Weniger Toleranz – mehr Verkehrssicherheit

Trotz steigender Unfallzahlen hält Vorarlberg an großzügigen Tempo-Toleranzen fest – obwohl ihre Abschaffung seit 20 Jahren versprochen wird.
Die jährliche Veröffentlichung der Unfallzahlen zeigte auch heuer wieder: Die Zahl der Unfälle steigt in Vorarlberg stetig, obwohl die Landespolitik in zahlreichen Konzepten mehr Verkehrssicherheit verspricht.
Eine einfache und billige Stellschraube, um die Zahl der Unfälle zu reduzieren und damit Leben zu retten, ist die gefahrene Geschwindigkeit. Der Zusammenhang zwischen Tempo und Unfallfolgen ist gut belegt: Bereits wenige Stundenkilometer entscheiden darüber, ob ein Unfall überhaupt passiert und wie schwer die Folgen ausfallen.
Deshalb hat das Land Vorarlberg vor bereits 20 Jahren in seine Verkehrskonzepte geschrieben: Bei Geschwindigkeitsmessungen sollen jene Toleranzen, die über das technisch notwendige Ausmaß hinausgehen, abgeschafft werden. Diese zusätzlichen Anzeigetoleranzen – teilweise bis zu 20 Prozent! – werden von der Landesregierung selbst festgelegt und führen dazu, dass sich etwa in 30er-Zonen drei Viertel der Autofahrer nicht an die Höchstgeschwindigkeit halten.
Während die Landesregierung also festlegt, dass in der Praxis Tempolimits ohne Konsequenzen überschritten werden dürfen, schreibt sie pflichtschuldig in seine theoretischen Konzepte, dass die Unfallzahlen reduziert werden sollen und betont den Zusammenhang zwischen Tempo und Unfällen.
Ein Blick in die Schweiz zeigt, dass ein anderer Weg möglich ist. Dort gibt es keine zusätzlichen Toleranzen – und nur halb so viele Verkehrsverletzte und -tote wie in Österreich.
Durch die seit 20 Jahren versprochene Abschaffung der Zusatz-Toleranzen könnten viele Unfälle vermieden beziehungsweise deren Folgen abgeschwächt – und somit viel Leid verhindert werden. Das würde sicher auch unsere chronisch überlasteten Spitäler freuen.
Dennoch ist Landesstatthalter und Verkehrslandesrat Bitschi der Meinung, dass man mit der Abschaffung warten kann, bis alle anderen Bundesländer diese umsetzen. Ob die von ihm stattdessen gesetzten Maßnahmen zu einer Reduktion der Unfallzahlen führen werden, wird sich nächstes Jahr bei Veröffentlichung der Unfallzahlen leicht messen lassen.
