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04.04.2021 • 06:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Mit neun bis 24 Feldhasen pro Hundert Hektar im Jahr 2005 sind die Bestandsdichten als gering bis mittel zu bezeichnen. Wildkaninchen gibt es in Vorarlberg nicht.<br><span class="copyright">Shutterstock</span>
Mit neun bis 24 Feldhasen pro Hundert Hektar im Jahr 2005 sind die Bestandsdichten als gering bis mittel zu bezeichnen. Wildkaninchen gibt es in Vorarlberg nicht.
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Wie der Hase zu den Ostereiern kam, warum er im Pfeffer liegt und was ihn zum Hasenfuß macht.


Langohr, Meister Lampe, Löffler, Mümmelmann – der gemeine Feldhase hat viele Namen. Er gilt als erfahren (alter Hase), ängstlich (Angsthase) und als einer, der schnell die Flucht ergreift (Hasenfuß). Manchmal liegt er auch im Pfeffer und weist auf die Ursache eines Problems hin, oder er gaukelt uns nur vor, ein Langohr zu sein, und zwar in Form eines Hackbratens (Falscher Hase).

<span class="copyright">Klaus Hartinger</span>
Klaus Hartinger

Und was wäre Ostern ohne den Hasen? Das wäre wie Weihnachten ohne Baum. Zum weltlichen Symbol für ein in der Familie gefeiertes Osterfest und damit zum Überbringer der Ostereier wurde der Hase im 19. Jahrhundert. Rituale wie das Verstecken der Eier hielten Einzug. Jedes Kind in hiesigen Gefilden weiß um den Geschenkebringer. Doch wäre es tatsächlich der Hase, der die Naschereien im Garten versteckt, hätte es über die viele Jahre hinweg immer weniger Süßes gegeben. Denn die Bestände schwinden

<span class="copyright">Shutterstock</span>Der Feldhase.
ShutterstockDer Feldhase.

Der Hase hat es schwer

„Die Bestände sind laut verschiedener Angabe seit den 1960er-Jahren stark abnehmend“, weiß Klaus Zimmermann, Fachberater der Inatura in Dornbirn. Gründe dafür sind der zunehmende Straßenverkehr und die Intensivierung der Landwirtschaft. „Es wächst kein Kraut mehr zwischen den Feldern, welches Schutz bieten könnte. Außerdem schadet den Tieren der Einsatz von Pestiziden. Nicht zuletzt fallen sie riesigen landwirtschaftlichen Maschinen zum Opfer“, sagt Zimmerman.

Der Feldhase bevorzugt halb offene Landschaften. Waldränder, buschigen Bewuchs zum In-Deckung-gehen. Vorarlberg bietet diese Vegetation nur begrenzt, da auch hier die Landschaft agrarwirtschaftlich geprägt ist. So hoppelt der Hase durch das Rehintal, das Ried, Schutzgebiete, Gegenden wie Walgau oder Leiblachtal bis hinauf in mittlere Höhen und sogar bis auf 2000 Meter. Dort sind die Bestände allerdings sehr gering. Im hochalpinen Lebensraum fühlt sich eher der Schneehase wohl.

Klaus Zimmermann, Inatura.
Klaus Zimmermann, Inatura.

Fressfeinde

Nicht nur menschengemachte Gefahren setzten Meister Lampe zu. Er ist sowohl Beutegreifern aus der Luft – sogar Krähen – als auch solchen auf dem Boden ausgesetzt. Füchse, Dachse, Marder, Wildkatzen sowie Wildschweine machen sich an den Tieren zu schaffen. Zwar bringt ein Hase gut und gerne bis fünf Kilogramm auf die Waage, bei einer zugegeben großen Katze können es vergleichsweise bis zu zehn sein, beim Fuchs sieben, und ein Dachs ist mit 20 Kilogramm das Schwergewicht unter den Fressfeinden.
Da hilft nur noch die Flucht. Der Hase erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 80 Kilometern pro Stunde und kann locker drei Meter weit und zwei Meter hoch springen. Ist er dennoch zu langsam für die herannahende Gefahr, zückt er den Joker und schlägt Haken, um den Verfolger abzuhängen. Solche Aktionen wiederum, verlangen dem Tier aber ungeheure Energiemengen ab. Auf Dauer ist das keine Strategie für den Hasenorganismus.

Hasennachwuchs

Als Nestflüchter sind die Langohren nicht einmal bei ihrer Geburt geschützt. Der Nachwuchs kommt quasi wie auf dem Präsentierteller zur Welt. Auf monotonen Ackerflächen fällt schon das kleinste Häschen mit seinen 100 bis 150 Gramm und trotz Tarnfarbe auf. Um möglichst wenig Aufmerksamkeit auf das Junge zu lenken, säugt die Häsin den Nachwuchs nur einmal am Tag und bleibt ansonsten auf Abstand. Der Geruch der Mutter könnte die Jungen gefährden, weil er besagte Fressfeinde anlockt. (Das gilt auch für Menschen. Die Jungtiere sollen stets Abstand halten!) „Mehr als die Hälfte des Wurfs überlebt das erste Jahr nicht“, weiß Zimmermann.

Zur Bestandserhaltung hilft immerhin, dass die Mümmelmänner (und -frauen) ein äußerst fruchtbares Völkchen sind. Drei bis vier Mal im Jahr gibt es bei Familie Hase Nachwuchs, ein Wurf besteht aus bis zu sechs Jungen.
Hätte der Feldhase keinerlei Fressfeinde und andere lebensbedrohliche Sorgen, würde er das stolze Alter von zwölf Jahren erreichen. Aber da liegt der Hase im Pfeffer.

Das Kaninchen.<span class="copyright"> Shutterstock</span>
Das Kaninchen. Shutterstock

Kaninchen, Hasen und Haustiere

Rein äußerlich sind Kaninchen kleiner und gedrungener als Hasen. Letztere haben längere Ohren, und Kaninchen fehlen die schwarzen Spitzen an den Löffeln. Das Kaninchen mag dem Feldhasen ähneln, sie sind aber lediglich entfernte Verwandte mit eigener Art. Biologisch sind Kreuzungen zwischen Wildkaninchen und Hase unmöglich. Die domestizierten Hauskaninchen stammen von den Wildkaninchen ab.

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Klaus Hartinger


Das Osterhäschen im Osternest will übrigens gut überlegt sein, denn lebende Tiere sind kein Geschenk für einen Tag, sondern bedeuten jahrelange Verantwortung. Kaninchen sind zudem soziale Tiere, sollten also nicht alleine gehalten werden. Darüber hinaus benötigen sie Platz und Auslauf, fürsorgliche Pflege, artgerechtes Futter und tierärztliche Betreuung, das alles verursacht auch Kosten. Wer den Tieren das nicht dauerhaft bieten kann, sollte lieber bei der Schoko-Variante bleiben.

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