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Pensionist hat Tochter doch nicht verleumdet

01.01.2021 • 18:14 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Archivbild/Hartinger

Richterin spricht 78-jährigen Pensionisten im Zweifel frei.

Der 78-Jährige aus dem Bezirk Bregenz hat nach Ansicht der Staatsanwaltschaft Feldkirch als Zeuge vor der Polizei bewusst wahrheitswidrig behauptet, seine Tochter habe ihn im August mit einem Wellblech geschlagen und dabei an der rechten Hand leicht verletzt. Daher wurde der unbescholtene Pensionist wegen falscher Zeugenaussage und Verleumdung angeklagt.
Bei der Hauptverhandlung am Landesgericht Feldkirch wurde der von Oliver Diez verteidigte Angeklagte aber im Zweifel freigesprochen. Das Urteil, mit dem Staatsanwalt Simon Mathis als Sitzungsvertreter der Staatsanwaltschaft einverstanden war, wurde schon am Ende der Verhandlung rechtskräftig. Schluchzend verließ der freigesprochene Rentner den Gerichtssaal.
Für Strafrichterin Claudia Hagen war auch nach dem Beweisverfahren „nicht klar, was passiert ist“. Wie und wann das Hämatom an der Hand des Angeklagten entstanden sei, sei für sie nicht feststellbar. Hintergrund für den behaupteten Vorfall seien familiäre Streitigkeiten.
Der Angeklagte gab vor Gericht zu Protokoll, seine Tochter habe ihm Wellbleche auf die Hand geschlagen. Die 49-jährige Zeugin hingegen sagte, ihr Vater sei auf ihrem Grundstück auf die Wellbleche gestanden, die sie gezogen habe. Dadurch sei ein Wellblech gegen ihr Bein gerutscht und habe sie leicht verletzt. Sie habe ihn nicht geschlagen. Er sei unverletzt geblieben. Ihr 50-jähriger Gatte bestätigte ihre Schilderung des Vorfalls.

Zivilprozesse

Verteidiger Diez berichtete, der Angeklagte habe seiner Tochter ein Grundstück geschenkt, auf dem er hobbymäßig eine Landwirtschaft betrieben habe. Mit der Schenkung habe das Martyrium für seinen Mandanten begonnen. Inzwischen gebe es zwischen Tochter und Vater drei anhängige Zivilprozesse wegen Besitzstörung und Räumung. Die 49-Jährige wolle damit erreichen, dass ihr Vater die Liegenschaft räumt und nicht mehr betritt.
Am Tag des Vorfalls hatte die Frau ihren Vater wieder einmal aufgefordert, endlich die abgestellten Wellbleche von ihrem Grundstück zu entfernen. Weil er das erst am nächsten Tag tun wollte, zog sie die großen Wellbleche weg. Was dabei passiert ist, kommentierte Staatsanwalt Mathis so: „Die Emotionen scheinen die Wahrnehmungen getrübt zu haben.“
Strafrichterin Hagen sagte zum Angeklagten schon zu Beginn des Strafprozesses, „wir können hier Ihre Streitereien nicht abarbeiten“.

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