_Homepage

Das sagen Vorarlberger Influencer zum geplanten Social Media Verbot für Jugendliche

19.09.2026 • 14:51 Uhr
Das sagen Vorarlberger Influencer zum geplanten Social Media Verbot für Jugendliche
Die EU möchte Social Media für Kinder unter 14 verbieten. Die Meinung Vorarlberger Influencer dazu überascht. APA/Hartinger/Liinda Meixner/Stephan Gappmeier.

Die EU-Kommission will den Zugang zu sozialen Netzwerken für Kinder europaweit stärker begrenzen. In Vorarlberg zeigen sich Influencer aus sozialen Medien dem Gesetz nicht abgeneigt.

Die EU-Kommission hat am 17. September mit dem „EU Kids Act“ einen Vorschlag vorgelegt, der Kindern den Zugang zu besonders riskanten sozialen Netzwerken und Videoplattformen begrenzen soll. Von einem pauschalen Social-Media-Verbot ist dabei aber keine Rede. Unter 13-Jährige sollen diese Dienste nicht nutzen können; 13- bis 15-Jährige sollen nur über von Eltern eingerichtete Konten mit eingeschränkten Funktionen Zugang erhalten. Ab 15 sollen reguläre Accounts möglich sein. Plattformen müssten das Alter datensparsam prüfen und ihre Angebote kindersicher gestalten. Gesetz ist das noch keines, Europaparlament und Mitgliedstaaten müssen dem Entwurf erst noch zustimmen.

Wenig Kritik

Dass die Debatte nicht an jungen Menschen vorbeigeht, zeigte bereits eine Umfrage der aha Jugendinfo. Im November 2025 nahmen 613 Jugendliche ab zehn Jahren über die Plattform aha plus teil. Die Erhebung ist zwar nicht repräsentativ, liefert aber ein deutliches Stimmungsbild: 84,7 Prozent halten eine Altersbeschränkung für Social-Media-Apps für sinnvoll. Dabei unterscheiden die Befragten klar zwischen den Plattformen. WhatsApp und YouTube würden viele schon für Zehn- bis Elfjährige zulassen. Instagram und TikTok würden sie überwiegend erst ab 14 beziehungsweise 16 Jahren freigeben.

Ähnlich fiel das Echo bei einer NEUE-Umfrage vergangenen Februar an der Mittelschule Haselstauden aus. Vivienne (14) findet ein Verbot gut: „Als Elf- oder Zwölfjährige sollte man seine Kindheit genießen.“ Auf Social Media werde „ein komplett falsches Bild“ gezeigt, sagt sie. Auch Leen (13) plädiert dafür, dass Unter-14-Jährige Social Media nicht verwenden sollen. Mehrere Schüler sprechen sich für einen Schutz bis 14 aus, halten ein Verbot bis 16 aber für zu weitgehend.

Aufgrund Ihrer Datenschutzeinstellungen wird an dieser Stelle kein Inhalt von Iframely angezeigt.


Die NEUE hat bekannte Social-Media-Persönlichkeiten aus Vorarlberg gefragt, wie sie den EU-Vorschlag beurteilen.

Das sagen Vorarlberger Influencer zum geplanten Social Media Verbot für Jugendliche

“Ein Verbot schützt, reicht aber nicht: Kinder treffen später auf dieselben Mechanismen. Deshalb brauchen wir Sensibilisierung, Medienkompetenz, mehr Druck auf Konzerne und Investitionen in unsere natürliche Intelligenz – Konzentration, Kreativität, Empathie, Sozialkompetenz und die Fähigkeit, Langeweile auszuhalten. Meine Generation kennt beide Welten: das Warten auf den Anruf am Festnetz und den Feed, der niemals endet. ICQ, MySpace und StudiVZ haben uns zusammengebracht; kein Algorithmus entschied damals, was wir sehen. Heute sehe ich auf Instagram kaum noch Beiträge von Freunden oder Familie, dafür Autoplay, Push-Nachrichten, Likes, Filter und KI-Videos. Kein Zufall: Algorithmen berechnen, was wir sehen und wie lange wir bleiben – mehr Aufmerksamkeit heißt mehr Daten und Profit. Social Media kann Sprachrohr für Minderheiten und Ort für heikle Themen sein. Doch die Forschung zeigt auch die Folgen des ständigen Körpervergleichs. Wir haben nie eine Bedienungsanleitung dafür bekommen. Daran arbeite ich seit sechs Jahren mit dem Offline Institute. „Das Offline-Manifest“ plädiert nicht für ein Leben ohne Technologie, sondern für einen bewussten Umgang mit ihr.“

Linda Meixner (lindameixner)
Das sagen Vorarlberger Influencer zum geplanten Social Media Verbot für Jugendliche

Im Allgemeinen befürworte ich dieses Verbot. Die jungen Menschen sitzen heutzutage ohnehin schon viel zu lange vor dem Smartphone beziehungsweise vor dem Tablet. Durch die neue Regelung würden sie sich eher mit Freunden draußen treffen, anstatt vor dem Bildschirm zu sitzen. Auch habe ich das Gefühl, dass es für die jungen Köpfe sehr viel Information ist, die noch nicht sein müsste.
Ich selbst habe mich in meiner Jugend kaum mit Social Media beschäftigt. Erst später, mit 16, habe ich mir einen Facebook Account angelegt, um mit Freunden in Kontakt zu bleiben. Mein erstes Smartphone hatte ich, Gott sei Dank, erst mit 18. Auch der Umgang mit den sozialen Medien hat sich meiner Meinung nach stark verändert. Man bleibt heute lieber zu Hause und vernetzt sich online untereinander anstatt, wie wir früher, in Discos zu gehen, um neue Leute kennenzulernen. Merkt man leider auch daran, dass immer mehr Clubs schließen, wie vor Kurzem das K-Shake.

Stephan Gappmeier (wälder_flex)
Das sagen Vorarlberger Influencer zum geplanten Social Media Verbot für Jugendliche

Ich finde ein Verbot für Kinder und Jugendliche nicht schlimm. Sie sollten hinausgehen und Zeit mit anderen verbringen. In meiner Kindheit hatten wir weder Handys noch Social Media. Als ich es entdeckte, war es hauptsächlich eine Tanzplattform. TikTok hat sich inzwischen stark verändert: Dort gibt es viele Meinungen und Erfahrungen, die für Menschen ohne gefestigte Meinung problematisch sein können. Die Jugend vernetzt sich heute häufig über Social Media. Ob darin eine extreme Gefahr liegt, weiß ich nicht. Mein kleiner Bruder hat kein TikTok, weil er seine sozialen Fähigkeiten zuerst im persönlichen Kontakt entwickeln soll. Auch Erwachsene sollten Inhalte bewusst konsumieren, weil fremde Meinungen uns unbemerkt beeinflussen können. Für mich hat Social Media Vorteile, etwa für das Marketing meines Cafés. Trotzdem verliere ich mich teils beim Scrollen. Deshalb brauchen nicht nur Jugendliche, sondern wir alle mehr Bewusstsein im Umgang mit Social Media.

Ashley Sahin (ashley_shn)