_Homepage

Ein neues Kapitel für das Tschofen

07.11.2026 • 10:00 Uhr
Ein neues Kapitel für das Tschofen
Nach längerer Pause ist das Tschofen in der Bludenzer Altstadt mit Pächter Daniel Fischer wieder geöffnet. Stiplovsek

Daniel Fischer setzt im denkmalgeschützten Haus in Bludenz auf frische Küche, Regionalität und Begegnungen.

Lange blieb es still im Tschofen, jetzt füllen wieder Gespräche und der Duft frisch gekochter Speisen das Restaurant in der Bludenzer Altstadt. Seit 1. Oktober führt Daniel Fischer das Lokal. Er bringt viele Jahre Erfahrung aus der Tourismusbranche mit und eine klare Vorstellung davon, was auf den Teller kommen soll: Frische Küche mit möglichst vielen regionalen Zutaten.

Ein neues Kapitel für das Tschofen
Das denkmalgeschützte Haus befindet sich in der Altstadt in Bludenz. Stiplovsek

Ein Neuanfang

Nach der Tourismusschule arbeitete Fischer im Marketing und Vertrieb bei der Silvretta Montafon, führte ein Reisebüro und leitete mehr als 20 Jahre lang Hotels. Seit fünf Jahren ist er bereits in Bludenz tätig. Zuletzt führte er das Hotel Alpstadt. Dann fiel ihm bei einem Spaziergang durch die Fußgängerzone das leerstehende Lokal am Hauptplatz auf. Mit Verpächter Sandro Preite blieb er in Kontakt. Aus den Gesprächen entstand schließlich die Idee, gemeinsam etwas Neues zu starten. „Das wäre doch ein tolles Projekt, das wir miteinander machen könnten“, erinnert sich Fischer. Preite blieb Verpächter, Fischer übernahm als Pächter. Am 1. Oktober war es schließlich so weit: Nach einer längeren Pause öffnete das Restaurant wieder. 15 Monate war es geschlossen, das Hotel elf Monate.

Ein neues Kapitel für das Tschofen
Die Inneneinrichtung wurde bei der Neueröffnung kaum verändert. Stiplovsek

Wer vor der Neueröffnung schon einmal im Tschofen war, erkennt vieles wieder. An der Einrichtung des Lokals habe man kaum etwas verändern müssen, erzählt Fischer. Er habe es schon zuvor gewusst, dass es hochwertig und lässig gestaltet sei. Im Hintergrund wurde dafür umso mehr erneuert: Geschirr und Gläser, die Schankanlage und die Technik. Auch im Hotel wurden Abläufe digitalisiert.
Das gesamte Gebäude steht unter Denkmalschutz. In den Hotelzimmern treffen alte und neue Elemente aufeinander. Eine Tür ist sogar nur 1,40 Meter hoch – ein Detail, das daran erinnert, wie viel Geschichte im Haus steckt. Auch der Weinkeller erzählt davon. Dieser stammt aus dem 18. Jahrhundert und seine Wände sind noch original. Künftig soll der Keller auch zum Schauplatz besonderer Abende werden.
Im Erdgeschoss treffen Hotel und Gastronomie aufeinander. Fischer gefällt dieser Mix: Hotelgäste, Touristen und Einheimische kommen hier zusammen. Betriebe bringen auch Kunden oder Mitarbeiter aus dem Ausland mit. „Somit wird Vorarlberg in die weite Welt getragen.“

Ein neues Kapitel für das Tschofen
Regionalität hat im Tschofen einen hohen Stellenwert. Stiplovsek

