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Zwischen Skepsis und Hoffnung

06.06.2020 • 22:54 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Daniela Greber und Markus Lagler hoffen auf einen erfolgreichen Herbst. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Daniela Greber und Markus Lagler hoffen auf einen erfolgreichen Herbst. Klaus Hartinger

Geplagt von der Krise ist auch das Burgrestaurant Gebhardsberg.

Eigentlich haben ihnen die Lage und die großzügigen Räumlichkeiten immer in die Karten gespielt. Das Burgres­taurant Gebhardsberg ist ein beliebter Ort für Hochzeiten und andere große Feste. Und das vor allem bei Gästen aus der Schweiz und Deutschland.

Das alles nutzt derzeit wenig. Die Betreiber kämpfen mit den Auswirkungen der Corona-Krise. 40 Prozent des Jahresumsatzes dürften verloren sein. Nun setzen sie auf die völlige Abschaffung der ­Grenzkontrollen am 15. Juni und auf einen guten Herbst. Doch es bleibt eine gewisse Skepsis, wie sich die Dinge entwickeln werden.

Das Burgrestaurant Gebhardsberg in Bregenz.<span class="copyright"> Klaus Hartinger</span>
Das Burgrestaurant Gebhardsberg in Bregenz. Klaus Hartinger

Umsatzausfälle

„Es wird zwei bis drei Jahre dauern, bis wir das wieder erwirtschaftet haben“, schätzt Gastgeber Markus Lagler. Am 15. März wurde geschlossen, womit zeitgleich die komplette Arbeitsgrundlage entfiel. Die gesamte Belegschaft wurde in Kurzarbeit geschickt. Kündigungen kamen für die Gastronomen nicht in Frage. Man ist froh über das derzeitige Team.

Mitarbeiter für die Gastronomie-Branche zu finden, war schon vor Corona schwierig. „Abgesehen davon muss die Mannschaft bereit sein, sobald es wieder losgeht“, sagt Lagler. Es sei ihnen immer bewusst gewesen, dass es eine Zeit „danach“ geben wird. Und bei einer Kündigung besteht selbstverständlich immer die Gefahr, dass die Betroffenen den Betrieb wechseln.

Viele Gäste kommen aus dem Ausland. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Viele Gäste kommen aus dem Ausland. Klaus Hartinger

50 Prozent aus dem Ausland

Geschlossen war das Burgrestaurant zwei Monate. Der Neustart Mitte Mai war wie befürchtet „sehr verhalten“. „Uns fehlen die Gäste aus Deutschland und der Schweiz. Nur mit den Einheimischen werden wir nicht überleben können“, ist sich auch Gastgeberin Daniela Greber sicher. Die Gäste aus dem angrenzenden Ausland machen immerhin gut 50 Prozent aus.

Aus der Schließung resultierten dann die Stornierungen. Hochzeiten und Geburtstagsfeiern wurden abgesagt oder verschoben. Veranstalter von Busreisen haben gleich alle angekündigten Besuche, die heuer geplant waren, gecancelt. Geschäftsessen, ausgehend von den großen Unternehmen im Land, fehlen komplett.

Die Gastgeber hoffen auf die komplette Reisefreiheit. <span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Die Gastgeber hoffen auf die komplette Reisefreiheit. Klaus Hartinger

Hoffnung auf 15. Juni

Nun würden die Reservierungen verhalten wieder anlaufen, sagt Greber. Das Team legt alle Hoffnung auf den 15. Juni, wenn alle Grenzen beidseitig wieder ohne Beschränkungen passierbar sind.

Eine gewisse Skepsis bleibt dennoch. In Zeiten wie diesen würde sich viel ändern. Eben auch Bewährte, Gewohnheiten oder Traditionen. Lagler vermutet etwa, dass Firmenevents und Geschäftsessen in Zukunft generell seltener stattfinden. „Das wird nicht mehr so, wie es einmal war. Es wird verstärkt über Webmeetings kommuniziert, das ist nun einmal die Zukunft“, meint er. Er fragt sich auch, ob es noch Weihnachtsfeiern in gleicher Art wie vorher geben wird. Für ihn ist vieles noch in der Schwebe.

Die Location ist für Hochzeiten bekannt. <span class="copyright">KLaus Hartinger</span>
Die Location ist für Hochzeiten bekannt. KLaus Hartinger

Corona-Maßnahmen

Und auch an die Maßnahmen müssen sich Gäste erst einmal gewöhnen. Selbst, wenn Lockerungen anstehen. Es fällt auf, dass einige Tische im Restaurant gewichen sind. „Dabei möchte doch jeder am Fenster sitzen. Das können jetzt nur noch wenige“, sagt Lagler. Auch auf der Terrasse sind insgesamt 25 Sitzplätze der Abstandsregelung gewichen.

Die Leute seien sehr verunsichert. Hätten zwar keine Panik, aber Sorgen, anzustehen. Dazu komme die Unsicherheit bezüglich der Entwicklung der Situation. „Auch für August und September bekommen wir Hochzeits-Absagen rein. Meist, weil einige Leute auf der Gäs­teliste aus aller Herren Länder anreisen“, sagt Greber. Immerhin verschieben 80 Prozent das geplante Event. Die kompletten Absagen halten sich im Rahmen.

Wer möchte schon bei einer Hochzeit auf Sicherheitsabstand achten.

Daniela Greber, Gastgeberin Gebhardsberg

Denn auch wenn eine Feier mit 100 (einheimischen) Gästen und mehr wieder erlaubt ist. „Wer möchte bei einer Hochzeitsfeier auf Sicherheitsabstand achten oder das Menü von einer Maske tragenden Servicekraft serviert bekommen?“ fragt sich Greber. Außerdem braucht es ein bis zwei Jahre, um eine Hochzeit von dieser Größenordnung umsetzen.

Mittlerweile mussten einige Tische der Abstandsregel wegen weichen. <span class="copyright">Klaus Hartinger </span>
Mittlerweile mussten einige Tische der Abstandsregel wegen weichen. Klaus Hartinger

Neu aufgestellt

Familie Greber hofft auf einen guten Herbst und hat noch weiter in die Zukunft geplant. Das Burg­restaurant Gebhardsberg gehört der Stadt Bregenz. Familie Greber ist seit 32 Jahren Pächter und Gastgeber. Jetzt haben sie außerdem die Corona-Zeit genutzt, um sich betriebsintern neu aufzustellen. Die Geschäftsführung wurde quasi geteilt.

Vater Christian Greber und Tochter Daniela Greber sind ab sofort für die strategische Ausrichtung zuständig, während die langjährigen Mitarbeiter Markus Lagler und Shanika Peiris für das operative Geschäft verantwortlich sind.
Auch die derzeit 15 Mitarbeiter sind zurück an Board. „Wir sind jedenfalls aufgestellt und freuen uns, wenn es wieder richtig losgeht“, sagt Daniela Greber.