Ein altes Handwerk: „Die Mosterei ist ein sozialer Treffpunkt geworden“

Für Philip Stemberger (48) ist die Herstellung von Most eine Herzensangelegenheit.
Wie sind Sie zum Mosten gekommen?
Philip Stemberger: Das ist mittlerweile schon 13 Jahre her. Ein damaliger Arbeitskollege und seine Partnerin hatten die Idee dazu und so kam das Ganze ins Rollen. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich noch keine Ahnung vom Handwerk. Mittlerweile führe ich den Betrieb „Mosterei Rick“ in Dornbirn allein. Hauptberuflich arbeite ich allerdings bei der Lebenshilfe.
Was ist das Herausforderndste am Mosten?
Stemberger: Ich glaube, das ist die ständige Veränderung der Technik. Mittlerweile gibt es moderne Pressen, da steckt nicht mehr so viel Handarbeit dahinter. Ich arbeite mit alten Maschinen, sogenannten Backpressen. Wenn hier mal etwas repariert werden muss, kennt sich heutzutage niemand mehr aus (lacht). Ich lerne selbst jedes Mal etwas dazu.
Wie hat sich diese Saison im Vergleich zu den letzten Jahren gestaltet?
Stemberger: Ich merke stark, dass die Apfelernte immer früher einsetzt. Ich höre öfters von Bauern, dass teilweise das Obst schon an den Bäumen verfault, aber ob das jetzt lediglich auf die heißen Temperaturen zurückzuführen ist, kann ich nicht sagen. Prinzipiell ist heuer aber ein gutes Obstjahr.
Wie läuft es ab, wenn jemand sein Obst zu Ihnen bringt?
Stemberger: Meistens sind das etwa zwischen 50 Kilogramm und drei bis vier Tonnen Obst. Dann wird das Obst erst einmal gewaschen und in einer Mühle gemahlen. Das Ergebnis davon ist dann die Maische, also die zerkleinerten Äpfel. Die frische Maische wird in einem Stapel aus Tüchern aufgebaut, indem sie in die Tücher eingeschlagen wird. Dann presse ich den Saft aus der Maische raus. Was bei meinem Betrieb wichtig zu wissen ist: Die Kundinnen und Kunden nehmen den Rohsaft mit. Der Saft wird also bei mir nicht pasteurisiert, dafür sind die Anlagen zu alt. Was noch nennenswert ist, dass bei diesem Prozess kaum Abfall entsteht, da ich die Überbleibsel nach dem Pressen an einen Bauern weitergebe, der sie dann an seine Tiere verfüttert.

Was fasziniert Sie am Mosten?
Stemberger: Ich finde es schön, ein eingeschworenes Kundenfeld zu haben. Während dieser Zeit treffe ich Menschen, die ich sonst das ganze Jahr über nicht sehe. Ich mag die Atmosphäre in meiner Mosterei, sie ist eine Art sozialer Treffpunkt geworden.
Inwiefern hat sich das Handwerk und die Wertschätzung dafür in den letzten Jahren verändert?
Stemberger: Ich merke, dass wieder etwas mehr jüngere Menschen zu mir kommen. Sie und auch andere Altersklassen lernen wieder, sich mehr mit der Natur zu beschäftigen und etwas aus ihrem Garten zu machen.
Glauben Sie, dass diese Tradition auch in Zukunft bestehen bleiben wird?
Stemberger: Das ist eine sehr schwierige Frage. Wenn man sich aktuell umsieht, was sich in Bezug auf Künstliche Intelligenz alles verändert, glaube ich schon, dass ein solch ursprüngliches Handwerk etwas Erhaltungswürdiges ist. Zu wissen, wie man etwas mit den eigenen Händen macht, gewinnt immer mehr an Bedeutung zurück.