„Frei mitzumachen oder einfach da zu sein“

In der Amazone in Bregenz dreht sich am Donnerstag alles um Kreativität, Austausch und sichere Räume. Die Mädchen*Impulstage locken mit Workshops, Musik und Diskussionen über soziale Medien.
Wer am Donnerstag die Seestraße in Bregenz entlangfuhr, sah sofort: Beim Zentrum der Amazone ist heute einiges los. Der Hauptsitz des Vereins dient das ganze Jahr über als Treffpunkt für Mädchen, junge Frauen, inter, nicht-binäre, trans und agender Jugendliche im Alter von zehn bis 25 Jahren. Während der Mädchen*Impulstage, einem Event für Flintas* zwischen zehn und 18 Jahren, verwandelt sich das Haus in einen besonderen Erlebnisort.

Von Station zu Station
Schon vor dem Gebäude fällt ein kleiner Skaterplatz ins Auge. Gleich daneben werden an einer Bar alkoholfreie Mocktails gemixt. Auch im Inneren des Hauses warten zahlreiche Stationen auf die Besucherinnen und Besucher.

„Zum ersten Mal bin ich mit elf Jahren zur Amazone gekommen. Mit 17 hat meine Mama hier erfahren, dass sie mit mir schwanger ist. Die Menschen in der Amazone waren die Ersten, die davon erfahren haben. Deshalb kenne ich die Amazone schon seit meiner frühen Kindheit. Meine Mama hat mich oft einfach zum Chillen hierher mitgenommen. Inzwischen bin ich selbst 18 Jahre alt und nicht mehr allzu oft hier. Zuletzt war ich bei drei Workshops dabei, heute besuche ich gemeinsam mit einer Gruppe die Mädchen*Impulstage.“
– Lina Garcia
Im Radio
Unter anderem ist auch Radio Proton vor Ort und produziert gemeinsam mit den Gästen ein Live-Programm, das in der gesamten Amazone zu hören ist. In der Werkstatt können eigene Neonschilder gestaltet werden.

Ein Raum weiter setzen sich Jugendliche mit gesellschaftlichen Themen, persönlichen Erlebnissen und eigenen Überzeugungen auseinander. Im Mittelpunkt steht dabei Hass in sozialen Netzwerken. Plakate informieren über aktuelle Begriffe aus dem Internet, auf Laptops laufen kurze Videos aus sozialen Medien. Karin Fitz, zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit der Amazone, erklärt, dass Jugendliche hier dazu ermutigt werden, Inhalte in sozialen Netzwerken kritisch zu hinterfragen und einen gesunden Umgang mit sozialen Medien zu entwickeln.

Im Hinterhof gibt es außerdem eine Station für Verkleidungen und Fotos. Dazwischen finden sich immer wieder kleine Rückzugsorte. Denn in der Amazone gilt: Niemand muss mitmachen. Der Verein versteht sich vor allem als sicherer Ort zum Wohlfühlen für junge Flintas*. Das soll auch während der Mädchen*Impulstage spürbar sein.

„Die ersten Mädchen*impulstage hießen damals noch „Lifestyling-Messe für Mädchen“. Beim ersten Event hatten wir gerade einmal 20, 30 Mädchen da. Zu dem Zeitpunkt gab es auch nur drei Stationen. Das waren die absoluten Anfänge. Flinta* Personen waren damals in der Gesellschaft noch nicht sichtbar und Interpersonen wurden damals auch kaum wahrgenommen. Das hat sich die letzte sechs, sieben Jahre entwickelt, als begriffen wurde, dass auch Raum für diese Personen geschaffen werden muss. Im Moment heißen die Mädchen*impulstage immer noch so, aber wir sind da schon länger im Prozess, in dem wir überlegen, sie umzubenennen.“
– Michaela Moosmann
Ein Tag
In diesem Jahr werden die Mädchen*Impulstage bereits zum 25. Mal veranstaltet. Die NEUE berichtete am Dienstag. Neu ist heuer allerdings, dass das Event nicht mehr über drei Tage läuft, sondern nur noch an einem Tag stattfindet. Als Hauptgrund nennt der Verein die Budgetkürzungen des Landes im Sozialbereich. Gleichzeitig sieht die Amazone darin auch eine Chance, an diesem einen Tag besonders viel anzubieten. 2026 waren insgesamt 268 Flinta*s mit bei den Mädchen*impulstage zu Gast.

Was bedeutet “Flinta*”?
Flinta* steht für Frauen, Lesben, intergeschlechtliche, nichtbinäre, transgeschlechtliche und agender Personen. Der angehängte Stern dient als Platzhalter für alle Personen, die sich in keinem Buchstaben wiederfinden, aber dennoch von Ausgrenzung betroffen sind. Der Begriff wurde in den 1970er Jahren als Antwort auf die Bedürfnisse von Frauen und Lesben geschaffen, um einen geschlechtsneutralen Raum zu schaffen. Flinta* wird vor allem in feministischen und queeren Bewegungen verwendet, um Diskriminierung und Ungleichheit zu bekämpfen.