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Evangeliumkommentar: Nicht von dieser Welt

22.02.2026 • 09:00 Uhr
Evangeliumkommentar: Nicht von dieser Welt
Jill Burrow (Pexels)

In unseren wöchentlichen Evangelienkommentaren geben Geistliche, Religionslehrerinnen, Theologinnen und andere ihre Gedanken zum Sonntagsevangelium weiter. Heute mit Johannes Lampert von der Jungen Kirche Vorarlberg.

Dann wurde Jesus vom Geist in die Wüste geführt; dort sollte er vom Teufel in Versuchung geführt werden. Als er vierzig Tage und vierzig Nächte gefastet hatte, bekam er Hunger. Da trat der Versucher an ihn heran und sagte: Wenn du Gottes Sohn bist, so befiehl, dass aus diesen Steinen Brot wird. Er aber antwortete: In der Schrift heißt es: Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. Darauf nahm ihn der Teufel mit sich in die Heilige Stadt, stellte ihn oben auf den Tempel und sagte zu ihm: Wenn du Gottes Sohn bist, so stürz dich hinab; denn es heißt in der Schrift: Seinen Engeln befiehlt er, dich auf ihren Händen zu tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt. Jesus antwortete ihm: In der Schrift heißt es auch: Du sollst den Herrn, deinen Gott, nicht auf die Probe stellen. Wieder nahm ihn der Teufel mit sich und führte ihn auf einen sehr hohen Berg; er zeigte ihm alle Reiche der Welt mit ihrer Pracht und sagte zu ihm: Das alles will ich dir geben, wenn du dich vor mir niederwirfst und mich anbetest. Da sagte Jesus zu ihm: Weg mit dir, Satan! Denn in der Schrift steht: Vor dem Herrn, deinem Gott, sollst du dich niederwerfen und ihm allein dienen. Darauf ließ der Teufel von ihm ab und es kamen Engel und dienten ihm. Matthäus 4,1-11

Er ist da draußen. Er ist die Reinform der Unterhaltung, ist der Aufschrei der Lautstärke. Er ist der Zorn und die Wut und die Suche nach Schuld. Er ist im Bild und in den Bildschirmen. Er ist dort, wo wir uns ablenken, um der Wahrhaftigkeit nicht begegnen zu müssen. Er ist der fantastische Ablenker, der Verwirrer und Vernebler. Und er ist da drinnen. Er ist: Wie verinnerlicht. Er schaut aus dem Spiegel, nagt an der Gelassenheit, nimmt uns die Zeit und schlägt sie tot. Er ist das Gerede hinter den Rücken, ist die Unzufriedenheit im Goldkäfig und das Beharren, wenn es zum Prinzip wird. Er ist der bewegliche Stehenbleiber. Er lässt alles beim Alten und verstaubt unsere Gemüter. Er legt den Schleier darüber und verdunkelt alles, wo wir die Helligkeit bemerken können. Seien wir uns ehrlich: Er wirkt außer sich und doch: Durch uns hindurch. In Gedanken, Worten und Werken. Er ist ein Gerissener und Spalter. Er spricht aus unserem Mund, wenn wir vergleichen, wenn wir der Versuchung erliegen, nicht zu sein, wer wir sind: Menschen.

Der Teufel hat vielen Gewändern. Nackt wird er nur, wenn wir uns ihm stellen. Wenn wir dabei nicht nach Personen suchen, sondern nach Wirkungen. Wenn wir die Früchte beschauen, die Felder unseres Tuns, die Gespräche des Alltags, den Umgang, den wir pflegen oder verderben lassen. Der Teufel ist kein isoliertes Geschöpf, kein Sündenbock und keine Jagdtrophäe. Vielmehr ist er die Macht über andere, die Sinnsuche in der Verneinung und der Wettbewerb unter den Lebenden. Er braucht sie: die Triumphe über die Mitmenschen und den Prunk im eigenen Saal. Und er existiert nicht für sich: Er braucht das Blut, die Energie, die Emotion und die Verzweiflung. Er saugt anstatt zu lieben. Er macht, dass es gleich ausschaut. Er redet immerzu von der Herrschaft, von dieser Welt, vom Besitz, von sich selber.

Und wir? Gehen wir durch die Versuchungen hindurch? Durch die große Ablenkung? Sind wir präsent in aller Verletzlichkeit? Sind wir Geschenk für die Nächsten, ohne Erwartung, ohne Vergleich, ohne Verlangen? Niemals empfiehlt die Liebe die Herrschaft über die Nächsten. Sie entscheidet sich gegen die Macht. Sie ist: Nicht von dieser Welt.

Johannes Lampert
Johannes Lampert ist bei der Jungen Kirche Vorarlberg.