Hört es sich nicht bestechend an? Das beste Mittel gegen Armut: Einfach nicht arm zu werden. Diesen Gedanken prägte Ayn Rand (1905-1982), eine bis heute von Trump, Musk oder Bezos zitierte amerikanische Denkerin. Dahinter steckt die Überzeugung, dass Menschen sich nur genügend anstrengen müssten, um „es zu schaffen“ und die amerikanische Heldengeschichte „vom Tellerwäscher zum Millionär“.
Es gibt Armutsbetroffene in Vorarlberg. Wer in die Statistik schaut, wird fündig über die Hintergründe: Kinderreiche Familien, Alleinerzieherinnen, Menschen ohne Berufsabschluss, mit gesundheitlichen Einschränkungen und Alleinlebende über 65 (hier insbesondere Frauen) sind einem hohen Armutsrisiko ausgesetzt. Haben sie sich zu wenig angestrengt?
Eine zu kleine, kalte oder feuchte Wohnung gehört ebenso zu krank machenden Lebensbedingungen, wie fehlende Rückzugsmöglichkeiten oder permanenter Stress. Bildung –Basis für berufliche Positionen – wird in Österreich so stark vererbt, wie kaum in einem anderen Land.
Frauen werden aufgrund von Rollenerwartungen, Werten und Bewertungen an mehreren zentralen Lebensentscheidungen im Vergleich zu Männern strukturell benachteiligt: Die Berufe, die sie mehrheitlich wählen, sind schlechter bezahlt. Der Wunsch selbst Zeit für Kinder, Angehörige und Haushalt aufzuwenden ist so tief verwurzelt, dass sie vielfach auf eigenes Einkommen oder alternativ vertraglich vereinbarte finanzielle Absicherung innerhalb der Familie verzichten. Das Sozialversicherungssystem ist gerade für Frauen nicht armutsfest. Es baut insgesamt und im Einzelfall auf durchgehende Vollzeitarbeit oder Abhängigkeit durch Mitversicherung.
Einfach nicht arm werden ist viel weniger eine Frage der eigenen Kraft und Anstrengung, als von gesellschaftlichen Strukturen und Machtfragen. Oder würden Sie einer Bekannten, die drei Kinder alleine großgezogen, ihre Eltern so lange wie möglich zu Hause unterstützt und parallel dazu Teilzeit gearbeitet hat vorwerfen, sie habe sich zu wenig angestrengt, wenn sie am Ende ihres Berufslebens chronisch krank in Pension geht und Ausgleichszulage beziehen muss? Ich nicht.
Einfach nicht arm werden ist viel weniger eine Frage der eigenen Kraft und Anstrengung, als von gesellschaftlichen Strukturen.
Lea Putz-Erath ist Geschäftsführerin des Fraueninformationszentrums femail. Sie studierte Tourismusmanagement und Soziale Arbeit. Promotion in Erziehungswissenschaften.