Regionalität, die man schmeckt

In der Küche soll nicht nur die Auswahl überzeugen, sondern auch das, was dahintersteckt. Fischer legt Wert darauf, möglichst regional einzukaufen und frisch zu kochen. Das Fleisch stammt aus der Region, Eier, Gemüse und Kartoffeln kommen von heimischen Bauern. Selbst die Kroketten werden im Haus gemacht. Mit dieser Vorstellung kam Fischer auch auf den Küchenchef zu, der von dieser Idee sehr begeistert war. „Er ist richtig aufgeblüht“, so Fischer. Dass beide dieselbe Idee von der Küche hatten, sei ein guter Start für das Team gewesen.
Auf der Karte stehen beliebte Klassiker und Empfehlungen, die sich mit der Saison verändern. Besonders gefragt sind das Rindsfilet und der Zwiebelrostbraten. Vor allem für diesen kommen Gäste inzwischen gezielt ins Tschofen. Doch auch an Gruppen, in denen nicht alle Fleisch essen, ist gedacht. „Wenn vier Leute am Tisch sitzen, ist inzwischen meistens auch ein Vegetarier oder Veganer dabei“, sagt Fischer. Für ihn soll es für alle eine passende Auswahl geben, damit eine Gruppe gemeinsam essen kann.

Ein neues Kapitel für das Tschofen
In der Speisekarte ist für jeden etwas dabei. Stiplovsek

Ein guter Start

Bereits nach kurzer Zeit kehrten die ersten Gäste regelmäßig ins Tschofen zurück. Mittags kommen Beschäftigte aus den Büros und Firmen in der Umgebung. Das Mittagsmenü spreche sie an, erklärt Fischer. „Das freut uns natürlich sehr, dass wir in so kurzer Zeit schon den ein oder anderen Stammgast begrüßen dürfen.“
Im Restaurant gibt es 60 Sitzplätze. Auf der Terrasse kommen weitere 40 dazu. Auch für kleinere Feiern ist Platz. Weihnachtsfeiern mit 20 oder 25 Personen sind bereits angekündigt. Große Gesellschaften seien wegen der Größe des Lokals nur begrenzt möglich.

Ein neues Kapitel für das Tschofen
Bei der Getränkeauswahl soll niemand zu kurz kommen. Stiplovsek

Weine von kleinen Betrieben

Zum Essen gehört für Fischer auch ein gutes Glas Wein. Im Weinkeller finden sich Flaschen von kleineren Bauern statt Massenprodukte – aus Österreich, Italien, Frankreich und anderen Ländern. Bei Aperitifs und Cocktails gibt es auch alkoholfreie Alternativen. „Jemand, der nichts trinkt, soll nicht einfach nur einen Saft trinken müssen.“ Auch ein alkoholfreier Cocktail oder Prosecco soll eine Möglichkeit sein.

Für das kommende Jahr sind besondere Abende geplant: Ein Winzer, dessen Weine im Tschofen ausgeschenkt werden, könne zu einer Verkostung in den Weinkeller kommen. Dazu soll ein eigenes Menü serviert werden. Zuerst wolle sich das Team aber etablieren und die Abläufe einspielen. Auch für Stammgäste soll es in naher Zukunft besondere Angebote geben.

Ein neues Kapitel für das Tschofen
Die Steinwand des Weinkellers stammt aus dem 18. Jahrhundert. Stiplovsek

Applaus für die Küche

Für Fischer ist das Tschofen ein eigenes Projekt nach vielen Jahren in der Tourismusbranche. Umso wichtiger ist ihm, dass das Team gemeinsam an einem Strang zieht – vom Einkauf über die Küche bis zum Service. „Die größte Bestätigung ist für mich, wenn jemand wiederkommt.“
Ein Abend ist ihm besonders in Erinnerung geblieben: Gäste bestellten eine „Küchenrunde“ und baten das Küchenteam anschließend zu sich an den Tisch. Als die Mitarbeitenden herauskamen, applaudierte das ganze Lokal – ein besonderer Moment für Fischer und eine Anerkennung für die Arbeit des Teams. Sein Wunsch für die Zukunft ist deshalb einfach: „Viele, viele zufriedene Gäste.“