommen. Er habe noch weggelenkt, dennoch sei es zur Berührung mit dem Außenspiegel gekommen. Zuvor habe die Frau mit der Hand auf seine Motorhaube geschlagen.

Zeugin: “Er hat mich an der Hand erwischt

Die betroffene Frau schildert die Szene völlig anders. Die Hausfrau, Jahrgang 1982, war mit ihrer Tochter und weiteren Kindern auf dem Weg zum Spielplatz. Ein Mädchen sei mit dem Fahrrad mitten auf der Straße gefahren. Sie habe dem Autofahrer deshalb mit einem Handzeichen bedeutet, langsamer zu fahren. Doch genau das Gegenteil sei geschehen. „Anstatt die Geschwindigkeit zu verringern, hat er extra Gas gegeben“, berichtet die Zeugin. Der Pkw sei in ihre Richtung gefahren und habe sie mit dem Außenspiegel an der Hand erwischt. Laut Anklage erlitt sie dabei eine Prellung am rechten Handgelenk. Die Darstellung, sie selbst sei auf das Auto zugelaufen, weist die Frau zurück. Sie sei „nicht lebensmüde“. Auch gehupt habe der Angeklagte nicht. Dass sie anschließend reagierte, bestreitet sie nicht. Sie habe ein Eis in der Hand gehabt. Das habe sie dem Autofahrer nachgeworfen. Eine weitere Zeugin schilderte vor der Polizei, dass der Autofahrer zwar leicht beschleunigt habe, aber keinen Richtungswechsel vorgenommen habe.

Beifahrerin stützt Darstellung des Angeklagten

Auch die Freundin des Angeklagten, die auf dem Beifahrersitz saß, stützt im Wesentlichen seine Darstellung. Ihre Schilderung deckt sich allerdings nicht in jedem Detail mit jener des 18-Jährigen und wirkt damit jedenfalls nicht wie eine abgesprochene Version.

Eine unabhängige Zeugin schildert den Vorfall aus ihrer Sicht. Die Frau habe dem Autofahrer mit einer Handbewegung bedeutet, langsamer zu fahren. Dann habe sie gesehen, wie die Hand der Frau nach oben schnellte. Dass der 18-Jährige gezielt auf die Frau zugefahren sei, bestätigt die Zeugin allerdings nicht. Das Auto sei einfach vorbeigefahren und auch nicht auf den Gehsteig geraten. Für die Zeugin steht aber fest, dass der 18-Jährige zu schnell unterwegs war.

Die Richterin regte eine Diversion, die der Angeklagte nach einer Besprechung mit seinem Anwalt annahm. Er übernahm die Verantwortung für die vorgeworfenen Taten und muss nun 500 Euro an den Bund zahlen, dann wird das Verfahren eingestellt.