Vorarlberger KI-Startup landet Deal mit Trustpilot

Interview. Clemens und Noa Fröwis entwickeln mit Metriqa eine Plattform, die Unternehmen, Städte und Destinationen digital analysiert und miteinander vergleicht. Im Gespräch mit der NEUE am Sonntag erklären die beiden, warum Vertrauen, Datenqualität sowie europäische Lösungen für sie zentral sind und was zur Kooperation mit der weltgrößten Bewertungsplattform führte.
Wie entstand aus einer Social-Media-Agentur ein KI-Startup?
Clemens Fröwis: Wir haben während des Studiums begonnen, digitale Kommunikation und Social Media für Unternehmen umzusetzen. Daraus entstand unsere Social-Media-Agentur Am Brand. Irgendwann haben wir für Städte, Destinationen und Unternehmen sogenannte „Digital Audits“ gemacht. Wir haben analysiert, wie sichtbar Unternehmen digital sind und wie sie im Vergleich zu anderen Regionen performen. Das Problem war: Bis wir die Ergebnisse präsentiert hatten, waren die Daten teilweise schon wieder veraltet. Wir haben damals geschaut, ob es dafür ein bestehendes Tool gibt. Das gab es nicht. Also haben wir begonnen, selbst eines zu entwickeln.

Was war die ursprüngliche Idee hinter Metriqa?
Noa Fröwis: Eigentlich wollten wir Daten verständlicher und nutzbarer machen. Viele Unternehmen haben zwar Daten, können daraus aber wenig konkrete Entscheidungen ableiten. Genau dort setzen wir an.
Clemens Fröwis: Wir sagen heute bewusst nicht mehr nur „Digital Analytics“, sondern „Data Intelligence“. Wir verbinden digitale Kennzahlen mit finanziellen Kennzahlen und machen daraus konkrete Handlungsempfehlungen.
Was macht die Plattform konkret?
Clemens Fröwis: Wir analysieren das komplette digitale Erscheinungsbild eines Unternehmens. Dazu gehören Social Media, Bewertungsplattformen wie Trustpilot, Booking oder Google, Website-Inhalte, Web-Performance und öffentlich verfügbare Artikel. Zusätzlich holen wir finanzielle Kennzahlen aus offiziellen Datenquellen dazu. Daraus entsteht ein Gesamtbild, das Unternehmen mit ihren Mitbewerbern vergleichen können. Im nächsten Schritt liefert die Plattform Empfehlungen: Wo gibt es Schwächen? Wo gibt es Potenzial? Und welche Maßnahmen könnten für das Unternehmen sinnvoll sein? Unser Ziel ist es, Daten in Entscheidungen zu übersetzen.

Warum arbeitet ihr derzeit so stark mit Städten und Destinationen zusammen?
Clemens Fröwis: Städte sind für uns extrem spannende Multiplikatoren. Dort können wir tausende Unternehmen gleichzeitig analysieren und sehen sehr schnell Muster. Mit der Stadt Dornbirn haben wir zum Beispiel mehr als 300.000 Bewertungen ausgewertet und daraus konkrete Themen herausgefiltert. Dabei sieht man etwa, welche Branchen besonders positiv wahrgenommen werden oder wo häufig Kritik auftaucht. Ein Beispiel waren negative Bewertungen rund um Lärmemissionen oder die Parkplatzsituation am Wochenende. Das sind Erkenntnisse, die für Städte und Unternehmen interessant sind, weil man dadurch sehr konkrete Rückschlüsse ziehen kann.

Was kann Metriqa aus solchen Daten herauslesen, das bisher oft verborgen geblieben ist?
Clemens Fröwis: Viele Unternehmen sehen nur ihre eigenen Zahlen. Spannend wird es aber erst im Vergleich mit anderen. Wir können etwa analysieren, wie Unternehmen innerhalb einer Branche digital wahrgenommen werden oder wie sich bestimmte Themen auf Bewertungen auswirken. Das Ziel ist nicht, jemanden bloßzustellen, sondern Unternehmen eine objektive Grundlage zu geben. Oft heißt es schnell: Das Stadtmarketing oder die Region seien schuld. Dabei zeigt sich manchmal, dass Unternehmen selbst Potenzial bei ihrer Sichtbarkeit oder Kommunikation haben.

Vertrauen spielt gerade bei KI eine große Rolle. Welche Bedeutung hat dabei eure Partnerschaft mit Trustpilot?
Clemens Fröwis: Eine sehr große. Trustpilot ist die weltweit größte Bewertungsplattform und für uns ein wichtiger strategischer Partner. Dadurch bekommen wir nicht nur zusätzliche Daten, sondern auch eine Verifikation und einen fachlichen Austausch. Gerade im Bereich Künstliche Intelligenz wird Vertrauen immer wichtiger. Viele Unternehmen fragen sich: Woher kommen die Daten? Wie verlässlich sind sie? Für uns ist deshalb wichtig, transparent zu arbeiten und Daten sauber zu strukturieren.
Noa Fröwis: Bewertungsplattformen sind heute auch ein Zeichen von Seriosität. Wenn Unternehmen dort sichtbar und verifiziert sind, schafft das Vertrauen.
Wie geht ihr mit Datenschutz und möglichen Fehlinterpretationen durch KI um?
Clemens Fröwis: Das Thema ist zentral. Wir setzen bewusst auf DSGVO-konforme Prozesse und holen personenbezogene Daten gar nicht erst in den Arbeitsspeicher hinein. Außerdem sehen wir unsere Plattform nicht als Ersatz für Menschen. Die Entscheidungen treffen weiterhin Fachpersonen in Unternehmen und diese Fachkräfte wird es auch weiterhin brauchen. Unsere Software soll die Menschen unterstützen, nicht ersetzen.

Viele KI-Unternehmen orientieren sich stark an den USA. Warum betont ihr so stark europäische Lösungen?
Clemens Fröwis: Weil uns digitale Souveränität wichtig ist. Natürlich gibt es amerikanische Tools, die extrem stark sind. Aber wir setzen bewusst auch auf europäische Lösungen und europäisches Hosting. Wir glauben, dass das Thema Unabhängigkeit in Zukunft noch wichtiger wird.
Kann Vorarlberg überhaupt ein Standort für KI-Unternehmen sein?
Noa Fröwis: Absolut. Vorarlberg hat extrem viele starke Unternehmen und kurze Wege. Gerade die Zusammenarbeit mit Industrie und Wirtschaft funktioniert hier sehr gut.
Clemens Fröwis: Wir haben früh gemerkt, dass viele Unternehmen offen für Kooperationen und gemeinsame Entwicklung sind. Das ist ein großer Vorteil. Gleichzeitig bauen wir gerade auch unser zweites Büro in Wien auf, weil dort der technische Bereich stärker wächst. Unser Ziel ist aber klar: Wir wollen zeigen, dass innovative KI-Unternehmen auch aus Vorarlberg heraus entstehen können.
Über Metriqa
Hinter dem Dornbirner KI-Startup Metriqa stehen die Gründer Clemens und Noa Fröwis sowie die glechberechtigten Gesellschafter und Mitgründer Juraj Ivkovac und Viktor Beck. Gemeinsam entwickeln sie eine Plattform für datenbasierte Analysen und digitale Handlungsempfehlungen für Unternehmen, Städte und Destinationen.