Dornbirner Cocktailbar mit einzigartigem Namen feiert Jubiläum

Über 21.000 Cocktails gingen bei Hugo Bandeira im “August” direkt am Marktplatz über die Theke. Am 15. September feiert der beliebte Treffpunkt den dritten Geburtstag – ein NEUE-Lokalaugenschein.
Dass Hugo Bandeira überhaupt einmal eine Cocktailbar betreiben würde, hätte er selbst lange nicht geglaubt. „Ich bin in einem Restaurant aufgewachsen und habe gesagt, nein, das ist nichts für mich“, erzählt er im Gespräch mit der NEUE am Sonntag. Seine Eltern hatten in Dornbirn ein Restaurant betrieben, für Bandeira war die Gastronomie deshalb zunächst eher abschreckendes Familienerbe als berufliches Ziel.

Sein Traum war der Fußball. Mit 18 wechselte er vom FC Dornbirn zum FC Lustenau und bekam die Möglichkeit, in den Profibetrieb hineinzuschnuppern. Dann kam die Verletzung: Ende März brach er sich den Knöchel. Nach seiner Genesung ging es nach Portugal, wo er eineinhalb Saisonen in der dritten Liga spielte. Ein Höhepunkt war für ihn das Cup-Achtelfinale gegen Sporting Lissabon. „Auswärts 8:1 verloren vor 30.000 Zuschauern. Das war natürlich ein unvergessliches Erlebnis.“
Hugos einzigartiger Weg in die Gastronomie
Der Zufall führte ihn schließlich in die Gastronomie. Ein Freund erzählte ihm von einer Stelle in der Lustbar. Bandeira war zunächst skeptisch. „Vor der Bar kann ich. Hinter der Bar weiß ich noch nicht.“ Beim Bewerbungsgespräch machte er jedoch klar, dass er nicht einfach irgendeinen Job suchte. Nach wenigen Monaten wurde er zum stellvertretenden Barchef, später zum Barchef im Pier 69. Danach folgten drei Jahre im Hotel Schwärzler. Aus diesen Erfahrungen entstand schließlich seine eigene Cocktail-Catering-Firma. „Die haben mich in dem ersten Jahr, in dem ich für sie gearbeitet habe, für 20 Veranstaltungen gebucht. Auf der ganzen Welt“, erzählt Bandeira. Seine Überlegung war einfach: Wenn es für internationale Unternehmen funktioniert, müsste sich auch in Vorarlberg ein Markt für eine mobile Cocktailbar samt Catering finden lassen.

Heute betreibt er gemeinsam mit seinem Team das August im Roten Haus in Dornbirn. Dass es dazu kam, war ebenfalls ein Zufall. Constantin Ammann war ursprünglich über Bandeiras Homepage auf ihn aufmerksam geworden, weil er ein Paella-Catering suchte. Wenige Tage später kam der Anruf erneut. Diesmal ging es um eine Bar.

„Und innerlich habe ich schon einen kleinen Freudentanz gemacht“, erinnert sich Bandeira. Die Vorstellungen passten. Eine gehobene Cocktailbar sollte entstehen, optisch lässig, offen für Hausgäste und für alle anderen Besucher. „Von vornherein war das eigentlich ein absoluter Glückstreffer.“
Seit drei Jahren ist das August Teil des Dornbirner Nachtlebens. Hinter der Bar stehen neben Bandeira unter anderem sein langjähriger Weggefährte und Barchef Nektarios, an seiner Seite, sowie Laura und Isabel. Gerade am Wochenende brauche es ein eingespieltes Team. „Bei viel Betrieb musst du zu viert ziehen.“

Cocktails aus Leidenschaft
Wie viel Arbeit hinter einem Cocktail steckt, werde von Gästen oft unterschätzt. Im vergangenen Jahr wurden im August rund 21.000 Cocktails ausgeschenkt, Aperitifs und Longdrinks noch gar nicht eingerechnet. Für Bandeira ist ein guter Cocktail dabei weit mehr als ein Rezept. Entscheidend sei der Mix. Süße, Säure, Spirituose, Wasser, Eis und Temperatur müssten zusammenspielen. „Egal, wie der Cocktail heißt, die Balance muss stimmen. Auch den jeweiligen Bedürfnissen der Kunden entsprechend.“

Seine Karte besteht derzeit aus 20 Eigenkreationen. Klassiker wie Whisky Sour oder Gin Fizz gibt es ebenfalls. Besonders wichtig ist Bandeira aber die individuelle Beratung. Wer nicht genau weiß, was er trinken will, kann seine Vorlieben beschreiben und bekommt einen Drink, der dazu passt. „Das kannst du halt nur, wenn du einen guten Bartender hast.“
Auch alkoholfreie Cocktails spielen eine immer größere Rolle. Für Bandeira ist das eine Entwicklung, die er begrüßt. Während alkoholfreie Getränke früher häufig aus Fruchtsaft, Zitronensaft und Soda bestanden, seien heute deutlich komplexere Kreationen möglich. Bei den alkoholischen Klassikern gehören unter anderem Espresso Martini und White Russian zu den beliebten Bestellungen.

Der Name seines Lokals geht allerdings nicht auf einen Cocktail zurück. „August“ erinnert an August Rhomberg, den Großvater von Marc Hoffenscher und Constantin Ammann, der das Rote Haus in den 50er-Jahren übernommen und wieder aufgebaut hatte. Für Bandeira war der Name zunächst gewöhnungsbedürftig. Heute sieht er darin eine perfekte Verbindung zum historischen Gebäude. Das Rote Haus ist für ihn ein Wahrzeichen Dornbirns und der Name August passt zu dessen Geschichte.

Am Dienstag, 15. September, steht im August das dreijährige Jubiläum an. Bandeira hofft vor allem auf viele Stammgäste und einen gemeinsamen Abend. Geplant sind ein Aperitif, Pizza von seinem Freund Mario, der früher die Pizzeria Fellini betrieb, und ein Cocktailkurs für vier Personen als Gewinnspiel.

„Drei Jahre ist eine kurze Zeit, aber es ist schon eine intensive Zeit gewesen“, sagt Bandeira. Viel ist in dieser Zeit passiert. Aus dem jungen Mann, der mit der Gastronomie zunächst nichts zu tun haben wollte, ist ein Unternehmer geworden, für den Bar, Cocktails, Mode, Fußball und eine gehörige Portion Individualität zusammengehören. Und wie bei einem guten Cocktail ist die richtige Kombination entscheidend.
(NEUE am Sonntag)