Sternenhimmel in Vorarlberg: Wo die Nacht zum Erlebnis wird

Der Nachthimmel lässt staunen und macht neugierig. Gemeinsam Sterne schauen ist optimal.
Im August haben wir mit einer Sonnen- und einer Mondfinsternis astronomische Glanzpunkte erlebt. Sehr viele Menschen, die sonst kaum Himmelsphänomene beobachten, verfolgten begeistert die Naturschauspiele. Auch ganz gewöhnliche Sternennächte üben eine Faszination aus. Weder Vorkenntnisse noch teure Geräte braucht man um die Ruhe und Entspannung einer klaren Sternennacht zu genießen. Einzige Voraussetzung ist eine dunkle Umgebung ohne störende künstliche Lichter. Auch in Vorarlberg findet man ohne weite Anreise viele schöne Plätze für die Himmelsbeobachtung. Ein paar Minuten genügen, um von unserer kleinen Welt aus in das riesig große Universum einzutauchen. Einige hundert, im besten Fall 3000 Sterne tauchen nach Anpassung der Augen an die Dunkelheit auf. Man muss keine Objekte identifizieren und beim Namen nennen können, um Ruhe zu finden und ins Staunen zu kommen. Nach kurzer Zeit tauchen Fragen auf: Wie weit sind all die Sterne entfernt? Weshalb leuchtet das Band der Milchstraße so hell und woraus beseht es? Ist das Universum unendlich groß? Kann es sein, dass wir Menschen die einzigen Lebewesen sind, die über das Universum nachdenken, oder sitzen vielleicht auf einem der vielen Planeten um anderer Sterne Wesen, die gerade dieselben Überlegungen anstellen? Besteht das Universum seit jeher oder gab es einen Anfang?
Fakten und Geschichten
Spätestens nach einer Stunde unter klarem Nachthimmel bemerkt man, dass sich die Szenerie ändert. Auffällige Sterne oder Sternformationen haben ihre Positionen am Himmel geändert. Einige ziehen ähnliche Bahnen wie die Sonne am Tag, andere kreisen um einen Punkt hoch im Norden. Mit etwas Vorwissen lassen sich diese Phänomene durch die Erddrehung verstehen. Das Genießen und Entspannen ist eine Motivation, den Sternenhimmel zu betrachten. Ein anderer ist der Drang Phänomene einzuordnen und zu verstehen. Sobald man ein oder zwei Sternbilder eindeutig identifizieren kann, erschließt sich mit einer App oder einer gedruckten Sternkarte der gesamte sichtbare Himmel. Damit lässt sich erworbenes Wissen mit direkter Beobachtung verbinden. Andromeda, Perseus, Kassiopeia, Pegasus stehen am Himmel und bebildern dabei die Geschichten aus der griechischen Mythologie. Die Andromeda-Galaxie ist von freiem Auge sichtbar, ist eine Milchstraße wie unsere und 2,5 Millionen Lichtjahre entfernt. Sie steuert auf uns zu und es könnte sein, dass es in einigen Milliarden Jahren eine „Kollision“ geben wird. Messier 13, ein Kugelsternhaufen im Sternbild Herkules ist von freiem Auge sichtbar. In der Science-Fiction-Serie Perry Rhodan ist M13 der Ort, an dem das Volk der Arkoniden lebt. 1974 wurde ein Radiosignal in Richtung M13 geschickt. Im Sternbild der Nördlichen Krone soll sich in naher Zukunft ein Nova-Ausbruch ereignen. Ein Blick in diese Richtung ist daher spannend. Diese Beobachtungsideen lassen sich fast beliebig erweitern.
Vorarlberger Amateur-Astronomen
Ein Austausch mit Gleichgesinnten zu solchen Fragen ist weit spannender als alleine darüber nachzudenken. Möchte man verschiedene Teleskope vergleichen oder sich über Astrofotografie unterhalten und Erfahrungen austauschen, ist eine gemeinsame Bobachtungsnacht das Richtige. Kommenden Samstag, 12. September treffen sich die Vorarlberger Amateur Astronomen am Furkajoch ab 20.00 Uhr zu einer langen Nacht der Sterne. Gäste sind herzlich willkommen und können gemeinsam mit den Fachleuten beobachten. Wenn mehr als die 50 Prozent des Himmels wolkenfrei ist, findet die Veranstaltung statt.
Robert Seeberger