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Kokain, THC und Spielsucht im Fokus

27.06.2026 • 14:00 Uhr
Kokain, THC und Spielsucht im Fokus
Hanna Schüle spricht mit der NEUE am Sonntag über die Arbeit in der Suchtberatung. Hartinger (4)

Hanna Schüle, Teamleiterin der Suchtberatungsstelle Clean Bregenz, spricht mit der NEUE am Sonntag über Einsamkeit, tägliche Herausforderungen und offene Kommunikation.

Hanna Schüle leitet seit 2025 das Team der Suchtberatungsstelle Clean in Bregenz. Nachdem sie lange in der stationären Jugendhilfe gearbeitet und ihren Master in psychosozialer Beratung absolviert hatte, kam sie 2019 zu Clean. Mit der NEUE am Sonntag sprach sie über den Alltag in der Suchtberatung und wie wichtig persönliche Grenzen sind.

Wie fangen Sie mit dem Erstgespräch an? Wie können wir uns das am Anfang und die weitere Beratung vorstellen?
Hanna Schüle: Bei uns ist es so, man kann ganz unkompliziert zu den Öffnungszeiten, also jeden Vormittag und nachmittags vorbeikommen, man kann anrufen oder eine E-Mail schreiben. Dann werden die ersten Daten aufgenommen, das kann anonym stattfinden. Man formuliert sein Anliegen und wir schauen, in welchen Bereich passt es rein. Wir haben jede Woche Teamsitzungen und dann wird geschaut, wer passt zu wem, also welches Anliegen. Wir machen hauptsächlich illegale Substanzen, aber es gibt auch Leute, die sind in der Substitution. Dann gibt es welche, die haben andere Süchte wie Kokain, THC, Abhängigkeiten oder Spielsucht. Wir schauen, welcher Berater oder Betreuer passt am besten, vielleicht von seiner fachlichen Kompetenz rein und besprechen das. Die entsprechende Person ruft den Klienten an und macht einen Termin aus. Das findet relativ zeitnah statt, ich sage mal innerhalb von ein, zwei Wochen hat man einen Termin, also den ersten Kontakt. Es ist alles kostenlos und wenn jemand bei uns in Betreuung ist, hat er fix einen Betreuer und einen Berater, das kann ein Sozialarbeiter oder ein Psychotherapeut sein. Das wird alles vom Land übernommen und finanziert, was sehr fein ist für die Klienten, dass sie unkompliziert Hilfe und Unterstützung bekommen. Dann finden Termine in den Abständen statt, die wir mit dem Klienten vereinbaren.

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Clean Bregenz ist Teil der Stiftung Maria Ebene.

Kann man da ungefähr einen Durchschnitt sagen, wie lange Leute in Therapie sind?
Schüle: Kann man nicht sagen, weil es sehr unterschiedlich ist. Es gibt Klienten, gerade in Substitutionen, die sind sehr lange. Es gibt Leute, die kommen nur zu zwei, drei Gesprächen und dann vielleicht nicht mehr. Ich sage mal im Schnitt, ganz grob, ein, zwei Jahre, aber ich habe viele, die sind fünf, sechs Jahre in regelmäßigen oder unregelmäßigen Abständen.

Können Sie uns da einen Überblick geben, was aktuell die Schwerpunktthemen sind?
Schüle: Anfragen sind hauptsächlich zu Kokain, THC und Spielsucht, aber auch zu Benzodiazepin-Konsum. Bei uns sind die Opiatabhängigen eher gleichmäßig im Kontakt, wir haben nicht viele Neuanfragen.

Wie reagieren Sie in Ihrer täglichen Arbeit auf neue Herausforderungen?
Schüle: Bei uns ist fast jeder Tag eine Herausforderung, weil wir nie wissen, was kommt oder mit welchem Anliegen kommt jemand. Wir bereiten uns natürlich vor, indem wir viele Fortbildungen und Weiterbildungen machen. Ich habe ein tolles Team, das sehr interessiert ist, sich immer fortzubilden. Da halten wir uns auch mit aktuellen Themen state of the art. Was aktuell in der Suchtlandschaft vorherrschend ist, an dem orientieren wir uns.

Kokain, THC und Spielsucht im Fokus
Hanna Schüle im Gespräch.

Sie haben vorhin das Thema Benzodiazepine erwähnt. Im aktuellen Drogenbericht heißt es, dass das gerade im Mischkonsum ein großes Thema ist. Wie sehen Sie das in Ihrer täglichen Arbeit?
Schüle: Es ist eigentlich seit Jahren Thema. Mir ist wichtig zu wissen, was konsumiert der Klient. Er soll offen darüber reden können. Das ist wichtig, weil nur dann kann ich ihn über die Risiken aufklären. Das machen wir in der Arbeit. Was man bei uns auch machen kann, ist das Drug-Checking. Das bieten wir auch anonym an. Zum Beispiel in Bezug auf eine Opiatabhängigkeit mit Benzodiazepin-Konsum. Das ist so das Hauptthema, dass das sehr schwierig ist, dass Atemdepression, Atemstillstand hervorgerufen werden können. Darauf weisen wir hin und schauen genau, was verschrieben wird. Was auf dem Schwarzmarkt genommen wird, das kann ich nicht beeinflussen. Es gibt auch Klienten von uns, die das Angebot annehmen und ihre Substanzen untersuchen lassen.

Wie gehen Sie damit um, wenn Sie verschlossene Klienten haben?
Schüle: Die meisten kommen freiwillig. Wir haben ganz wenige, die mit gerichtlichen Auflagen oder so kommen. Von daher haben die meisten auch ein Interesse und sind total froh, wenn sie einfach mal mit jemandem reden können.Sucht macht einsam und ist tabuisiert. Viele sind alleine, weil wenn man einen Süchtigen sieht, wenden sich die Menschen sehr oft ab. Sie sind dankbar, wenn jemand mit ihnen redet. Und wenn jemand über bestimmte Themen nicht reden möchte, dann wird es absolut respektiert.

Kokain, THC und Spielsucht im Fokus
Die NEUE am Sonntag bei Clean Bregenz.

Wie schaut denn die Ausbildung oder die Weiterbildung aus, dass man immer vorbereitet ist, weil ich denke, Stichwort Corona, da sind auch andere Herausforderungen gekommen?
Schüle: Wir haben zum Beispiel eine Traumatherapeutin. Ich habe eine Ausbildung in Traumapädagogik, bin Sozialarbeiterin und wenn jetzt Themen aufkommen, wo ich merke, da ist auch für mich eine persönliche Grenze, dann benenne ich das im Gespräch. Dann schaue ich, dass ich intern weitervermittle, auch an die Psychotherapie. Wir betreuen auch gemeinsam Klienten, also dass jemand in der Psychotherapie aber auch in der Beratung ist und wir uns immer wieder austauschen. Da verweise ich sonst auch an die Psychotherapie, die gut ausgebildet ist und sich damit auskennt.

Gibt es persönliche Erlebnisse, die Ihnen in Ihrer Beratungstätigkeit ganz positiv in Erinnerung geblieben sind?
Schüle: Ja, es gibt viele Themen. Diese Woche war eine Klientin da, die schon lange spielsüchtig ist und die es jetzt geschafft hat. Sie ist so glücklich und sagt, sie ist so befreit und hat jetzt viel mehr Geld zur Verfügung als vorher, obwohl sie nicht mehr spielt und eigentlich immer gespielt hat, damit sie Geld hat. Das zu sehen, ist so schön.