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Was Vorarlbergs Wälder nach der Fichte stärker macht

08.08.2026 • 09:57 Uhr
Was Vorarlbergs Wälder nach der Fichte stärker macht
Jürgen Thomas Ernst mit einer jungen Weißtanne. Stiplovsek

Der „Brotbaum“ Fichte kommt an seine Grenzen. Waldpädagoge Jürgen-Thomas Ernst spricht über Trockenstress, Borkenkäfer und darüber, wie sich der Wald langfristig selbst erneuert

Jürgen-Thomas Ernst zeigt auf einen gegenüberliegenden Waldhang: “Seht ihr den Baum mit den braunen Blättern da? Der geht jetzt schon in den Frühherbst, weil er wohl durch die Hitze derzeit nicht genug Wasser abbekommt.“

Was Vorarlbergs Wälder nach der Fichte stärker macht
Diese Schnecke versteckt sich vor der Sonne. Stiplovsek

Der Waldpädagoge hat sich mit der NEUE im Ippachwald bei Wolfurt getroffen. Als ehemaliger Förster befasst sich Ernst seit Jahrzehnten mit den heimischen Wäldern, unter anderem auch damit, wie sich der Klimawandel und steigende Temperaturen auf diese auswirken. Gerade längere Hitzeperioden und ausbleibender Niederschlag können dabei einzelne Baumarten unter Druck setzen. Welche Bäume damit besser zurechtkommen als andere, zeigt sich bei einem Rundgang durch den Wald.

“Brotbaum” Fichte

„Am meisten leiden die Fichten, sie sind Flachwurzler, heißt wenn es über längere Zeit nicht regnet, gehören sie zu den Ersten, die austrocknen“, erklärt der Waldpädagoge. Dabei sei aber auch zu beachten, dass die Fichte von Natur aus bei uns gar nicht so häufig vorkommen würde, wie sie anzutreffen ist. „Ich kann mich noch erinnern, wie ein Lehrer in der Schule zu uns gesagt hat, dass die Fichte unser Brotbaum ist,“ erzählt Ernst.

Was Vorarlbergs Wälder nach der Fichte stärker macht
Stiplovsek

Tatsächlich wurde diese Baumart von früheren Generationen in der Forstwirtschaft besonders gerne angepflanzt. Fichten sind gerade wegen ihres schnellen und geraden Wuchses, ihrer vergleichsweise geringen Ansprüche an den Boden sowie ihrer guten mechanischen Holzeigenschaften im Bau beliebt. „Die ganzen Fichtenwälder wie wir sie teilweise sehen, wären auf natürliche Weise nie so gewachsen,“ fügt Ernst hinzu.

Was Vorarlbergs Wälder nach der Fichte stärker macht
Stiplovsek

Der einstige Goldesel der Forstwirtschaft leidet inzwischen jedoch zunehmend unter der Hitze des immer wärmer werdenden Sommers. Bleibt der Regen über längere Zeit aus, verschärft sich die Situation zusätzlich. Der Borkenkäfer gibt geschwächten Bäumen dann noch den Rest.

Natur reguliert sich selbst

Ernst macht sich trotzdem keine Sorgen über zukünftige kahle Berghänge, auf denen einmal fruchtbare Wälder standen. „Die Natur heilt sich schlussendlich immer von selbst“, sieht der Waldpädagoge die Situation zuversichtlich. Für ihn ist der Borkenkäfer in der derzeitigen Situation deshalb nicht „der Böse Feind vom System“, sondern vielmehr Teil des Systems, das sich selbst reguliert.

Was Vorarlbergs Wälder nach der Fichte stärker macht
Stiplovsek

Als Ernst sich zu einem jungen, kaum 30 Zentimeter hohen Nadelbäumchen hinunterbückt, erklärt er: „Diese Weißtannen haben hier eine besonders gute Überlebenschance. Es sind Tiefwurzler, heißt sie können längere Trockenperioden besser überstehen. Deshalb sieht man diese Baumart auch besonders oft wenn man in Europa weiter in Richtung Süden fährt.“

Was Vorarlbergs Wälder nach der Fichte stärker macht
Jürgen-Thomas Ernst im Gespräch mit der NEUE.Stiplovsek

Trotzdem ist die Weißtanne natürlich auch kein „Wunderbaum“. Besonders junge Pflänzchen werden gerne von Wildtieren angeknabbert. Dazu sagt Ernst: „Hierbei braucht es einfach eine gute Zusammenarbeit mit den Jägern um den Wildbestand unter Kontrolle zu behalten.“

Comeback der Buche?

Das Gebiet von Vorarlberg war ursprünglich von Buchenwäldern geprägt. Zwar nicht im Sinne einer Monokultur trotzdem fühlt sich dieser Laubbaum von Natur aus in den Tälern der Alpen sehr wohl. In der Forstwirtschaft wird die Buche allerdings wenig geschätzt. Ernst erzählt dazu, dass er bereits mit Menschen zu tun hatte, die den Baum sogar als „Unholz“, also wie „Unkraut“ bezeichnet haben.

Was Vorarlbergs Wälder nach der Fichte stärker macht
Stiplovsek

Grund für die Abneigung gegenüber der Buche ist vor allem die Tatsache, dass sie viel Platz braucht und sich nur schwer wirtschaftlich verarbeiten lässt. Zwar ist sie gegen Hitze nicht so widerstandsfähig wie etwa die Weißtanne, trotzdem ist sie besser gerüstet als die Fichte. Hinzu kommt, dass sie bei uns gut im Schatten anderer Bäume gedeihen kann. Im Wald ist es für gewöhnlich ohnehin mehrere Grade kühler als in Städten und auf Straßen. Diese Bedingungen können der Buche bei steigenden Temperaturen zugutekommen.

Sorgenkind Flachwurzler

Waldpädagoge Ernst hält zum Schluss des Ausflugs in den Wald fest: „Ich finde das höchst arrogant. Die Wälder gibt es seit Millionen von Jahren, sie haben nie einen Förster gebraucht und das System funktioniert. Wenn man streng und böse ist, muss man sagen: Wir müssen die Fehler sanieren, die Förster früher gemacht haben. Die Fichte hat ja bis in die 80er Jahre funktioniert.“

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Stiplovsek