Warum in diesem Bregenzerwälder Traditionsgasthaus jetzt italienisch gekocht wird

Über 100 Jahre lang wurde im Adler in Riefensberg gut-bürgerlich gekocht, bis Familie Ademi italienische Spezialitäten in den Vorderwald brachte. Nach einem etwas holprigen Start hat sich das Konzept etabliert.
Lahina Mahmuti steht mit dem Nachwuchs im Arm in der Gaststube. „Das ist der zukünftige Chef“, stellt sie den Buben lachend vor, als die NEUE am Sonntag zu Besuch kommt. Das zeigt, wie die ganze Familie Mahmuti-Ademi mit vollem Herzblut für ihr Business lebt: Seit April führt Lahinas Schwester Lebibe Ademi mit ihrem Mann Ramadan das Traditionswirtshaus Adler in Riefensberg. „Wir sind von klein auf in der Gastronomie aufgewachsen“, erklärt sie. „Mein Vater ist seit 35 Jahren selbstständiger Gastronom, in St. Anton am Arlberg, Tschagguns, Ludesch, Dornbirn, fast überall. Die anderen Leute finden Gastronomie anstrengend, wegen der langen Arbeitszeiten und weil wir Saison haben, wenn andere in den Ferien sind. Aber uns macht das nichts aus.“
Zweite Station
Der Adler ist bereits das zweite Restaurant, das die Familie mit Wurzeln in Nordmazedonien im Bregenzerwald betreibt. In Andelsbuch gehört der Familie das Pizzeria Ristorante La Montanara. „Das war unsere erste Station im Bregenzerwald“, sagt Lebibe Ademi. „Wir waren am Anfang etwas skeptisch, weil wir uns in diesem Gebiet nicht auskannten. Aber es hat uns sehr gefallen.“ Schnell folgte der Wunsch nach einem zweiten Lokal, in dem sie ihre italienische Küche ausrollen können.

Fündig wurden Lebibe und Ramadan Ademi in Riefensberg, wo der Adler innerhalb der letzten drei Jahre zum dritten Mal auf Pächtersuche war. „Eigentlich wollten wir unser zweites Restaurant Richtung Alberschwende und Dornbirn aufmachen, das ist genau das Gegenteil. Aber wir haben gesagt: ‚Okay, schauen wir uns das mal an.‘ Es ist spontan so gekommen.“ Auf einmal ging alles ganz schnell: Die Wirtin schildert, wie sie das „schöne Lokal in diesem friedlichen Dorf“ sah und nicht mehr lange überlegen musste: „Innerhalb einer Woche haben wir uns entschieden: Das nehmen wir.“

Von Anfang an hatte man im Kopf, auf italienische Küche zu setzen, was nicht überall direkt angenommen wurde. „Von Lingenau bis hierher gibt es kein italienisches Restaurant und wir haben gedacht, vielleicht wäre es aufregend für die Leute hier, etwas Abwechslung hereinzubringen. Als wir auf eine Gemeindevertretungssitzung eingeladen wurden, haben wir unser Konzept vorgestellt und gemerkt, die Leute waren dem gegenüber ein bisschen ängstlich“, schmunzelt Ademi. „Wir haben erklärt, es wird Pizza, Pasta und Fleischgerichte geben. Einer hat immer wieder gefragt, ob es auch Schnitzel geben werde. Da hat man gemerkt, nicht alle wissen, was die italienische Küche ist. Ich habe nur gesagt: ‚Lasst euch überraschen, es wird euch schmecken.‘“
Schnitzel bleibt weiter auf der Karte
Tatsächlich beließ die Familie das Schnitzel als eine Art Überbleibsel aus der österreichischen Küche auf der Speisekarte. „In der ersten Woche wurde noch oft Schnitzel bestellt, da dachte ich: ‚Wann lernen sie, dass sie auch was anderes probieren können?‘ Aber inzwischen werden fast nur noch italienische Gerichte geordert“, lacht Ademi. Doch nicht alle standen dem neuen Konzept des Gasthauses am Anfang skeptisch gegenüber: „Die Fußballer in Riefensberg haben sich gefreut, weil sie zum Pizza essen sonst immer bis nach Andelsbuch fahren mussten.“

Ein Stück Wälder Tradition ist auch mit dem Namen des Gasthauses übrig geblieben. „Seit den 1980er-Jahren hat das Haus den gleichen Namen und der Bürgermeister wollte, dass das so bleibt“, beschreibt Ademi. „Der Name an sich gefällt mir schon, aber es gibt viele Adler im Vorderwald. Ich hätte mir einen italienischen Namen gewünscht. Aber es passt, dass die Tradition weiterhin bestehen bleibt.“

Dafür findet man auf der Speisekarte alles, was das italienische Herz begehrt. Verschiedenste Pizzen, Pasta in allen Variationen, Lasagne, Risotto und italienische Fleischgerichte wie Piccata Milanese lassen keine Wünsche übrig, zudem stehen auch Burger zur Auswahl. Ebenfalls findet man fleischlose Alternativen wie Risotto oder Tortellini im Angebot. „Aber die Wälder essen gerne Fleisch“, weiß die Gastronomin aus Erfahrung. Spezialität des Hauses ist die Pizza della Casa mit Bresaola-Schinken, Pfefferoni, Zwiebeln, Mais, Tomaten und Käse.


Das urige Gebäude des Adlers mit seiner gemütlichen Gaststube bietet Platz für rund 70 Personen, wobei es ein eigens abgetrenntes „Stüble“ gibt, das laut Ademi gerne für Firmenfeiern oder geschlossene Gesellschaften genutzt wird. Bei gutem Wetter kann man auch auf der südseitigen Terrasse Platz nehmen, wo etwa 20 Plätze zur Verfügung stehen.

Für größere Anlässe kann der nebenan gelegene Saal gemietet werden, den die Familie Mahmuti-Ademi ebenfalls mitbewirtschaftet. „Er eignet sich gut für Hochzeiten und solche Anlässe“, betont die Wirtin. „Wir haben im Obergeschoss auch eine Ferienwohnung und vier Doppelzimmer, die Hochzeitsgäste zur Übernachtung buchen können.“

Bald sollen diese auch auf Buchungsplattformen zur Verfügung stehen, dafür brauche sie aber noch etwas Zeit, meint Lebibe Ademi. Schließlich hat man erst gestartet und so schnell ist die Familiengeschichte noch nicht am Ende.
(NEUE am Sonntag)